Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat den Holocaust erneut bestritten. Es sei "eine falsche Behauptung, ein Märchen, das als Vorwand für Verbrechen gegen die Menschlichkeit benutzt wird", sagte Ahmadinejad bei einer anti-israelischen Kundgebung zum Jerusalem-Tag. Der letzte Freitag im Ramadan ist seit 1979 der Tag für Kundgebungen gegen Israel, in Solidarität für die Palästinenser. Indessen demonstrierten zum ersten Mal seit Mitte Juli Anhänger der Opposition gegen die umstrittene Regierung.
Ahmadinejad sagte, falls die Europäer Millionen von Juden getötet haben sollten, dann sollten sie den Juden auch "in Europa, Amerika oder Kanada" Land schaffen. "Warum sollen die Palästinenser wegen eines Vorfalls leiden, an dem sie nicht beteiligt waren?", fragte Ahmadinejad. "Es ist unsere nationale, religiöse und islamische Pflicht, dem zionistischen Regime weiterhin entgegenzutreten." Israel bedrohe die nationale Sicherheit aller Staaten im Mittleren Osten. Die mit dem Westen verbündeten arabischen Staaten sollten sich nicht mit Israel einlassen. "Dieses Regime wird nicht lange überleben", erklärte er. "Sein Leben ist am Ende." Die Menschenmenge skandierte "Tod Israel!". Ahmadinejad hat seit seiner Wahl 2005 mehrfach mit der Leugnung des Mordes an sechs Millionen Juden für Empörung im Westen gesorgt.
Gewalttätige Proteste in Teheran
Indessen kam es im Zentrum von Teheran Augenzeugen zufolge zu Gewalt zwischen Sicherheitskräften und Anhängern von Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi. Es soll Verhaftungen und Verletzte gegeben haben. Nach Angaben von Zeugen schlugen mehrere Hardliner auf eine Gruppe von Oppositionellen ein, die die Demonstration verließ. Auch Ex-Präsident Mohammed Khatami wurde angegriffen, berichtete eine reformorientierte Internetseite.
Khatami sei inmitten einer Gruppe von Oppositionellen unterwegs gewesen. Konservative Regierungsanhänger hätten ihn zu Boden gestoßen. Anhänger der Opposition seien ihm zu Hilfe geeilt und hätten die Angreifer zurückgeschlagen. Khatami hatte sich im Streit um das Wahlergebnis der Präsidentenwahl auf die Seite der Opposition geschlagen.
Tausende Oppositionelle auf den Straßen
Seit Tagen drohte das Regime, allen voran die mächtigen Revolutionsgarden, jedem, wie sie es nennen, "Missbrauch" des Jerusalemtages, mit Entschlossenheit entgegenzutreten. Dennoch gingen tausende Anhänger von Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi zum Protest auf die Straße.
Auf den Internetseiten der Opposition gibt es Bilder riesiger grüner Märsche. Die Menge rief "Lasst die politischen Gefangenen frei" und "Keine Angst, wir sind alle zusammen", wie Augenzeugen berichteten.
Das Regime hat jedenfalls auch Angst. Sämtliche religiöse oder politischen Feiern während der vergangenen Wochen des Ramadan wurden abgesagt, um möglichen Massenkundgebungen vorzubeugen. Dies auch mit dem Jerusalemtag zu tun, wäre ein zu großes Eingeständnis gewesen.
(Ag.)
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