Dörflers Wahlkampf: Turrini statt Haider

Dass die Wahl für die FPK noch nicht verloren ist, hat sie Gerhard Dörfler zu verdanken. Mit dem Amtsbonus und der Ortstafellösung tingelt der Landeshauptmann durch Kärnten - und zeigt sich sehr anpassungsfähig.

Doerflers Wahlkampf Turrini statt
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Doerflers Wahlkampf Turrini statt
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Dazwischen liegt der Ossiacher See. Und eine kleine Verwandlung. Am Nordufer, in Bodensdorf, poltert Gerhard Dörfler am frühen Vormittag im „Café Katharina“ gegen „den Sozi als Bundeskanzler, der es zulässt, dass die Inflation die Pensionen auffrisst“, gegen die Grünen, „die davonlaufen, wenn sie ein Werkzeug sehen“ und Kärnten zurück ins Neandertal führen würden und gegen den Schriftsteller Peter Turrini, dem die „Kleine Zeitung“ eine mehrseitige Bühne für sein „Kärnten-Beschimpfungsprogramm“ geboten habe. „Es wird uns nicht ein schrulliger Künstler sagen, wie wir uns anzuziehen haben“, spielt Dörfler auf Turrinis Abrechnung mit dem Kärntner Anzug an. Da lobe er sich Peter Handke, der als Patriot zu Zeiten der EU-Sanktion Österreich verteidigt habe.

Hier im „Café Katharina“ sitzen der sogenannte „kleine Mann“ und die „kleine Frau“, Pensionisten und andere Menschen, die um diese Tageszeit Zeit haben. Eine ältere Dame, die sich jedes Jahr bei der Auszahlung des umstrittenen „Teuerungsausgleichs“ anstellt, nützt die Gelegenheit, dem Landeshauptmann mit einem Blumenstrauß persönlich dafür zu danken, was er für die einfachen Menschen tue. Dörfler ist gerührt und sagt: „Ich bin einer von euch. Ich will so sein, wie ich immer war.“

Zwei Stunden später am Südufer des Sees, in Ossiach, ist ein anderer Gerhard Dörfler zu erleben. Beim „Schlosswirt“ sitzt vorzugsweise bürgerliches Publikum, darunter viele Unternehmer. Statt Bier wird Tee und Kaffee getrunken. Dörfler hat die Lautstärke gesenkt, seine Worte sind besonnener. Er rühmt die Ortstafellösung, erklärt, dass Kärnten bei den Landesschulden nicht führend sei, sondern hinter Niederösterreich und Wien liege und erinnert an die Zeit, als er hier in Ossiach die Filiale der „Volksbank“ leitete. Ferialpraktikant sei damals ein gewisser Josef Martinz gewesen, später Bürgermeister im Ort, dann ÖVP-Landesparteichef und nun wegen Untreue zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

System Haider. Nicht zuletzt deswegen tingelt Gerhard Dörfler dieser Tage von Ort zu Ort. Der Birnbacher-Prozess im vergangenen Sommer hatte das „System Haider“ in aller Deutlichkeit bloßgelegt. Steuergeld soll über Umwege an die Parteien zurückgeflossen sein. Für die ÖVP ist dies erwiesen, im Fall der FPK laufen noch Ermittlungen. Die Empörung war groß, Neuwahlen waren die Folge. Die FPK war damals, wie es schien, am Ende, die SPÖ sah wie der sichere Sieger aus. Dass sich heute nicht mehr abschätzen lässt, wer am 3.März vorn sein wird, die SPÖ oder doch die FPK, liegt vor allem am Landeshauptmann, der sich einerseits einen Amtsbonus erarbeitet hat, andererseits ein begnadeter Wahlkämpfer ist. Nicht zuletzt, weil er sich selbst gern reden hört. Und das ist in einem Wahlkampf, bei dem man stündlich woanders auftritt, nicht von Nachteil.

Jörg Haider spielt in der FPK-Kampagne kaum eine Rolle. Es scheint, als sei der Schaden, auf ihn zu verweisen, mittlerweile größer als der Nutzen. Dafür wird Dörfler bei Auftritten auch vor freiheitlichem Publikum immer wieder mit Fragen, wie das denn nun mit den „Brüdern Scheuch“ sei, konfrontiert – obwohl nur noch einer, Kurt Scheuch als FPK-Chef, in der Politik ist. „Würde Dörfler den jetzt kurz vor der Wahl absetzen, dann hätte er die Absolute“, glaubt ein FPK-Sympathisant. So beliebt Dörfler ist, so unbeliebt sind Kurt und Uwe Scheuch – auch bei der eigenen Klientel. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber auch sentimental: „Unterm Haider – das war noch was.“ Dörfler mache das zwar ganz passabel, aber Jörg Haider sei unvergleichbar.

Das zeigt auch der Zulauf zu den FPK-Veranstaltungen. Im „Glaneggerhof“ im Glantal sitzen gerade einmal 20Leute. Hier spult Dörfler wieder sein Basisprogramm ab: ÖVP-Spitzenkandidat Gabriel Obernosterer wolle „eiskalt“ Sozialleistungen kürzen, den Großkonzernen ginge es nur um Gewinnmaximierung, deswegen werde „Pago“ zugesperrt – und auch Peter Turrini bekommt wieder sein Fett ab.

Und auch im Kulturhaus in St. Urban wird er eine Stunde später die Frage stellen: „Hat von euch schon wer Turrini gelesen?“ Diesmal zeigt einer auf – und gibt sich sogar als Fan des Autors zu erkennen. Dörfler ändert flugs sein Programm – die Turrini-Beschimpfung fällt diesmal aus.

Haiders Erbe

Gerhard Dörfler wurde am 29.5.1955 in Deutsch-Griffen in eine Arbeiterfamilie hineingeboren. Politisch geprägt wurde er durch den Arbeitgeber seines Vaters, den Sägewerksbesitzer und FPÖ-Politiker Reinhold Huber. Dörfler absolvierte eine Bankkaufmannslehre, war Filialleiter der „Volksbank“ und leitete die Schleppe-Brauerei. 2001 wurde er Landesrat, 2006 Landeshauptmannstellvertreter, seit 2008 ist er Landeshauptmann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2013)

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