Hirschmann: „Eine Große Koalition ist ein Skandal“

13.07.2008 | 18:37 |  KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Steirischer ÖVP-Dissident Hirschmann hält „die Zeit reif“ für Dinkhauser.

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Die Presse: Rund um das Antreten von Fritz Dinkhauser kursiert auch Ihr Name als möglicher Kandidat. Ist das realistisch?

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Gerhard Hirschmann: Das wäre sicher eine gute Paarung. Nur denke ich nicht, dass es derzeit meine Interessenslage trifft. Meinen Beitrag zur Reform der Republik habe ich geleistet.

 

Wobei Ihr letzter politischer Versuch nicht ganz den Erwartungen entsprach (der Einzug in den steirischen Landtag bei der Wahl 2005 mit einer eigenen Liste wurde klar verpasst, Anm.). Welche Chancen geben Sie Dinkhauser?

Hirschmann: Die Zeit ist um weitere drei Jahre fortgeschritten und reifer – wie man auch in Tirol gesehen hat, wo 50 Prozent des Erfolgs Dinkhausers ja schon auf die Angefressenheit der Leute auf die Bundespolitik zurückzuführen waren. Man muss daher kein Prophet sein, um zu sagen, dass das BZÖ von Dinkhauser nicht einmal den Auspuff sehen wird.

War der Schritt der ÖVP, die Koalition aufzukündigen, richtig?

Hirschmann: Goldrichtig. Es ist zwar keine Lösung, aber es war eine Erlösung. Ich verabscheue eine Große Koalition, weil sie als Regierungsform korrupt, unfähig und ineffizient, also eigentlich ein Skandal ist. Es blutet einem ja das Herz, was durch das ewige Herumgejeiere alles wie auf einer Verladestation Richtung Heinz-Christian Strache – einen besonderen Dolm der Republik – hinübergeschoben wird.

 

Ist Wilhelm Molterer der richtige Spitzenkandidat für die ÖVP?

Hirschmann: Zum jetzigen Zeitpunkt ist er der richtige. Karl-Heinz Grasser wäre schillernder, aber nicht erfolgreicher. Dieses ständige Anpatzen der Nummer eins bringt ja nichts. Eigentlich müssten sich die Menschen in der zweiten Reihe fragen, ob sie die richtigen sind. Denn dort geht es um das tägliche Handwerk.

 

Was wäre Ihre Wunschkonstellation für die Regierung?

Hirschmann: Ein Lagerwahlkampf wäre toll. Zum Beispiel eine klare Ansage: Schwarz-Grün-Dinkhauser. Dafür marschiere ich!

 

Also Schwarz-Grün?

Hirschmann: Ja, weil es das Einzige wäre, was noch Dynamik bringt. Schwarz-Blau müssen wir ja nicht noch einmal haben. Das Problem bei den Grünen ist allerdings ihre schon lang andauernde Stagnation. Die haben eine Dynamik, die liegt noch hinter den Weinbergschnecken in meinem Garten.


ZUR PERSON: Gerhard Hirschmann hatte zahlreiche Funktionen in der steirischen ÖVP inne und galt als Vordenker. 2005 kandidierte er bei der Landtagswahl gegen Waltraud Klasnic. Die SPÖ gewann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2008)

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4 Kommentare
Gast: Eurotor
14.07.2008 13:27
0

Brutus schlaf weiter!

Gefällt mir gut die Einschätzung: korrupt, unfähig, ineffizient. Damit wäre nämlich ganau das Imperium der ÖVP Stmk. während seiner Amtszeit zu klassifizieren. Die Kleinparteien würden neben der ÖVP nur eine L. Periode überleben. Siehe BZÖ i.d. vl. Koalition.
Nicht einmal des SP gelang das Überleben. Zuerst müssten die blackies einmal ihren eigenen Stall ausmisten. Wie man in Tirol sehen konnte fehlt da jede Bereitschaft der Nomenklaturisten. Und die SP Tirol hat denen auch noch geholfen. pfui teifl - absolute Fehlentscheidung-. Wie die Schweine am Futtertrog, ja nicht wegbuxiéren lassen.

Gast: vivaldi
13.07.2008 21:40
0

Alte Dolchstossler

Die Presse ist schon ziemlich tief gesunken - Österreich-Krone-Niveau - wieso wird diesem beleidigten Ex-Provinzpolitiker wie G.H. solch ein Interview gewährt ?
Aber um dem wertkonservativen Lager zu schaden, kann man ruhig das Niveau senken !
Aber vielleicht irrt der Boulevard doch, wenn er sich für eine bedeutende politische Kraft hält ?

Nicht die Große Koalition war ein "Skandal"; es waren die handelnden Personen!

Die Befürworter der Großen Koaliton hatten, wir erinnern uns, bekanntlich dahin gehend argumentiert, daß der Vorteil dieser Regierungsvariante in ihrer breiten Abdeckung gesellschaftspolitisch relevanter Themenvielfalt liege. Von SPÖ und ÖVP sähen sich eben die meisten Menschen im Lande mit ihren jeweiligen Anliegen vertreten. So weit, so gut. Aber nun kommt¿s: Die Zusammenarbeit im Kabinett konnte aufgrund pesönlicher Aversionen der handelnden Personen nie wirklich gelingen. Statt für die Österreicher zu arbeiten, verzettelten sich beide "Partner" in täglichen Scharmützeln. Darin ging es um Dinge, die den "Menschen draußen" so schnurzegal waren wie nur irgendwas. Es waren nämlich keineswegs die Wünsche, Sorgen und Ängste, welche sie tagtäglich umtreiben; es waren sog. "Orchideenthemen" von Leuten, die noch nie im Leben den Quargelsturz ihres geschützten Parteibotops verlassen hatten. Vielleicht wäre mit anderen Personen besser gelaufen; doch wo diese her nehmen und nicht stehlen?

Re: Nicht die Große Koalition war ein

Wenn die "handelnden Personen" von SPÖVP nur halbwegs verantwortungsbewußte Politiker gewesen wären, hätten sie eine neue Verfassung beschlossen, denn das wäre die einzige Legitimation für die GK gewesen! Das haben sie aus reiner kurzsichtiger Dummheit versäumt, also lassen wir es!

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