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Ein Afrikaner als Deutschlehrer

05.02.2008 | 18:17 |  NASILA BERANGY (Die Presse)

Ein Germanist aus der Elfenbeinküste wollte in Österreich nur seine Ausbildung vertiefen. Doch er blieb im Land und bringt nun in seiner eigenen Lernakademie anderen Migranten Deutsch bei.

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WIEN. „Was ist das?“, fragt Ossiri Richard Gnaore und deutet auf einen Gegenstand in seiner Hand. Im Tenor kommt die Antwort aus dem Plenum: „Ein Ball“. Richtig. Gnaore lächelt und fährt mit dem Unterricht fort. Dass er es eines Tages so weit bringen würde, hätte er nicht gedacht – zum Leiter seiner eigenen Lernakademie.

Der Weg war allerdings kein einfacher, erzählt der heute 47-Jährige. Nach dem Studium der Germanistik in der Elfenbeinküste kam Gnaore 1986 nach Österreich, um die diplomatische Akademie zu absolvieren. Danach wollte er eigentlich zurück in seine Heimat. Doch mit der politischen Machtverteilung in der Elfenbeinküste und der Einheitspartei, die er für undemokratisch hielt, konnte er sich nicht mehr identifizieren. Daher sah er keine Möglichkeit mehr, in seiner Heimat im diplomatischen Dienst Karriere zu machen.

Also blieb er in Österreich, absolvierte Praktika bei der Atomenergiebehörde und einer Bank. Die Karriere schien weiter bergauf zu gehen – nach einer Aufnahmeprüfung konnte er bei einem Trainee-Programm der Bank teilnehmen. Alles lief bestens, bis ihm plötzlich der Personalchef mitteilte, dass er aus dem Programm genommen werde. „Er sagte, er vertraue eher einem kriminellen Österreicher als einem schwarzen Banker“, erzählt Gnaore.

Von dieser Erfahrung schwer enttäuscht, arbeitete er zunächst als Taxifahrer. Bis dem gelernten Germanisten die Idee kam, Nachhilfeunterricht zu geben. In einer Zeitung entdeckte er ein Inserat einer Ärztin, die Französisch-Nachhilfe suchte. Der erste Auftrag folgte, aus einem Schüler wurden schließlich so viele, dass er ein Nachhilfeinstitut gründete.

Zwei Jahre lang wirtschaftete sein Institut erfolgreich, bis eine Flaute einsetzte und Gnaore gezwungen war, sich einen Nebenjob zu suchen – als Deutschlehrer bei einem renommierten Institut. Bei seinen Schülern war seine Unterrichtsmethode beliebt, sagt er, bloß in der Belegschaft hatte er kein gutes Gefühl: „Das Klima war durch Intrigen vergiftet.“ Als er an einem Vormittag wegen eines privaten Termins zu spät zur Arbeit kam, teilte ihm sein Vorgesetzter mit, dass dies sein letzter Tag am Institut gewesen sei. Seinen Rauswurf kann Gnaore bis heute nicht nachvollziehen, immerhin habe er vorher Bescheid gegeben, dass er zu spät kommen würde.

Dass er als Afrikaner Deutsch unterrichtet, sei für seine Vorgesetzten nie ein Thema gewesen, ist Gnaore überzeugt. Daher will er auch nicht an ein rassistisches Motiv glauben. Doch diese Erfahrung bestärkte ihn, sein eigenes Nachhilfeinstitut zu erneuern und wieder selbstständig zu arbeiten.


Integrationskurse für Migranten

Mit Erfolg. Heute ist er Leiter zweier Lernakademien mit zwei Standorten und 13 Angestellten. Unter anderem bietet er dort Deutsch-Integrationskurse an, in denen die Schüler in einem Ausmaß von 300Stunden nicht nur Deutsch, sondern auch das gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben in Österreich kennen lernen, so dass sie im Alltagsleben zurecht kommen. Dass von 170 Deutsch-Integrationskursen österreichweit insgesamt zehn in Ossiris Lernakademie stattfinden, macht das Team besonders stolz. Gefördert werden die Kurse von der Magistratsabteilung 17 und dem Österreichischen Integrationsfonds. Der Kurs bereitet Migranten auf die offiziell gültige Deutschprüfung zur Erfüllung der gesetzlichen Integrationsvereinbarung vor.

Am Institut wird auch Englisch und Französisch unterrichtet. Der Fokus liegt jedoch klar auf der deutschen Sprache, da es Gnaore wichtig ist, dass Migranten der Sprache ihrer neuen Heimat mächtig sind.

Bei der Personalauswahl hat der Akademie-Gründer gezielt auf ein „buntes Team“ gesetzt. In seiner Akademie haben sechs von dreizehn Mitarbeitern Migrationshintergrund. Und er nimmt sich als „neuen Österreicher“ – so wie auch andere Unternehmer mit Migrationshintergrund in die Pflicht, „neue Akzente zu setzen und Migranten gezielt zu rekrutieren“. Denn es wäre nicht glaubwürdig, Integration zu fordern aber selbst nichts dafür zu machen.

Für seine Schüler ist der 47-Jährige aus der Elfenbeinküste offenbar Vorbild. Es motiviert, zu sehen, dass ein Migrant erfolgreicher Unternehmer und Leiter einer Lehrakademie sein kann. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und den Glauben, eines Tages selbst erfolgreich sein zu können.

DIE AKADEMIE

Ossiri Richard Gnaore wurde 1961 in der Elfenbeinküste geboren und lebt seit 1986 in Wien. Der Germanist und Absolvent der Diplomatischen Akademie führt seit 2000 ein Nachhilfeinstitut, das 2004 in eine Lernakademie umgestaltet wurde.

Die Lernakademie bietet Deutsch-Integrationskurse, Englisch und Französischunterricht.

Adresse: Keplerplatz 1, 1100 Wien oder Brunnengasse 12, 1160 Wien [Foto: Farzad Dadgar]

www.lernakademie.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2008)

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9 Kommentare
Gerald
06.02.2008 14:54
0 0

Nichts gegen den Herrn Gnaore

der sicher ein integrer Mensch ist.
Aber was soll dieser Artikel? Bin ich jetzt schon beim "Standard", wo wöchentlich das Leben eines Vorzeige-immigranten präsentiert wird um Stimmung für Multikulti zu machen? Es ist schön, dass es auch solche Immigranten gibt die so gut Deutsch lernen, dass sie es selbst unterrichten können und die offensichtlich arbeitsam und integrationswillig sind. Aber einen Artikel (vor allem unter der Politik-Rubrik) rechtfertigt das noch lange nicht. Im "Spectrum" würde ich mir so ein Gschichterl ja noch einreden lassen, aber in der Tageszeitung sollten Sachen mit Neuigkeitswert stehen und keine austauschbare Multikulti-Propaganda ohne jegliche Relevanz.

Paulibaer
06.02.2008 14:37
0 0

Einheitspartei in der Heimat


Klingt wie Ösistan, aber immerhin hat er sich die Mühe gemacht, Deutsch zu lernen - und kann selber die Formulare bei der Wiener Landesregierung ausfüllen.

Und außerdem : lieber rot-weiß-rot statt gackigrün.

8-))


leokoller3
06.02.2008 12:04
0 0

aber auch nicht voellig richtig ...

in einem fremden land ist's halt nicht ganz einfach, sich zu etablieren, sich 'was aufzubauen, sich durchzusetzten. ich bin mir ziemlich sicher, dass es fuer einen schwarzen in oesterreich mehr als nicht ganz einfach ist.
sich irgendwo einzuleben, ist schwer denug, sogar wenn man die gleiche hautfarbe und die gleiche religion hat.

Lepanto
06.02.2008 09:13
0 0

Nicht völlig falsch, was die Vorposter schreiben!

Und abgesehen von dem geschönten Lebenslauf (wer soll schon glauben, dass der tüchtigste Mitarbeiter wegen einer einzigen Verspätung vor die Tür gesetzt wird? und dann erst das süße Geschichterl, warum er nicht mehr heim wollte). Aber wo bleibt der Vorteil für Österreich? Da mildert einer als Sprachlehrer vielleicht Probleme - DIE WIR VORHER ABER GAR NICHT HATTEN! Das ganze noch finanziert vom Staat (MA 17, Integrationsfonds). Also kein Nettozahler, sondern ein Empfänger von Staatsknete (von wegen Migrationsüberschüssen in den öffentlichen Kassen). - Und unsere Politclowns? Haben nichts anderes im Sinn, als den N.-Zuwanderern ein bequemes Fortkommen zu schaffen. Statt dass sie sich zB dafür einsetzen, dass wir Eingeborenen in der Elfenbeinküste ohne Lebensgefahr ein Landgut erwerben können. Vol.ksverr.äter sind das.

Antworten Gast: padauz
06.02.2008 15:39
0 0

Re: Nicht völlig falsch, was die Vorposter schreiben!

mir wird schlecht vom zorn, grant, tlw neid, von solch angsthasen, graudenkern, negierern, schlechtmachern, klakarirdn...

Antworten Gast: kap
06.02.2008 13:40
0 0

Re: Nicht völlig falsch, was die Vorposter schreiben!

wunderbar!
sind werden wohl bei ALLEM und ÜBERALL etwas negatives finden!

sie sind sicher ein "studierter" :)!

B!

Gast: Susi
06.02.2008 08:57
0 0

Legal arbeiten und Arbeitplätze schaffen !!!

Ein gutes Zeichen für gelungene Integration !
Nicht nur, dass die einzelnen Mitglieder des "Multikultiteams", die Sprache unseres Landes so gut gelernt hat, dass ihnen ein Studium, welches sie zum Unterrichten derselben berechtigt absolvieren konnten, nein Herr Gnaore hat auch noch eine ganze Menge Arbeitsplätze geschaffen ! -> Hut ab vor so viel Engagement und Können !

Antworten Lepanto
06.02.2008 09:19
0 0

Susi? Sollte wohl SOZE heißen?

Lieber Wahlkampfcontainerposter. Das hier ist kein Propagandablattl der SPÖ=StadtWien, das in U-Bahnen gratis an die blöde Plebs verteilt wird. Also spar dir die Verdrehungen. Zur Sache: 1. Wo steht, dass die "Lehrkräfte" etwas studiert haben? Ist auch nicht notwendig. Jeder kann Sprachunterricht anbieten, wenn er einen Abnehmer findet. 2. Arbeitsplätze geschaffen? Ja, aber auch nur in der Sozidenke. Mit Staatsknete (MA 17, Integrationsfonds) ist gut stinken, äh ... geschützte "Arbeitsplätze schaffen". Freindschaft!

Gast: Humtata
06.02.2008 01:03
0 0

In China ist ein Sack Reis umgefallen.

Ein Immigrant geht einer legalen Arbeit nach. Super. Das dürfte so selten sein, dass es auf der Hauptseite an die große Glocke gehängt werden muss.

Multikulti ist gescheitert.

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