Neue Vorwürfe gegen den Kandidaten für das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten, Martin Graf (FPÖ): Wie das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet, soll Graf, Mitglied der Burschenschaft "Olympia", 1987 bei einem Auftritt des deutschen Neonazis Reinhold Oberlercher Ordnerdienst versehen haben.
Oberlercher vertrat laut "profil" im November 1987 am Wiener Juridikum die Ansicht, dass sich "der Jude auf Gedeih und Verderb anpassen" müsse, um "nicht als Krankheitserreger ausgeschieden" zu werden. Oberlercher sah auch keine "Notwendigkeit", sich von "Auschwitz zu distanzieren", so das "profil". Moderiert worden war die Veranstaltung vom damaligen RFS-Jus-Obmann Harald Stefan, heute Nationalratsabgeordneter der FPÖ.
Von Graf selbst gibt es dazu noch keine Stellungnahme. Harald Vilimsky, Generalsekretär der FPÖ, bezeichnete die Vorwürfe als "Schmutzkübelkampagne gegen eine untadelige Persönlichkeit". Vilimsky verweist darauf, dass Oberlercher zuvor im Umfeld des linken Studentenführers Rudi Dutschke aktiv war, ehe er nach rechts abdriftete. Er sei damals für politisch Interessierte wohl eine „interessante Figur“ gewesen.
SPÖ und ÖVP wählen Graf trotz der Affäre
Josef Cap, Klubchef der SPÖ, bleibt dabei: „Es ist Tradition, dass jede Partei ihren Kandidaten vorschlägt.“ Und dieser werde dann in geheimer Wahl gewählt. FPÖ-Kandidat Martin Graf habe weiter die Unterstützung der SPÖ, obwohl auch ihm, Cap, klar ist, dass er in geheimer Wahl wohl kein berauschendes Ergebnis einfahren werde. „Dass alle anderen Erscheinungen rund um Graf zu kritisieren sind, ist ohnehin klar.“
Auch die ÖVP bleibt dabei, Graf zu wählen. Und wie Cap macht man auch dort darauf aufmerksam, dass die nun so kritischen Grünen kein Problem damit hatten, Graf zum Chef des Banken-U-Ausschusses zu wählen und bei den Studiengebühren gemeinsame Sache mit ihm zu machen.
Der Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger, forderte ÖVP und SPÖ auf, von einer Wahl Grafs abzusehen: "Graf ist spätestens jetzt unwählbar geworden."
(oli/Red.)