WIEN. Lisa Hakel hatte keine Wahl, sagt sie: „Wer gefragt wird, muss ja sagen - sonst braucht er nie wieder einen politischen Kommentar abgeben." Deshalb wagt sie den Schritt von der zweiten in die erste Reihe der SPÖ. Mit ihrer Kandidatur im Bezirk Liezen hat sie sich allerdings einiges angetan. „Er ist flächenmäßig der größte Bezirk Österreichs, größer als Vorarlberg. Von der Mitte fährt man eine Stunde ans eine Ende nach Wildalpen und 40 Minuten ans andere nach Bad Aussee." Entfernungen, die Hakel in den letzten Wochen mehrmals gemessen hat. Kein Kirtag, kein Almfest und kein Betriebsbesuch, den sie ausläßt. Dabei hat die 30-Jährige einen nicht unanstrengenden Hauptberuf: Sie ist Sprecherin von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und damit in gewissem Sinn des ganzen Parlaments.
Zwei Wochentage und das Wochenende gehören seit Sommer aber der Steiermark, ihrer neuen, alten Heimat. Wie viele andere ist sie mit 19 weggegangen - bei weitem nicht alle 82.000 Einwohner finden im Bezirk einen Job. Erst ging's nach Graz, dann nach Wien. Statt Studium war bald Politik angesagt. Die junge Generation der SPÖ suchte eine Bundesgeschäftsführerin und Caspar Einem eine parlamentarische Mitarbeiterin. Dazwischen arbeitete Hakel als PR-Beraterin bei Karl Krammer, seit Jahren Lobbyist und davor bei Franz Vranitzky Kanzler-Sprecher. Vor eineinhalb Jahren wechselte sie dann zur Nationalratspräsidentin. Vermarktungstalent kann man Hakel auch in Sachen Eigenwerbung nicht absprechen. Alte Schulkollegen, selbst wenn sie anderen Parteien zugetan sind, waren rasch als Wahlunterstützer gewonnen. Sogar Hannes Androsch „rennt" für sie.
Das größte Problem ihres Bezirks muss sie aber selbst erfahren: In der äußersten Obersteiermark ist jeder aufs Auto angewiesen, öffentliche Verkehrsmittel sind rar. Das will Hakel ändern. Aber auch, da Schladming erst 2016 an ein hochrangiges Straßennetz angebunden werden soll, wo doch die Ski-WM schon 2013 stattfindet.
Ein Engagement mit Geschichte: Die ennsnahe Trasse lässt in Liezen seit Jahrzehnten keinen kalt. Mit 14 demonstrierte Hakel für die Straße, auf der anderen Seite die Grünen. „Das hat ganze Familien getrennt", erinnert sie sich - nicht die ihre. Hakel stand politisch immer auf der Seite ihres Vaters. Er ist seit 2000 Bürgermeister von Liezen. Ebenso umtriebig wie die Tochter: Vergangenes Jahr brachte er mit stattlicher Liezener Abordnung einen Weihnachtsbaum (und steirische Anliegen) nach Wien ins Parlament.
(Die Presse, Print-Ausgabe, 19. 9. 2008)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Wilhelm STRAMANN oder Werner SCHMIBELLEN oder Heide VAN DERRER Basteln Sie sich einfach Ihren Kanzler. Mit dem DiePresse.com Kanzlomat.
Politik skurril Silvio und die ''vitalen'' Männer
''USS New York'' Das 9/11-Kriegsschiff kehrt heim
Zahn der Zeit Politik macht alt











