Die Presse: Warum kippt die SPÖ jetzt nicht gemeinsam mit der Opposition die Studiengebühren?
Werner Faymann: Weil das eine Stilfrage ist. Ich will keine Schlammschlacht und gegenseitiges Überstimmen. Außerdem möchte ich keinen einzigen Tag auf Herrn Heinz-Christian Strache angewiesen sein.
Es ist ja durchaus möglich, dass es nach der Wahl wieder eine Große Koalition gibt.
Faymann: Daher will ich die Gesprächsbasis nicht so zerstören, dass man nachher nicht mehr miteinander reden kann. Ich hoffe auf die positiven Kräfte in der ÖVP und dass Wolfgang Schüssel nach der Wahl nicht mehr das Sagen hat.
Sie werden den Wahlkampf also weniger aggressiv anlegen, als dies Alfred Gusenbauer 2006 getan hat?
Faymann: Ich persönlich kann ihn gar nicht aggressiv anlegen, weil ich nicht aggressiv bin.
Die SPÖ bleibt dem Koalitionspaket treu, bis es eine neue Regierung gibt?
Faymann: Ja, bei der Abstimmung im Präsidium waren alle dafür. Wir halten uns an das Arbeitsprogramm, das sind wir auch der Bevölkerung schuldig. Was für einen Sinn hätte es denn, wenn wir uns gegenseitig mit Misstrauensanträgen von der Regierungsbank schießen? Damit würden wir das Vertrauen in unsere Politik ja nicht gerade stärken, oder?
Sie sind für den Brief an „Krone“-Herausgeber Hans Dichand auch innerhalb der SPÖ kritisiert worden.
Faymann: Für den Brief habe ich mich im Präsidium bei jenen entschuldigt, die sich dadurch vor den Kopf gestoßen gefühlt haben. Mit Briefen werde ich mich in nächster Zeit aber wohl überhaupt zurückhalten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2008)

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