Zurück zum Haider-Kurs? Grosz mit Westenthaler gegen den Rest

14.10.2010 | 18:41 |  Oliver Pink (Die Presse)

Das an Spaltungen ohnehin schon reiche Dritte Lager steht vor einer weiteren Zerreißprobe: Bei der Bündnissitzung des Bundes-BZÖ in Wien gerieten die Vertreter der beiden gegnerischen Gruppen heftig aneinander.

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Wobei von Gruppe zu sprechen in dem einen Fall dann doch übertrieben erscheint: Diese besteht nämlich mehr oder weniger nur aus Gerald Grosz, dem steirischen BZÖ-Landesparteiobmann, dessen Vize Harald Fischl und Ex-Bundesparteichef Peter Westenthaler.

Diese möchten zur alten Jörg-Haider-Linie zurückkehren und verweigern sich weitgehend jenem „rechtsliberalen“ Kurs, den die Parteiführung um Josef Bucher eingeschlagen hat und dessen Schwerpunkt auf Wirtschafts- und nicht auf Ausländerpolitik liegt.

Vor allem Gerald Grosz, der parteiintern seit Längerem den Ruf eines Intriganten hat, geht Josef Bucher und seinen Mitstreitern zusehends auf die Nerven. Unter anderem mit Aussendungen wie jener vom vergangenen Montag: „Im Lichte des gestrigen Ergebnisses der Wiener Wahl ist das steirische Ergebnis des BZÖ vor zwei Wochen wahrlich ein Triumph gewesen“, so Grosz provokant.

In Wien war das BZÖ mit der Bucher-Erfindung Walter Sonnleitner am Sonntag lediglich auf 1,33 Prozent der Stimmen gekommen. In der Steiermark sah der „Triumph“ des Grosz-BZÖ mit 2,98 Prozent allerdings auch nicht viel besser aus – wiewohl man wohlmeinend sogar von einer Verdoppelung sprechen könnte. Weiters schreibt der steirische BZÖ-Chef in besagter Aussendung von einer „desaströsen bundespolitischen Situation“ und von seiner „größten Sorge“, die er im Hinblick auf die kommenden Nationalratswahlen habe.

Aber auch in der Steiermark stößt Gerald Grosz mittlerweile auf Widerstand – und zwar in eigener Sache. Theatralisch hatte er vor der Landtagswahl sein Mandat im Grazer Gemeinderat zurückgelegt – um wenig später vom Rücktritt zurückzutreten. Allerdings will seine Nachfolgerin Brigitte Fischer ihm das Mandat nun nicht zurückgeben. Auch Gemeinderat Gerhard Mariacher will seines nicht abtreten.

Im Nationalrat sitzt Gerald Grosz übrigens auch noch. Dort ist er sogar stellvertretender Klubchef. Wenn es nach dem amtierenden Klubchef Josef Bucher geht, dann wohl nicht mehr allzu lange.

Aber vielleicht gründet Gerald Grosz ja von sich aus seine eigene Post-Haider-Partei in der Steiermark. Eine eigene Jörg-Haider-Gedenkmedaille gibt er bekanntlich schon heraus. Haider-„Lebensmensch“ und BZÖ-Kärnten-Chef Stefan Petzner steht allerdings auf Josef Buchers Seite.

Die Fortsetzung von „Grosz/Fischl/Westenthaler gegen den Rest“ folgt dann nächste Woche: Für kommenden Dienstag ist die nächste BZÖ-interne Krisensitzung angesetzt.

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15. Oktober 2010)

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12 Kommentare
Gast: Kärnten
16.10.2010 08:15
0 1

Das BZÖ ist ein Haider Fanclub.

Ohne ihn entbehrlich und unnötig.
Strache ist ein würdiger Nachfolger Haiders - weniger schlau und gerissen dafür aber geradliniger.

Gast: JamesDupoy
15.10.2010 14:19
0 1

BZÖ ist sinnlos

Das BZÖ ist schon seit Haiders Tod dem Untergang geweiht. Jede Berichterstattung über diese Chaos- Truppe ist Zeitverschwendung.

Antworten Gast: Wer-zuletzt-lacht
16.10.2010 00:57
1 0

Re: BZÖ ist sinnlos

Sogesehen war dein Kommentar "Zeitverschwendung".

Ich lach mich ab über so unnötige Kommentare.

Nein was das BZÖ wahrlich braucht wäre ihre wirtschaftlichliberale Ausrichtung richtung Keynesianismus zu verschärfen!

Beschäftigung zu schaffen ,wenn nötig auch durch künstlichen Eingriff des Staates in die Wirtschaft und Schaffung neuer Jobs.
Jedenfalls muss es dabei bleiben,dass der Staat soweit wie möglich zurückgedrängt wird, nur bei wichtigen Angelegenheiten wie der Beschäftigungspolitik reaktiviert wird!

willkommen in der versenkung...

...bitte nehmen sie ihren platz neben dem liberalen forum ein.

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Gemeinsamkeiten

Was den Wesenthaler und den Grosz verbindet ist, dass sich deren Ausbildung und beruflicher Erfolg in der Privatwirtschaft vornehm ausgedrückt in überschaubaren Grenzen bewegt. So gesehen ist es verständlich, dass sie beim Nahen der nächsten Nationalratswahl die Panik überfällt.

Gast: lupus
15.10.2010 07:35
1 0

weg mit den Seilschaften

das BZOE wär um einiges effizienter und glaubwürdiger, wenn es sich endlich (!) vom Gedanken verabschieden würde, das 'Erbe Haiders' zu verwalten und die alte Haider-Seilschaft zum Teufel jagen würde. Wenn der Bucher durchhält wird ja vllt tatsächlich was draus.

Btw.: wer im Programm des BZOE Neoliberales sieht, der sollte möglichst schnell zum Augenarzt.

Antworten Gast: gast
15.10.2010 10:38
1 0

Re: weg mit den Seilschaften

ich konnte bei haider nie (geradlinige) gedanken erkennen.
was in AT fehlt ist eine partei für selbständige, klein- und mittelstand, ganz allgemeine ein partei die sich mit der wirtschaftlichen ausrichtung des landes beschäftigt. herr bucher wäre am richtigen weg. ich fürchte nur, wenn man gegen den rest der welt kämpft, kein durchkommen durchs dickicht.
auswandern geht einfacher. und vorallem unterstützt man ja mit dem eigenen fleiß erst wieder "die gegner". steuern -> (parteien)förderungen.

man erkennt schnell, es geht in AT nicht um eine richtungsänderung, sondern uim eine systemänderung. manche im BZÖ glaube wahrscheinlich nicht an diese, und versuchen halt weiter ala strache durch reden und aufmerksamkeit ihr geld zu verdienen.

Gast: ARIEL-aber-sauber
15.10.2010 00:02
0 0

der westi braucht reden...

Er war sich selbst zu fein sich blicken zu lassen im Wiener Wahlkampf(wo genug Leute auf der Straße uns gesagt haben "der Westenthaler ist Klass" und nun intregiert er gegen DIE EIGENE STADTPARTEI!

Wenn Herr Ingenieur alles besser weiß, wieso war er dann NICHT EINMAL am Wahlabend dabei bei in der BZÖ Zentrale, möchte ich wissen.

Wir einfachen Mitglieder rennen und ab wie verrückt und einer der im Landesvorstand des BZÖ Wiens sitzt (Westenthaler) lässt sich nicht mal am Wahltag in Wien blicken.

Was ist denn das für eine Angewohnheit, gegen die eigenen Leute schimpfen!?

Wenn er meint die Steiermark ist besser als Wien, dann wünsche ich mir das Herr Westenthaler ins BZÖ Steiermark wechselt,denn in letzter Zeit hört man nur mehr das er in der Steiermark ist.
Vielleicht schaffen sie ja dann wirklich einen Erfolg, es würde aber endlich mal EFFEKTIV gearbeitet werden, da sich dann nicht die eigenen Leute beschimpfen tun!

Re: der westi braucht reden...

Nicht weinen, Gerald.

Antworten Gast: originaler Freiheitlicher
15.10.2010 01:29
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Re: der westi braucht reden...

Am besten wäre klare Haider-treue Partei wie die REFORMDEMOKRATISCHE FREIHEITSPARTEI ÖSTERREICHS unter der Leitung von Grosz und Westenthaler welche von dieser neoliberalen anti-Haider Meinung Abstand nimmt und zu den Ursprüngen einer neuen freiheitlichen Politik zurückfindet.

Besinnt euch auf die Ursprünge eurer Wählerschaft zurück wofür ihr immerhin über 10% gewonnen habt nämlich als neue patriotische und freiheitliche Reformbewegung! Leute wie Ernest Windholz, Kurt List oder auch ein Erich Tadler würden sicher lieber den Weg Jörg Haiders fortsetzen als einer neoliberalen Partei anzugehören.

Glück auf Gerald und Westi! Mut gewinnt - zeigt dem Bucher und seinen liberalen Freunden den wahren Weg von unserem Jörg und wenns sein muss mit einer richtigen orangen Bewegung - die 10,7% der letzten Wahl welche damals BZÖ gewählt haben werdens dir 2013 danken!

Antworten Antworten Gast: ARIEL-aber-sauber
16.10.2010 00:49
0 0

Re: Re: der westi braucht reden...

eine solche Partei müsste sich mit 0.7% zufrieden geben und das wäre sogar relativ viel!

Das BZÖ muss diesen Weg weiterverfolgen und wenn man schon etwas am Profil verschärfen MUSS dann kann man entweder die GANZE PARTEI UMBENENNEN oder welche die dem Weg zu widerlaufen nur ausschließen.
Viel mehr Möglichkeiten gibt es nicht.
Für das inhaltliche ist Josef Bucher verantwortlich und Politik ist eben NICHT Fußball wo 8.1 Millionen Österreicher meinen ein Team-Chef zu sein!

Homöpathische Dosis

BZÖ betreibt offensichtlich Homöopathie. Es ist nur die Frage, welche Potenz dann wirkt :-)

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