Wien (hd). „Am meisten macht uns die Blockade des Gazastreifens zu schaffen“, sagte Karen Koning Abuzayd, Chefin des UN-Hilfswerks für die Palästinenser (UNRWA) im „Presse“-Interview – schon vor einem Jahr. Heute muss sie diesen Satz noch immer sagen, in ihre Stimme hat sich mittlerweile aber ein leichter Ton von Resignation geschlichen.
Seit dem Putsch der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen hat Israel das Gebiet abgeriegelt. Um die Hilfsgüter der UNRWA in das Gebiet zu bringen, gibt es nur einen Übergang, der laut Abuzayd eine Kapazität von 150 LKW hat. Theoretisch: „Irgendwelche Probleme gibt es immer, an guten Tagen kommen etwa hundert Transporter durch.“ Von denen entfällt dann rund die Hälfte auf das UN-Hilfswerk: „Vor der Abriegelung waren es noch 500 pro Tag.“ Und dass der Bedarf seit 2007 geringer geworden wäre, kann man nicht behaupten, ganz im Gegenteil.
Der Krieg im Gazastreifen, mit dem Israel zu Jahresbeginn dem Abschuss palästinensischer Raketen auf den Süden des Landes ein Ende bereiten wollte, hat die Lebensbedingungen der Palästinenser in dem wasserarmen Wüstenstreifen noch deutlich verschärft. Immerhin kann UNRWA die Basisversorgung an Nahrungsmitteln und medizinischer Hilfe abdecken: „Aber das reicht doch nicht. Die Leute dort brauchen auch eine Perspektive“, sagt Abuzayd.
Hoffen auf Kompensationen
Und sie brauchen ganz konkret auch Baumaterial für die laut UN rund 52.000 Häuser, die durch die Kampfhandlungen mehr oder weniger stark beschädigt wurden.
Doch nicht nur die Blockade macht der UNRWA zu schaffen, sie steckt auch in tiefen Finanznöten: Wenn nicht noch ein Geldregen auf die Organisation niedergeht, wird sie heuer ein sattes Defizit von rund 39 Millionen Dollar schreiben. Schon in den vergangenen Jahren war man in den roten Zahlen und musste Reserven anknabbern. Doch die sind jetzt aufgebraucht, klagt Abuzayd.
Immerhin konnte sie am Mittwoch in Wien vom Entwicklungsfonds der OPEC weitere drei Mio. Dollar für die Finanzierung von Mikrokrediten entgegennehmen. Geld – ungefähr elf Mio. Dollar – erhofft man auch von Israel: als Kompensation für die im Gaza-Krieg zerstörten UNRWA-Gebäude.
Hoffnung schöpft Abuzayd daraus, dass sich in letzter Zeit immer mehr US-Abgeordnete selbst ein Bild von den Zuständen im Gazastreifen machen: „Wenn sie daheim berichten, was sie dort gesehen haben, sorgt das vielleicht für einen balancierteren Ansatz.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2009)
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