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Wahllisten: Wahldaten illegal weitergegeben

13.10.2008 | 19:02 |  GERHARD BITZAN (DiePresse.com)

SP-Beisitzer sollen bei der letzten Wahl Doppellisten über die Wähler geführt haben. Wahlbehörde und SPÖ wollen künftig den Beisitzern genauer auf die Finger sehen.

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Wien. Schwere Vorwürfe gegen die  Wiener SPÖ erheben jetzt die Grünen. Bei der letzten Nationalratswahl habe es in einigen Wahlsprengeln eine massive Verletzung des Amtsgeheimnisses durch Wahlbeisitzer gegeben, so die Kritik. Demnach hätten SP-Mitarbeiter, die als Beisitzer fungiert haben, eine zweite Wählerverzeichnisliste geführt und diese unerlaubterweise nach außen weitergegeben, da Beisitzer der Amtsverschwiegenheit unterliegen.

Aufrufe zum Kreuzerlmachen

Die Grüne Ruth Dögl, die in der Brigittenau als Wahlzeugin unterwegs war, bestätigt dies im Gespräch mit der „Presse“: „Da haben SP-Vertreter, die als Beisitzer tätig waren und eintrugen, wer schon gewählt hat, eine zweite vorgedruckte Parallelliste geführt.“ Diese Zweitliste sei dann nach außen gegeben worden.  Zweck der Übung: SPÖ-Mitglieder aus dem Sprengel, die noch nicht gewählt hatten, können dann noch aktiviert werden. Dögl: „Ein Wahlbeobachter hat auf meine Anfrage gesagt: Was wir mit den Listen machen? Wir rufen dann unsere Leute an.“

Auf Drängen der Grünen sei schriftlich in Protokollen im Wahlsprengel festgehalten worden, dass Dopppellisten geführt wurden. Das Problem betreffe Wahlsprengel in vielen Bezirken, die meisten aber in der Brigittenau, so Dögl.
Gerhard Hammerer, VP-Obmann in Mariahilf und Wahlexperte seiner Partei, kann dies „zu 100 Prozent“ bestätigen. „Nicht bei uns im Sechsten. Aber ich weiß von anderen Bezirken, dass es gängige SP-Praxis ist, genau aufzuzeichnen, wer schon da war, um zu wählen.“

Bei der jüngsten Sitzung der Landeswahlbehörde vor einer Woche wurden die Vorwürfe des Amtsmissbrauches von den Grünen aufs Tapet gebracht. Bei der zuständigen MA 62 wird darauf hingewiesen, dass die Grünen die Vorkommnisse noch am Wahltag melden hätten sollen. Auf jeden Fall werden als Konsequenz bei den nächsten Wahlen die Sprengelleiter (Magistratsbeamte) besonders darauf aufmerksam gemacht, dass Wahlbeisitzern dies nicht erlaubt ist. Allerdings wird im Rathaus auch betont, dass der primäre Ball bei den wahlwerbenden Parteien liegt, an ihre Beisitzer zu appellieren.

Bei der Wiener SPÖ herrscht ob der Vorwürfe Verwunderung; man sei davon erst seit der letzten Sitzung der Wahlbehörde informiert. Die Grünen hätten dies gleich am Wahltag melden müssen, so der Vorwurf. „Im Nachhinein ist das schwierig nachzuprüfen“, sagt eine SP-Sprecherin. Auf jeden Fall würde die SPÖ – so wie die anderen Wiener  Parteien – in Hinkunft vor einer Wahl an ihre Beisitzer appellieren, die genauen Vorschriften zu beachten.

Keine Amtsverschwiegenheit

Während der Wahlleiter ein Magistratsbeamter ist, werden die Beisitzer bei einer Wahl von den Parteien gestellt. Diese Funktionen werden je nach Stärke der Parteien bei der letzten Landeswahl aufgeteilt. Die stärkste Partei in Wien, die SPÖ, hat Anspruch auf zwei Beisitzer, die zweitstärkste, die VP, auf einen.

Bei einer Wahl dürfen dann noch von den Parteien nominierte Vertrauenspersonen und Wahlzeugen anwesend sein. Diese unterliegen – im Gegensatz zu den Wahlzeugen  – nicht der Amtsverschwiegenheit. Die Grünen sehen darin eine Gesetzeslücke.

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21 Kommentare
Gast: landei
21.10.2008 19:36
0 0

nicht nur in der Hauptstadt, auch am Land hat sich noch nicht herumgesprochen, dass es im Wahllokal ein Amtsgeheimnis gibt

am Land ist die geschilderte Praxis dermassen normal, dass erst gar niemand auf die Idee kommt, sich darüber aufzuregen

Ratio
14.10.2008 16:08
0 0

Ich war in NÖ Wahlleiter

und die Herrschaften von der ÖVP sind aus und ein gegangen und haben von ihren Beisitzern die Listen eingefordert. Dann wußten sie, wer noch nicht wählen war und die wurden dann "organisiert".
Das ist Jahre her und mich wundert, dass das noch immer so ist.

Antworten Gast: Secretum electionis
14.10.2008 19:44
0 0

Re: Ich war in NÖ Wahlleiter

Ist auch mir passiert. Ich habe die roten Bonzen aus dem Wahllokal gewiesen und sie auch beim Zählen der Stimmen nicht hereingelassen. Die Folge war, daß ich meinen Job als Wahlleiter bei der nächsten Wahl los war. Hat mich damals sehr gefreut, denn ich konnte mich an diesem Sonntag ordentlich ausschlafen. Da saß dann schon ein willfähriger Bursche an meiner Stelle.

Gast: Magistratsbeamter
14.10.2008 14:47
0 0

Das stimmt alles!

Habe früher in etlichen Wahlen in Wien - nicht freiwillig - Wahlleiter machen müssen. Das mit den Stricherllisten und dem SP-Beisitzer-Verzeichnis das weitergereicht wird, DAS STIMMT ALLES...! Habe das wiederholt angesprochen, allerdings kam ich nicht auf die - gute Idee - das im Protokoll anzumerken. Auch bei der Instruktion ein paar Tage vor der Wahl wurde das nachgefragt und der Bezirksamtsleiter meinte: "Jaja das machen die oft, belehren's es halt..." Diese ohne SPÖ völlig lebensunfähigen Beisitzer-Typen haben dazu überhaupt kein Unrechtsbewußtsein, "gehn's des hab ma immer so g'mocht, Sie junger Spund...!" Wampostan-Erbpacht pur - wie beim geliebten Führer in Nordkorea! Diesmal hat sogar das Parteiorgan mit Gedichten dazugepasst..! NUR: Was iss mit Wahlanfechtung bzw. Wahlwiederholung, liebe Grüne...? Hat nie irgendwas Konsequenzen...?

0 0

Gewohnheitsrecht

Wieso wird so getan als wäre das neu? Das macht die SPÖ seit Menschengedenken in allen Wiener Sprengeln, wieso entsenden die anderen Parteien selten bis keine Beisitzer obwohl berechtigt zu nominieren? Und wenn nicht wieso keine Beobachter oder Vertrauenspersonen?

Gast: gast
14.10.2008 11:18
0 0

Wen wunderts

bei uns in Bagdad
sonst noch was
tu pöser tu
das nexte mal pass besser auf dass dich keiner dabei sieht

Gerald
14.10.2008 11:01
0 0

Nicht reden, handeln! -> Anzeigen

Vor Gericht herrscht dann Wahrheitspflicht, oder man kann wegen Meineids belangt werden. Klar können die drei Roten (Magistratsbeamter + 2 SP-Beisitzende) lügen, doch auf Meineid steht nicht umsonst ein recht hohes Strafmaß bei nur der kleinsten Unstimmigkeit wirds brenzlig, bin mir nicht sicher ob die das riskieren werden. Außerdem wurde das ja auf Drängen der Grünen sogar ins Protokoll eingetragen. Von "schwierig nachzuprüfen" also keine Spur und das Versprechen der SPÖ, dies bei der nächsten Wahl nicht mehr zu machen: Da muss man wohl ziemlich naiv sein, um das zu glauben.

ert
14.10.2008 10:21
0 0

„Im Nachhinein ist das schwierig nachzuprüfen“

Normalerweise reichen Zeugenaussagen bei einem Gerichtsprozess völlig aus.

Gast: tc_t
14.10.2008 09:48
0 0

zum einen welchen wiener wundert das eigentlich?

zum anderen, sozis sind eben sozis? so a bissl wahlbetrug - oder manipulation kann ja nicht schaden oder? dient ja nur einem guten zweck - wampo¿s machterhalt!

0 0

betrug

aha, gauner sollen jetzt gauner kontrollieren. na dann ist ja alles in ordnung, ruhigschlafwieder.

mfg
mc

Gast: Heinz Geyer
14.10.2008 09:12
0 0

Gruselpolitik

Haider schau runter!

Gast: gast
14.10.2008 09:04
0 0

die grünen als einzige kontrolle

was haben die anderen parteien dagegen gemacht?
nur zugesehen?!


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Re: die grünen als einzige kontrolle

Was die anderern tun? Die Beisitzer der ÖVP, soweit anwesend, amüsiert zur Kenntnis nehmen. Die Wahlleiter werden sich als Gemeindebeamte hüten gegen die SPÖ zu müpfen und die übrigen Parteien tun so als ginge sie die Wahl nichts an. Die Grünen glänzen mitunter durch an die SPÖ "geliehenes" Personal, das brav mitspielt.

Paige
14.10.2008 07:50
0 0

...

Das ist ja wieder typisch...

ghost85
14.10.2008 06:58
0 0

Also wenn das der Wahrheit entspricht

gehört dagegen vorgegangen.
Mit einem "Ja es näxte mal moch mas nimma" geb ich mich nicht zufrieden!
Wenn dieses Verhalten als Verstoß zu sehen ist, dann ist dafür bestimmt auch eine Bestrafung vorgesehen.
Kann ja wirklich nicht sein!

Gast: detail
14.10.2008 00:39
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datenschutz?!

es lebe das bewusstsein über datenschutz und privatsphäre.
ein gsundes verhältnis zur macht...

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"Bei der Wiener SPÖ herrscht ob der Vorwürfe Verwunderung, man sei davon...

erst seit der letzten Sitzung der Wahlbehörde informiert."

Da wollen uns die Roten wieder blauäugig weismachen, dass es ein einzelnes schwarzes Schaf in ihrer Herde gäbe.

Die Wahrheit ist vielmehr, dass diese Praxis der Stimmvieh-Vergatterung seit mindestens den 1960er Jahren hartnäckiger Usus bei den Sozen ist.

Verbürgt.


Antworten Gast: Wähler und Zähler
14.10.2008 09:12
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Re:

Na und? In der DDR gab's doch auch solche Listen. Ohne diese hilfreichen Unterlagen hätte unser Genosse Wiedenbauer in Klagenfurt ja nicht so flott das gewünschte Ergebnis verkünden können. Hoffentlich holt der Wampo den Wiedenbauer bald nach Wien, damit die Absolute gewahrt bleibt. Da wird der Strache schön schauen, wenn er bei 1,23% landet! Und das ist gut so!

Antworten koko
14.10.2008 00:39
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Re: Ja das stimmt,

haben die schon immer so gemacht. Wird Zeit, dass man der roten Mafia das Handwerk legt. In Wien ist vieles faul.

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Das funktioniert?

Holt mich jemand aus dem Bett, weil ich am Wahltag krank bin, oder einfach keine Lust habe, wähl ich dann erst recht eine andere Partei.

Gast: Gast
13.10.2008 21:01
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quasi

na geh, wen krazt des schon. wir leben ja in österreeeeiiiiich.