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Nahost: Kairos Angst vor „Zeitbombe Gaza“

25.01.2008 | 18:44 |  Von unserem Korrespondenten KARIM EL-GAWHARY (Die Presse)

Ägypten will Grenze zum Gazastreifen schließen, Palästinenser wehren sich.

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RAFAH/KAIRO. Die Palästinenser des Gazastreifens wollen ihre neu gewonnene Lebensader nicht einfach so aufgeben. Ein erster ägyptischer Versuch, die Grenze zum Gazastreifen erneut zu schließen, endete Freitagnachmittag mit dem Rückzug der ägyptischen Sicherheitskräfte. Nur eine Stunde nachdem ägyptische Polizisten versucht hatten, die letzte Öffnung im Grenzzaun zu schließen, zogen sie sich angesichts des palästinensischen Ansturmes zurück. Zuvor hatten Bulldozer vom Gazastreifen aus neue Breschen in den Grenzwall gebrochen.

Am dritten Tag nach dem Eindringen hunderttausender Palästinenser in Ägypten hatte die ägyptische Polizei alle offenen Stellen, die von den Palästinensern in den Grenzwall gesprengt worden waren, geschlossen. Nur eine Bresche blieb offen, um den in Ägypten verbliebenen Palästinensern die Rückkehr in den Gazastreifen zu ermöglichen. Doch bis zu den Mittagsstunden wuchs die Zahl der Palästinenser, die noch im letzten Moment über die Grenze nach Ägypten kommen wollten. Wütende Männer warfen Steine auf die ägyptischen Polizisten, die antworteten mit Schlagstöcken und Wasserwerfern.

„Ich habe bis Freitag gewartet, um hier herüberzukommen. Denn ich habe einige Tage gebraucht, um das Geld zum Einkauf in Ägypten zusammenzukratzen“, meinte der 17-jährige Palästinenser Yussuf Muhammad frustriert.


Druck aus Israel und den USA

Ägyptens Versuch, die Grenze wieder zu schließen, kam schneller als erwartet. Die Aussagen des stellvertretenden israelischen Verteidigungsministers Matan Vilnai vom Donnerstag hatten in Kairo alle Alarmglocken schrillen lassen: Israel sollte graduell die Verantwortung für den Gazastreifen abgeben, da jetzt die Grenze zu Ägypten offen sei, hatte Vilnai verkündet.

Die Antwort aus Kairo kam prompt: Bei der Grenzöffnung handele es sich nur um eine kurzzeitige Ausnahme. „Unter keinen Umständen werden die Ägypter akzeptieren, dass die Zeitbombe Gaza Ägypten zugespielt wird.“ Das sei eine alte israelische Idee, sagt Mohammed Al-Schazli, Journalist der staatlichen Zeitung Al-Ahram. Die Lösung sei, dass Israel seine Blockade beende und die Hamas mit dem Raketenbeschuss von Israel aufhöre.

Dass die Ägypter versuchen, die Grenze zumachen, hat aber nicht nur mit der Sorge zu tun, das Problem des Gazastreifen aufgebürdet zu bekommen. Auch aus Washington war in den letzten Tagen der Druck immer größer geworden. Dazu kommt Ägyptens Sorge um seine eigene Sicherheit. Das ägyptische Regime hat Angst, dass über den Gazastreifen militante Islamisten nach Sinai und ins Niltal einsickern könnten, um dort Anschläge zu verüben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2008)

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8 Kommentare
Lady Manhattan
26.01.2008 09:59

Geh!

Geh, Ägypten will den Gazastreifen mit den netten Mitbrüdern nicht???
Wie schön Al-Schazli das gesagt hat; als wäre Israels Grenzschließung die erste Aktion gewesen und die Gewalt aus dem Gazastreifen gegen israel, speziell in Form von Bomben, die Reaktion darauf gewesen. Muss orientalischer Erzählstil sein, denn die Fakten sind genau umgekehrt.
Möchte mal sehen, ob wir in Ö ständig Nachbarvölker zu uns reinließen, von denen massive Bedrohung für Leib und Leben für uns ausgeht.
Wo sind die arabischen Flugzeuge mit Carepaketen, die über Gaza abgeworfen werden? Gibt es nicht? Ja, warum wohl nicht? Weil die Palästinänser von der islam. Welt schon seit eh und je als Geisel gegen Israel gehalten werden, um doch eines Tages wieder die Welt gegen israel aufzuhetzen. Wetten wir, das wird noch kommen?

Antworten phuter
26.01.2008 14:30

Sehen sie...

Wir haben das auch so gemacht. Zuerst haben wir diese Orientalen in Ghettos gesperrt und sie fast verhungern lassen, als sie dann freiwillig gingen und wo anders einen Staat gegründet haben hatten wir hier eine ruhe...
Wer Cynismus entdeckt darf ihn behalten

Antworten wüterich
26.01.2008 11:43

Liebe Frau!

Das Palästinenserproblem und die permanente Kriegsgefahr im Nahen Osten begann mit der gewaltsamen Staatsgründung Israels im Jahre 1948.
Israel wird daher an dem Problem für alle Zeiten zu kauen haben!


Antworten Staunton
26.01.2008 10:50

Wollen Sie damit zum Ausdruck bringen, dass Israel ständig gelogen hat, wenn es allen möglichen Ländern der Region vorwarf...

...dass sie ständig Gelder in die Palästinensergebiete einschleusen. Und deswegen auch Geldsperren und strengste Kontrollen verlangte. Und wenn Sie mir jetzt mit dem Schmäh kommen sollten, dass diese Gelder für den Kauf von Waffen verwendet würden, dann darf ich Ihnen schon mitteilen, dass vermutlich das Geld, das Irael nur für ein einziges modernes Kampfflugzeug ausgebt, bereits ausreichen würde, um alle (teilweise sogar eher mieselsüchtigen) Waffen zu kaufen, welche die Hamas derzeit zur Verfügung hat.

Aaron Fishhof
26.01.2008 07:46

Soll halt

Ägypten die Hamas-Terroristen weiter in den Iran abschieben oder nicht?

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten wüterich
26.01.2008 08:29

Re: Soll halt

Lieber Herr AF!
Israel sitzt in der Hamas-Falle, in welche es sich selbst durch seine permanent ungeschickte Politik der Eisernen Faust hineinmanövriert hat!
Es ist nicht Aufgabe Ägyptens, für Israel die Kastanien aus dem Feuer zu holen!


Gast: Parzelle
25.01.2008 23:16

Warum wird der Gaza Streifen.....

nicht über Agypten versorgt?
Dann könnten die Israelis nicht dauernd den Strom abschalten und die Waren gelangen über Agypten zu den Palästinensern.

Antworten phuter
26.01.2008 14:31

Weil dann der agressive Zwergstaat ...

Ägypten angreifen würde.

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