Hannes Androschs seltsames Verhältnis zu Claudia Schmied

04.11.2011 | 18:39 |  RAINER NOWAK (Die Presse)

Die Grünen haben das Volksbegehren geentert, die SPÖ tut sich schwer damit.

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Egal wie erfolgreich das seit Monaten mit viel Getöse angekündigte Bildungsvolksbegehren sein wird, für die SPÖ ist es kein Ruhmesblatt. Galt es parteiintern anfangs – also vor einem Jahr –, mittels Abgrenzung zum Ex-Hoffnungsträger der Partei, Volksbegehrensinitiator Hannes Androsch, sicherzustellen, dass dieser auch SPÖ-ferne Einrichtungen wie die Industriellenvereinigung und Parteien wie die Grünen ins Boot holen kann, wurde die Distanz dann real.

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Als Androsch im Sommer dieses Jahres merkte, dass die Zustimmung zu seinem Zwölf-Punkte-Programm – das er wegen seiner vielfältigen Unterstützer stark verwässern musste – nicht so groß ist wie erhofft, ging er in die Offensive. Er verschärfte seine mediale Kritik an der Regierungspolitik. Und damit in erster Linie jene an Unterrichtsministerin und Parteikollegin Claudia Schmied. Als er die Regierung im „Presse“-Interview als Blockierer bezeichnete und ihr „fehlendes Interesse an Bildungspolitik“ attestierte, reichte es manchen in der SPÖ.

Angesichts des Erfolgs, den Schmied zu diesem Zeitpunkt mit dem zuvor von der ÖVP blockierten Ausbau der Neuen Mittelschule feierte, kamen die Zwischenrufe mehr als ungelegen. Dass ausgerechnet ein früherer SPÖ-Politiker der Ministerin bei der medialen Vermarktung des neuen Schultyps in die Parade fuhr, nahmen ihm nicht wenige in der Partei übel. Dass die Begeisterung der Bevölkerung für das Volksbegehren zeitgleich eher ab- als zunahm, kommentierte man da nicht ohne Süffisanz: Androsch habe mit dem Start seines Begehrens wohl schlicht zu lange gewartet.

Dafür haben die Grünen nun das Volksbegehren geentert, wie ein hochrangiger Mandatar lächelnd erzählt. Von Eva Glawischnig abwärts geht so ziemlich jeder Mandatar der Grünen öffentlich unterschreiben und lädt die Medien zum Kameratermin.

Das führt in der SPÖ nun doch zu leichtem Ärger: Vor allem in der Wiener Landespartei weist man darauf hin, wie sinnlos die Reibereien zwischen Schmied und Androsch gewesen seien. Und: Werner Faymann und die Bundespartei hätten sich deutlicher hinter Androsch stellen sollen. Dass diese Unterstützung vom Kanzler zögerlich bis gar nicht kommt, hat einen einfachen Grund: Der Kanzler ist nicht sicher, ob und wie sich die Androsch-Initiative weiterentwickelt. Soll heißen: ob das Androsch-Begehren nicht eine „unguided missile“ ist, wie es heißt. Und nichts fürchtet Werner Faymannmehr als Kontrollverlust.

In der SPÖ wird nun fieberhaft daran gearbeitet, die Initiative doch noch als eigenen Erfolg zu verkaufen – und zwar unabhängig vom Ausgang des Volksbegehrens. Ein grobes Konzept hat man sich dafür bereits zurechtgelegt: Kann Androsch eine große Anzahl an Unterschriften einfahren, will man sich selbst in letzter Minute doch noch als wichtigster Unterstützer präsentieren – nicht umsonst haben Schmied und Michael Häupl bereits unterschrieben.

Floppt das Bildungsvolksbegehren, wird die Argumentationslinie einfach angepasst: Dann werde man, heißt es aus der Partei, darauf verweisen, dass „die Menschen mittlerweile bemerkt hätten, dass die SPÖ-geführte Regierung in Bildungsfragen doch etwas weiterbringe“.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2011)

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7 Kommentare
Gast: Fredak
07.11.2011 17:22
0

nehmens sie es nicht persönlich frau schmied

aber herr androsch hat sicher mehr ahnung von bildung system als sie.

Unbedeutend

Das Volksbegehren hat - wie so viele zuvor -.keine Relevanz. Kreisky sagte mal treffend: Hoppala, so viele haben unterschrieben, aber die Mehrheit nicht, wir bauen weiter, am Konferenzzentrum....
in dieser Regierung saß - Hannes Androsch,.. er weiß bescheid,...

Alles Phariäser!

Wohin schicken denn die Grüninnen ihre Kinder in Kindergarten oder Schule?
Wo geht denn der Spross vom Androsch in die Schule?

PRIVAT!!!!!

Antworten Gast: Gastxy
05.11.2011 16:10
4

Re: Alles Phariäser!

Was in Deutschland schon als gescheitert angesehen wird, feiert bei uns noch fröhliche Urständ. Es ist ohnehin ein Rätsel was Androsch da umtreibt.

Antworten Antworten Gast: the raptor
07.11.2011 08:09
1

Re: Re: Alles Phariäser!

Ein Generalangriff der Oberschicht und Apparatschicks gegen Mittelstand und Unterschicht? Dieses "Volks"begehren ist die größte Heuchelei, die mir in den letzten Jahrzehnten untergekommen ist.

Re: Alles Phariäser!

Richtig Augenauswischerei ,so nach dem Motto wir tun was für euch ( die nächsten Wahlen kommen)
Außerdem was soll das Geplärre von wegen Ausbildung ???
Was nützt die Ausbildung wenn die Jobs mit Hungerlöhnen gekrönt sind !!!
Die Aktiven Wirtschaftsbereiche sind längst ausgelagert ,dass weis der Herr Androsch sicher am Besten CHINA lässt grüßen wo Neue Betriebstätten errichtet werden unter der Federführung des Hannes.

Re: Re: Alles Phariäser!

Ganz stimmt das nicht, die kreativen Technikerjobs kann man z.B. nicht nach China auslagern, weil dem das chinesische Bildungssystem entgegensteht. Dieses Problem ist natürlich auch der chinesischen Regierung bekannt. Schaffen es die Chinesen, dieses System zu reformieren, könnte die Sache natürlich ganz anders ausschauen. Für uns bleibt zu hoffen, dass die Ideologie, die dahinter steckt, in den Köpfen der Chinesen zu tief verwurzelt ist, um schnell Reformen umzusetzen.

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