Kärnten: Keiner will mit Dörfler koalieren

24.02.2013 | 20:57 |   (Die Presse)

Nur das BZÖ kann sich – unter de facto nicht erfüllbaren Bedingungen – eine Koalition mit Gerhard Dörflers FPK vorstellen. Der Tenor der Debatte im ORF: Kärnten braucht ein neues Image.

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Klagenfurt/Red. In Kärnten dreht sich eine Woche vor der Landtagswahl das Koalitionskarussell. Aber ohne Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK). Fast alle Parteien haben eine Koalition mit der FPK ausgeschlossen. Einzig BZÖ-Spitzenkandidat Josef Bucher, für den es bei der Wahl um das politische Überleben geht, kann sich eine solche vorstellen – allerdings unter de facto nicht erfüllbaren Bedingungen: nur ohne FPK-Landesparteichef Kurt Scheuch. Dörfler zeigte sich unbeeindruckt: „Wir wollen eine Koalition mit dem Wähler.“ Er bleibe dabei: Die stimmenstärkste Partei solle den Landeschef stellen.

Team-Stronach-Vertreter Gerhard Köfer schloss jegliche Koalition überhaupt aus – er wolle kein „Steigbügelhalter“ sein. Auch der Grüne Rolf Holub und ÖVP-Chef Gabriel Obernosterer wollen Gerhard Dörfler nicht zum Landeschef wählen, ähnlich SPÖ-Chef Peter Kaiser, der selbst Platz eins anstrebt. Er könne sich, so Kaiser, nur eine „punktuelle Zusammenarbeit“ vorstellen; dies sei notwendig. Ansonsten werde es unter seiner Führung keine rot-blaue Koalition geben. Er wolle andere Mehrheiten und das System ändern.

 

„Politische Ethik gestört“

In der Tat waren die Korruptionsskandale, die der Grund für die vorgezogenen Neuwahlen sind, neben den möglichen Koalitionen Hauptthema der von ORF–Kärnten-Chefredakteur Bernhard Bieche moderierten Runde. Der Tenor dabei: Kärnten braucht ein neues Image. „Die Skandale haben die politische Ethik in diesem Land nachhaltig gestört“, sagte Kaiser. Dazu Dörfler: „Dass die Skandale der Vergangenheit aufgeklärt werden müssen, das verstehe auch ich.“ Er beklagte allerdings, dass alles schlechtgeredet werde.

Der Grüne Holub gab sich diesbezüglich indes wenig verständnisvoll: „Ich empfinde Scham für das, was in der Vergangenheit passiert ist.“ Es brauche zuallererst einen Kassasturz. Stronach-Mann Köfer kritisierte, in Kärnten werde „nur gestritten“. Obernosterer (ÖVP) betonte, seine Partei habe als einzige aus ihren Fehlern – Stichwort Birnbacher – gelernt. „Wir können den Wählern ins Gesicht schauen.“

Nicht nur im Bezug auf Korruption und Koalitionen, auch an anderen Fronten stand Landeschef Dörfler relativ allein da, etwa in puncto Proporzregierung, die seine FPK als einzige Partei beibehalten will. Auch den rund 500 Millionen Euro schweren Zukunftsfonds will Dörfler als Einziger auflösen – alle anderen wollen den Fonds nicht antasten, sondern nur die Zinsen investieren. Bucher kann sich dazu allerdings eine Volksbefragung vorstellen.

Dazu, was passiert, wenn sie ihre Ziele verfehlen, war von Dörfler, Köfer und Bucher indes wenig zu erfahren. Obernosterer will die Parteiführung abgeben, wenn die ÖVP keinen Sitz in der Regierung bekommt. Kaiser will sich „zurückziehen“, sollte er nicht Landeschef werden. Holub, wenn er nicht in die Landesregierung kommt, „dasselbe machen wie jetzt: knallharte Oppositionsarbeit“.

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER) Kaernten Keiner will Doerfler

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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52 Kommentare
 
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Naja kein

vernünftiger Mensch der Welt würde eine lebende Handpuppe zum Oberfürsten wählen.

Re: Naja kein

Wieso? Funktioniert doch in den USA auch prima.

Keiner will mit Dörfler koalieren???

abwarten, der BZÖ-Bucher muß froh sein, mit so einer Koalition wieder für einige Jahre am Futtertrog bleiben zu können

Re: Keiner will mit Dörfler koalieren???

Bucher muss erst einmal genug Stimmen bekommen, um nicht gleich ganz weg vom Fenster zu sein.

der BZÖ-Bucher ist in der falschen Partei

er wäre ein guter Mann als Vorsitzender einer Unternehmerpartei. Ein mit Stolz wählbarer Stronach.
Aber auf dem mausetoten Pferd BZÖ kann auch der beste Reiter nichts ausrichten

Nüchtern betrachtet.

Liest man die FKP-Kampfpostings hier, kann man sich der Hypo-These nicht ganz verschließen, dass der Planet Kärnten noch immer seine Kreise um die Sonne der Marodeure zieht – in einem Paralleluniversum.

Liebe Landsleute, habt den Mut Brücken einzureißen!

Voll ausgenüchtert betrachtet sieht der Hypo.Skandal auf den Sie anspielen aber anders aus

da haben (natürlich neben dem unglücklichen System Haider) SPÖ & ÖVP finanziell weit mehr zu verantworten und Dreck am Stecken als Stecken da ist.

Re: Voll ausgenüchtert betrachtet sieht der Hypo.Skandal auf den Sie anspielen aber anders aus

Das hätte ich jetzt aber gerne genauer ausgeführt!

Ps.: Was am System Haider war unglücklich? Ich würde eher von kriminell schreiben.

Ich würde eher von kleinkriminell schreiben.

wenn ich mir ansehen was in Salzburg, Linz, Wien und Niederösterreich abgeht und wenn ich dann noch das ESM Durchwinken plus die Kredite an Griechenland dazurechne (von dem repetierenden Milliardendebakel und Defraudantentum um ÖBB un den schwechater Tower nicht zu reden) und das alles zu einem System Haider ins Verhältnis stelle, das dem Land auch viel gebracht hat, dann ist das System Haider ein viriler Kleingauner, Bratpfannen und Wundertuchverkäufer gegen eine Unzahl von impo:tenen Bankräubern.

Re: Ich würde eher von kleinkriminell schreiben.

Was haben all die von dir aufgezählten Dinge mit dem Thema des Threads zu tun?

Dieses kindische: "Tante, aber der Hansi hat auch..." ändert nichts daran, dass die Rechten Kärnten mit all ihrer Korruption und Freunderlwirtschaft systematisch runtergewirtschaftet haben.

"...ändert nichts daran, dass die Rechten Kärnten mit all ihrer Korruption ..."

Doch.
Denn die Unterschriften z.B. bei den Haftungen die die Hypo übernommen hat prangen fett alle Namen der SPÖ & ÖVP Offiziellen die sich heute unter eine Leiche verstecken.

Fakten sind halt Fakten, auch für Maoris

Re: Ich würde eher von kleinkriminell schreiben.

Interessant welche Vergleich sie aus Bund und Ländern herbeizaubern müssen, um die Malversationen zu rechtfertigen. Zumal als Basis für die monetäre Bewertung lediglich Ihre Mutmassungen herhalten müssen. Kurz gesagt Haiders "Leistung" inklusive Haftungen auf ganz Österreich umgelegt und die Länder wären Bankrott. Was es dem Land Kärnten gebracht hat, wissen nur Sie allein und ihr männliches Kleingauner System Haider, was für ein "gelungener" Versuch einer Verniedlichung.

"..Kurz gesagt Haiders "Leistung" inklusive Haftungen auf ganz Österreich umgelegt.."

Kurz gesagt gilt nicht. Einem Toten kann man viel umhängen - tatsächlich tragen alle Hypo Haftungen nachweislich vor allem die Unterschriften von SPÖVP. Und das ist akten- wie gerichtskundig

Re: Re: Ich würde eher von kleinkriminell schreiben.

Ich rechtfertige kein Malversationen sondern ich stelle nur logische Verhältnissmäßigkeiten her. Und wenn Sie einen Taschenrechner hernehmen und die Abgänge gegen die entstandenen Umwegrentabilitäten für das Land herrausrechnen und diese von Kärnten einzeln gegenüber Wien, NÖ, Linz, salzburg und Wien gegenüberstellen was sehen sie dann?

Einen kleinen Maulwurfshügel gegen das Matterhorn

Re: Ich würde eher von kleinkriminell schreiben.

Interessant welche Vergleich sie aus Bund und Ländern herbeizaubern müssen, um die Malversationen zu rechtfertigen. Zumal als Basis für die monetäre Bewertung lediglich Ihre Mutmassungen herhalten müssen. Kurz gesagt Haiders "Leistung" inklusive Haftungen auf ganz Österreich umgelegt und die Länder wären Bankrott. Was es dem Land Kärnten gebracht hat, wissen nur Sie allein und ihr männliches Kleingauner System Haider, was für ein "gelungener" Versuch einer Verniedlichung.

Kärntenu

Das Land der Doka hat das Image, daß es verdient.

Eine Brücke , von der ganzen Republik und nicht von Kärnten bezahlt, wird nach einem Alko-Lenker benannt.

Kärnten - leider noch Bestandteil der Republik

Re: Kärntenu

Das Image, dass es WAS verdient? Schon Ihrem ersten Satz fehlt jegliche Logik.

Re: Re: Kärntenu

Nicht alles was du nicht verstehst ist deshalb auch unlogisch.

Nicht jedes Posting von systemischen Kärntnerhassern sind unlogisch

bis jetzt nur 100% - aber vielleicht kommt noch was Vernünftiges...

Kärnten: Keiner will mit Dörfler koalieren

Entscheidend ist, was der Wähler will, nicht was die anderen Parteien bzw. die Presse will.

Dann wird Dörfler halt alleine regieren müssen

wer glaubt, das die ÖVP mit dem nur sehr überschaubar medienaffinen; eher vierschrötig immer verärgert und mieselsüchtig schauend daherwankenden Obernosterer einen Preis gewinnen kann, muss zu tief ins Glas geschaut haben.

Alle Parteine ausser der FPK sind also Demokratie-Unfaehig

Denn alle Landesregierungen sind im Grunde Konzentrationsregierungen. Ausser in Wien.

so glaubhaft, die ÖVP!

wird wohl keine 48 andauern, bis sie mit der FPK wieder gemeinsame Sache macht. Alles, was Rot verhindert!

Re: so glaubhaft, die ÖVP!

in ihrem letzen Satz fehlt ", ist gut!"

seine frau auch nicht?


Keiner will mit Dörfler?

Beide Großparteien werden sich schon vor der Stimmenauszählung in braunen Anzügen anstellen!

 
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