FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat bei der Abschlussveranstaltung der Freiheitlichen heftige Attacken gegen Muslime und die Große Koalition geritten. In seiner rund eineinhalbstündigen Rede rief er seine Anhänger zur "Rache mit Strache" auf. Als Innenminister oder Kanzler würde er für die sofortige Abschiebung von "Asylmissbrauchern" sorgen, rief er der Masse zu. Auf der anderen Seite hatten sich Gegendemonstranten postiert, die unter anderem die türkische Fahne schwenkend "Nieder mit der FPÖ" und "Nieder mit Strache" sowie "Strache schleich dich" skandierten.
Moscheen und Minarette hätten in Österreich nichts verloren, wiederholte Strache einmal mehr seine Parolen. Er erregte sich über "voll vermummte" Frauen auf den Straßen Österreichs, die aussehen wie "weibliche Ninjas". "Da kriegt man ja Angst." Würden Österreicher in Ankara mit Minirock herumlaufen und Schweinsbraten grillen, würden sie mit nassen Fetzen davongejagt werden. Auch Gewalt gegen Frauen habe in unserer Gesellschaft nichts verloren.
Ausschreitungen nach Strache-Rede
Nach Ende der Rede kam es am Freitagabend zu kleineren Ausschreitungen zwischen linken Demonstranten und FPÖ-Anhängern. Die Gruppen gerieten immer wieder aneinander, obwohl die Demonstranten weit weg von der Bühne von der Polizei abgeschirmt worden waren.
Es wurde auf beiden Seiten mit diversen Gegenständen geworfen. Die Polizei musste auf dem Viktor Adler-Markt mehrmals einschreiten. Laut Polizeiangaben waren rund 300 Gegen-Demonstranten und schätzungsweise 3.500 FPÖ-Sympathisanten anwesend, darunter auch Rechtsextreme. Die Polizei war mit etwa 150 Mann im Einsatz und nahm mehrere Personen fest. Passanten mussten teilweise in Sicherheit gebracht werden.
Schon während der Rede Straches hatten Demonstranten versucht, den Polizeikordon zu druchbrechen und mussten von der Polizei zurückgedrängt werden. Die Polizei zog am Samstag Bilanz: Es gab sechs leicht verletzte Polizisten mit Prellungen, Hautabschürfungen und ähnlichem. Auf Seiten der Gegendemonstranten wurden vier Personen vorübergehend festgenommen. Eine Anzeige liegt auch gegen einen FPÖ-Sympathisanten vor: Er wurde angezeigt, weil er den rechten Arm zum "Hitler-Gruß" erhoben habe, bestätigte die Polizei.
SPÖ und Grüne: "Schuld auch bei Strache"
Der Landesparteisekretär der Wiener SPÖ, Harry Kopietz, meinte, Strache müsse "die Schuld für diese Ausschreitungen auch bei sich selbst suchen. Denn wer Gewalt sät - und sei es auch 'nur' verbale - wird Gewalt ernten". "Wenn einer Menschen gegeneinander aufhetzt, statt konstruktiv an Problemlösungen mitzuarbeiten, und wenn einer nichts dagegen hat, wenn manche seiner Anhänger die Hand zum Hitlergruß erheben, dann darf er sich nicht wundern."
Der Stadtrat der Grünen, David Ellensohn sagte, bei jeder FPÖ-Großveranstaltung komme es zu rechtsradikalen Aufmärschen und Ausschreitungen. "Wer eine solch ausländerfeindliche und hetzerische Politik wie Strache macht, lockt eben dieses Umfeld an. Strache sitzt daher mit diesen gewaltbereiten Rechtsradikalen in einem Boot. Er trägt die Verantwortung für die Eskalationen der Gewalt bei seinen Veranstaltungen."
FPÖ: "Sozialistische Krawalle"
Der Wiener FPÖ-Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein sprach hingegen von "sozialistischen Krawallen" und beschuldigte die SPÖ, nach der Methode "Haltet den Dieb" mit dem Finger in Richtung FPÖ zu zeigen. Vertreter der SJ seien neben bekannten Randalierern der sozialistischen Linkspartei und auch vermummten - offensichtlich vom schwarzen Block - gestanden und hätten Zuhörer der FPÖ-Veranstaltung immer wieder verbal und auch handgreiflich attackiert. Aus diesen Reihen seien schwarze Nebelgranaten und immer wieder gefährliche Gegenstände in Richtung der Zuhörer geflogen, sagte Jenewein.
(APA)

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