Dörflers Wahlkampf: Turrini statt Haider

23.02.2013 | 18:38 |  von Oliver Pink (Die Presse)

Dass die Wahl für die FPK noch nicht verloren ist, hat sie Gerhard Dörfler zu verdanken. Mit dem Amtsbonus und der Ortstafellösung tingelt der Landeshauptmann durch Kärnten - und zeigt sich sehr anpassungsfähig.

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Dazwischen liegt der Ossiacher See. Und eine kleine Verwandlung. Am Nordufer, in Bodensdorf, poltert Gerhard Dörfler am frühen Vormittag im „Café Katharina“ gegen „den Sozi als Bundeskanzler, der es zulässt, dass die Inflation die Pensionen auffrisst“, gegen die Grünen, „die davonlaufen, wenn sie ein Werkzeug sehen“ und Kärnten zurück ins Neandertal führen würden und gegen den Schriftsteller Peter Turrini, dem die „Kleine Zeitung“ eine mehrseitige Bühne für sein „Kärnten-Beschimpfungsprogramm“ geboten habe. „Es wird uns nicht ein schrulliger Künstler sagen, wie wir uns anzuziehen haben“, spielt Dörfler auf Turrinis Abrechnung mit dem Kärntner Anzug an. Da lobe er sich Peter Handke, der als Patriot zu Zeiten der EU-Sanktion Österreich verteidigt habe.

Hier im „Café Katharina“ sitzen der sogenannte „kleine Mann“ und die „kleine Frau“, Pensionisten und andere Menschen, die um diese Tageszeit Zeit haben. Eine ältere Dame, die sich jedes Jahr bei der Auszahlung des umstrittenen „Teuerungsausgleichs“ anstellt, nützt die Gelegenheit, dem Landeshauptmann mit einem Blumenstrauß persönlich dafür zu danken, was er für die einfachen Menschen tue. Dörfler ist gerührt und sagt: „Ich bin einer von euch. Ich will so sein, wie ich immer war.“

Zwei Stunden später am Südufer des Sees, in Ossiach, ist ein anderer Gerhard Dörfler zu erleben. Beim „Schlosswirt“ sitzt vorzugsweise bürgerliches Publikum, darunter viele Unternehmer. Statt Bier wird Tee und Kaffee getrunken. Dörfler hat die Lautstärke gesenkt, seine Worte sind besonnener. Er rühmt die Ortstafellösung, erklärt, dass Kärnten bei den Landesschulden nicht führend sei, sondern hinter Niederösterreich und Wien liege und erinnert an die Zeit, als er hier in Ossiach die Filiale der „Volksbank“ leitete. Ferialpraktikant sei damals ein gewisser Josef Martinz gewesen, später Bürgermeister im Ort, dann ÖVP-Landesparteichef und nun wegen Untreue zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

System Haider. Nicht zuletzt deswegen tingelt Gerhard Dörfler dieser Tage von Ort zu Ort. Der Birnbacher-Prozess im vergangenen Sommer hatte das „System Haider“ in aller Deutlichkeit bloßgelegt. Steuergeld soll über Umwege an die Parteien zurückgeflossen sein. Für die ÖVP ist dies erwiesen, im Fall der FPK laufen noch Ermittlungen. Die Empörung war groß, Neuwahlen waren die Folge. Die FPK war damals, wie es schien, am Ende, die SPÖ sah wie der sichere Sieger aus. Dass sich heute nicht mehr abschätzen lässt, wer am 3.März vorn sein wird, die SPÖ oder doch die FPK, liegt vor allem am Landeshauptmann, der sich einerseits einen Amtsbonus erarbeitet hat, andererseits ein begnadeter Wahlkämpfer ist. Nicht zuletzt, weil er sich selbst gern reden hört. Und das ist in einem Wahlkampf, bei dem man stündlich woanders auftritt, nicht von Nachteil.

Jörg Haider spielt in der FPK-Kampagne kaum eine Rolle. Es scheint, als sei der Schaden, auf ihn zu verweisen, mittlerweile größer als der Nutzen. Dafür wird Dörfler bei Auftritten auch vor freiheitlichem Publikum immer wieder mit Fragen, wie das denn nun mit den „Brüdern Scheuch“ sei, konfrontiert – obwohl nur noch einer, Kurt Scheuch als FPK-Chef, in der Politik ist. „Würde Dörfler den jetzt kurz vor der Wahl absetzen, dann hätte er die Absolute“, glaubt ein FPK-Sympathisant. So beliebt Dörfler ist, so unbeliebt sind Kurt und Uwe Scheuch – auch bei der eigenen Klientel. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber auch sentimental: „Unterm Haider – das war noch was.“ Dörfler mache das zwar ganz passabel, aber Jörg Haider sei unvergleichbar.

Das zeigt auch der Zulauf zu den FPK-Veranstaltungen. Im „Glaneggerhof“ im Glantal sitzen gerade einmal 20Leute. Hier spult Dörfler wieder sein Basisprogramm ab: ÖVP-Spitzenkandidat Gabriel Obernosterer wolle „eiskalt“ Sozialleistungen kürzen, den Großkonzernen ginge es nur um Gewinnmaximierung, deswegen werde „Pago“ zugesperrt – und auch Peter Turrini bekommt wieder sein Fett ab.

Und auch im Kulturhaus in St. Urban wird er eine Stunde später die Frage stellen: „Hat von euch schon wer Turrini gelesen?“ Diesmal zeigt einer auf – und gibt sich sogar als Fan des Autors zu erkennen. Dörfler ändert flugs sein Programm – die Turrini-Beschimpfung fällt diesmal aus.

Haiders Erbe

Gerhard Dörfler wurde am 29.5.1955 in Deutsch-Griffen in eine Arbeiterfamilie hineingeboren. Politisch geprägt wurde er durch den Arbeitgeber seines Vaters, den Sägewerksbesitzer und FPÖ-Politiker Reinhold Huber. Dörfler absolvierte eine Bankkaufmannslehre, war Filialleiter der „Volksbank“ und leitete die Schleppe-Brauerei. 2001 wurde er Landesrat, 2006 Landeshauptmannstellvertreter, seit 2008 ist er Landeshauptmann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2013)

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46 Kommentare
 
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Ob Dörfler überhaupt versteht, was Turrini schreibt?

Die Geschichte, mit der er da hausieren geht hat ihm sicher jemand aus seinem Umfeld in einfachen Worten erzählt, damit auch Dörfler kapiert, worum es geht.

"...„den Sozi als Bundeskanzler, der es zulässt, dass die Inflation die Pensionen auffrisst“...."

da hat er Recht; nur was würde er als Landeshauptmann gegen die völlig versagende Bundespolitik machen wollen?

Soll aufhören Unsinn zu reden.

mal schauen ob

die kärnter den intelligenztest bestehen.

Re: mal schauen ob

Werden sie nicht; sind im Schnitt Imbezil.

Turrini - unerfreulich!

T. würde ich nicht freiwillig lesen. Für Germanistik-Studierende stand er lang auf der Tagesordnung. Texte wie die "Rozznjogd" sind einfach unerfreulich.

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Re: Turrini - unerfreulich!

Dann bleiben Sie halt bei Courths-Mahler

Re: Re: Turrini - unerfreulich!

Dürfte eher Ihrem mentalen Niveau entsprechen, wie ich annehmen darf.

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Re: Turrini - unerfreulich!

Dann bleiben Sie halt bei

Re: Turrini - unerfreulich!

wann ist die wahrheit schon erfreulich?

Re: Re: Turrini - unerfreulich!

Nun, Turrinis Texte sind für mich nicht "die Wahrheit". Sehen Sie das wirklich so - schlicht?

Egal

welche Partei ich möchte mit keiner die für einen solchen verantwortlich ist zu tun haben

Linke Rückzugsgefechte

Dass die Wahl für die FPK alles andere als "verloren" ist, hat sie vorallem dem Umstand zu verdanken, dass die lügnerische Hetze, sie würde "verlieren" nur bis zu einem gewissen Grad fortgesetzt werden kann.
Da sie aber eindeutig der Stimmung im Lande, die von all dem linken Gesox inner- und ausserhalb Kärntens genug hat, sowie auch allen Umfragen widerspricht, suchen die Hetzer nach einem geordneten Rückzug. Denn glauben tut ihnen eh keiner mehr.

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Re: Linke Rückzugsgefechte

Ui ja, dem rechten Gesindel (analog zu linkem Gesox, welches richtigerweise Gesocks zu schreiben wäre) glauben ja ach so viele Menschen, gell.

Nimm einmal deine blaue Brille ab und schau dir einmal an, wie die Realität aussieht, denn die scheinst du nicht zu kennen.

Re: Re: Linke Rückzugsgefechte

Nach der Wahl wirst es wíssen, linker Stinker (das schreibt man sicher so!),
dass Deine Realität die falsche ist.

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Re: Re: Re: Linke Rückzugsgefechte

Linker Stinker?

Oha, die Primitivität eines FPKlers kommt zum Vorschein

In Kärnten prangert man das System Haider an aber in Wien oder Niederösterreich wo es wesentlich schlimmer ist hält man schön den Mund...

Siehe auch Salzburg wo die Medien jetzt schon schön still halten....

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Re: In Kärnten prangert man das System Haider an aber in Wien oder Niederösterreich wo es wesentlich schlimmer ist hält man schön den Mund...

Ja richtig!
In NÖ gibt es halt keinen Abg. HOLUB !!
Er ist der Aufdecker in Kärnten und wird dafür eine Menge an Vorzugsstimmen erhalten...
Und für die FPK am 3.3.: Game over!
Kärnten ist dann wieder frei (von Lügnern und Korruptionisten)....

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Re: In Kärnten prangert man das System Haider an aber in Wien oder Niederösterreich wo es wesentlich schlimmer ist hält man schön den Mund...

Das System Haider führte dazu, dass alle Östereicher für 23 Milliarden mithaften dürfen. Das macht Kärnten auch so einmalig.

Re: Re: In Kärnten prangert man das System Haider an aber in Wien oder Niederösterreich wo es wesentlich schlimmer ist hält man schön den Mund...

Ihr glaubt doch echt noch immer der Haider hätte bei der Hypo viel mitzureden und zu bestimmen gehabt.

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hoffentlich

hat die blaue abzocke endlich auch in kärnten ein ende!

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Re: hoffentlich

Es wäre erfreulich, würde diese unrühmliche Ära der Rechten zu Ende gehen.

Theorie: Bradley-Effekt wiedeR?

Sollte es wieder zum Bradley-Effekt kommen (ich werde dafür die niedrigsten und besten Umfragen für FPK , BZÖ sowie ÖVP , Grüne und SPÖ in den letzten 3 Wochen vor der Wahl hernehmen) sind viele der Umfragen derzeit nichts wert.

So verhielt es sich mit den Umfragen in 2009:
http://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahl_in_K%C3%A4rnten_2009#Umfragen

Das sind die aktuellen min/max-Werte:

FPK: 23-26
SPÖ: 31-32
ÖVP: 12-13
Grüne: 12-15
BZÖ: 5-6
TS: 10-11

Gut, es gibt ein kleines Problem, FPK und BZÖ traten 2009 noch als "Liste Jörg Haider" an, deswegen wird der Bradley-Effekt welcher 2009 zutraf auf die damaligen Wahlsieger sowohl auf FPK und BZÖ angewendet, da nicht abzusehen ist wer mehr profitiert!

Das bedeutet (tatsächliche Ergebnisse, wenn es wie 2009 mit den Umfragen falsch verläuft):
Landtagswahl 2013 (vermutliches Ergebnis):
Die Abweichung beim BZÖ/FPK Ergebnis 2009 +6% , bei der SPÖ -8% bzw. -13%.

Grüne: -1% bzw. -2%.
ÖVP: +4% bzw. +6%

Unser einziges Problem ist,dass das TS damals noch nicht antrat, deswegen kann ich da nur die aktuellen Umfragen ohne "Abweichung" hernehmen.

Mögliches Ergebnis Landtagswahl Kärnten 2013 unter Anwendung der prozentuellen Abweichungen zu Umfragen:

FPK: 29-32%
SPÖ: 19-23%
ÖVP: 16-19%
Grüne: 11-13%
BZÖ: 11-12%

TS+ Sonstige: 1-14%


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Re: Theorie: Bradley-Effekt wiedeR?

Wow - und was sagt uns das jetzt? Genau nichts.

Am Wahltag werden wir wissen was Sache ist, alles andere ist sinnlose Ressourcenverschwendung.

Lei Lei

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kärntnerinnen und Kärntner so deeeeeeeeppppat sein können, diesen Typen zum Landeshauptmann zu wählen - ähnlicher Appell ergeht auch NÖ-innen und NÖ-er bzgl. ihres Landeserwins - eine Art Tyrannosaurus Rex der Macht

Re: Lei Lei

Warum lassen sie Wien linksliegen

Re: Lei Lei

Die Wiener ("Innen" schreib ich nicht, da ich seit meiner Pubertät weiss, dass es zweierlei Menschen gibt) sind aber offenbar schon seit langem und noch immer d.......ppert, da sie ihren Tyrannoalcoholicus Rex noch immer wählen.

 
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