JERUSALEM. Über 100 Todesopfer, zahllose Verletzte und viele zerstörte Häuser: Die Hamas-Führung im Gazastreifen hält das nicht davon ab, die Kämpfe der vergangenen Tage als „Sieg“ zu bezeichnen. Machmoud Zahar, ehemaliger Hamas-Außenminister, versprach am Montag vor einer Menschenmenge in Gaza, Hamas werde jenen Palästinensern Wiedergutmachung zahlen, die durch die israelische Militäroperation „Heißer Winter“ Schaden zu beklagen hätten.
Nach fünf Tagen zogen die israelischen Bodentruppen Montag früh wieder aus dem Gazastreifen ab. Regierungschef Ehud Olmert kündigte aber schon wenig später weitere Aktionen an: „Diese Operation war keine einmalige.“ Ungeachtet des israelischen Abzugs setzte Hamas den Raketenbeschuss auf Ashkelon und Sderot fort. Extremisten in Gaza riefen dazu auf, die „israelischen Verbrechen“ zu rächen, die zum Tod von über 110 Menschen geführt haben.
Der „Heiße Winter“ der israelischen Armee begann am vergangenen Mittwoch, als die Hamas mit Raketensalven auf den Tod von fünf ihrer Kämpfer reagierte. Unter schweren Beschuss geriet dabei zum ersten Mal auch die Hafenstadt Ashkelon, die die Hamas offenbar mit aus Iran gelieferten „Grad“-Raketen angriff.
Das harte Vorgehen der israelischen Armee löste weltweit Proteste aus. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza handelte es sich bei rund der Hälfte der Opfer der israelischen Angriffe um Zivilisten. Dagegen spricht die israelische Armee von lediglich „zehn Prozent“.
Missbrauchte Zivilisten
Problematisch ist, dass die Hamas ihre Raketen aus dicht bewohnten Vierteln abschießt. „Die Hamas missbraucht Zivilisten als Schutzschilder“, heißt es in einer Mitteilung des israelischen Außenamtes in Jerusalem, das sich auf die Genfer Konventionen bezieht. Die Verantwortung läge deshalb bei denen, „die die Zivilisten willkürlich der Gefahr aussetzen“.
Am Mittwoch soll Israels Sicherheitskabinett über weitere Maßnahmen beraten. Die Vorschläge der Minister reichen von der Exekution politischer Hamas-Führer über das Ausradieren ganzer Wohnviertel bis hin zum Ende des diplomatischen Boykotts gegen die Hamas und zur Aufnahme von Gesprächen mit den Extremisten. Meinung S. 39
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2008)
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