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Pröll: "Will Regierung, die nicht von Gewerkschaftern gesteuert wird"

17.11.2008 | 08:08 |   (DiePresse.com)

Der designierte ÖVP-Obmann Josef Pröll will der SPÖ "keine Ultimaten stellen". Die Große Koalition hängt von "ausgiebigen" Antworten der SPÖ ab.

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"Wir müssen in den nächsten Tagen zu einer Entscheidungsbasis finden", betonte der designierte ÖVP-Obmann Josef Pröll. Mit den am Sonntag überreichten zehn Fragen will Pröll der SPÖ aber "keine Ultimaten und keine Frist" stellen. Von den Antworten hänge aber jedenfalls ab, ob die ÖVP eine Große Koalition eingehen werde, spielt er im APA-Interview den Ball zur SPÖ: "Eine Klärung ist notwendig." Die Chancen für eine gemeinsame Regierung sieht er derzeit bei "über 50 Prozent". Pröll richtet außerdem Faymann aus, auf wen er besser nicht hören sollte: "Ich will eine Regierung haben, die nicht von Gewerkschaftern gesteuert wird."

Aber hätten nicht Fragen wie "Wie sichern wir die Pensionen?" - ein Punkt im Fragenkatalog Prölls - eigentlich von den Untergruppen in den Koalitionsverhandlungen beantwortet werden sollen? Dort sei "Vorarbeit" geleistet worden, sagt Pröll dazu. "Wir haben sehr gute Arbeit in den Arbeitsgruppen geleistet und viele Themen aus dem Weg geräumt. Aber viele Dinge sind noch offen. Und diese Fragen sind grundlegend für eine gemeinsame zukünftige Arbeit."

Signal an ÖVP-interne Kritiker?


Dass er mit seinem Fragenkatalog vielleicht weniger dem potenziellen Koalitionspartner sondern ÖVP-internen Kritikern gegenüber Stärke signalisieren will, treffe nicht zu, betont Pröll. "Wer mich kennt, weiß, dass es nicht um Taktik geht, sondern um den ordentlichen Boden, der gelegt werden muss." Deshalb sei auch der 28. November, wenn er beim ÖVP-Bundesparteitag zum Obmann bestellt werden soll, kein Stichtag: "Ich bin weder vom Parteitag noch von der Erreichung eines Koalitionsziels abhängig."

Milliarden-Wünsche


Die von ihm ins Treffen geführten "Milliarden-Wünsche" der Koalitions-Arbeitsgruppen will Pröll nicht näher beziffern, sie seien aber von den Finanzverhandlern "auf ein verträgliches Maß redimensioniert" worden. Dennoch stelle sich die Frage an die SPÖ, wo sie Einsparungspotenzial sehe. Die von den Oppositionsparteien verlangte Sondersitzung des Nationalrats möchte Pröll, der auch ÖVP-Klubobmann ist, in der Präsidiale am kommenden Mittwoch besprechen, wobei er "einmal wissen möchte, was die Opposition eigentlich will".

Pröll bekräftigt, die ÖVP in eine Regierungsverantwortung führen zu wollen, und zwar, wenn die SPÖ seine Fragen "ausgiebig" beantworte. Eine Regierungsbeteiligung mit anderen Parteien steht für ihn zum derzeitigen Zeitpunkt nicht zur Debatte: "Ich bin einer, der aus dem bäuerlichen Bereich kommt. Wenn ich mit einem Verhandlungen führe, dann schiele ich nicht nach den anderen."

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9 Kommentare
Tom93
17.11.2008 15:20
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lieber eine regierung...

...die von raiffeisen und industriellenvereinigung gesteuert wird! deren interessen sind viel wichtiger als die von 3 millionen arbeitern und angestellten!

luis
17.11.2008 14:04
0 0

wir wollen auch keine regierung

die von der iv, dem bauernbund oder der wirtschaftskammer gesteuert wird!
merken sie sich das herr pröll!

wenn sie keine koalition mit der spö wollen - eiern sie nicht herum, sondern sagen sie was fakt ist!

Gast: klaxer
17.11.2008 13:29
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Die Gewerkschafter sollen

die Regierung natürlich nicht steuern!!!
Nur aus dem Mund vom Pröll vernehme ich eher, er will überhaupt keine Gewerkschaften - soll er doch bei seiner Fraktion damit anfangen und den Beamtenchef "Betonklotz" Neubauer aus dem Verhandlungsteam schmeissen.

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bis jetzt

ich war bis jetzt immer der meinung, gerade in zeiten einer wirtschaftlichen krise wie der jetzigen, wäre es wichtig eine starke wirtschaftspartei in der regierung zu haben. wenn ich mir jetzt allerdings ansehen muss, wie in den koalitionsverhandlungen nur ein teures NICHTS geklöppelt wird muss ich eingestehen, dass eine regierungsbeteiligung (mit der spö) der övp nicht sinnvoll ist.

meine größte angst ist, dass sich ein gewisser linkspopulismus durchsetzt, dem proletariat wieder nach dem mund geredet wird und sich der schuldenberg (ohne positive wirtschaftswirkung) in ungeahnte höhen türmt.

außerdem wird im boulevard marx wieder öfter zitiert und aus spö reihen ertönen rufe nach wiederverstaatlichung. - österreich ich rufe dich zur vernunft!!

harbard
17.11.2008 10:57
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"ausgiebigen" Antworten

...eine ausgiebige ohrfeige für beide wäre angebrachter!

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Naja

Eine von einer Gewerkschaft gesteuerte Regierung hatten wir ja schon: Neugebauer als GÖD - Chef hat doch ziemlich alles blockiert, was nicht in den Kram der Beamten, vor allem der Lehrer passte.
Daher stimme ich Pröll hier grundsätzlich zu - die Gewerkschaften mit ihrem Beharrungspotential sind oft Hemmschuh für Reformen - siehe ÖBB, AUA und öffentlicher Dienst.
Aber sie allein machen noch nicht die Bremser aus. Jeder Bund der ÖVP spielt sein eigenes Spiel und macht nur Klientelpolitik.
Wenn die Roten was gelernt haben, dann, dass das was die Schwarzen können, sie selber auch zusammenbringen.
Daher bin ich mir sicher - und die bekanntgewordenen Verhandlungsergebnisse scheinen mir Recht zu geben - dass es in den essentiellen Problemstellungen, wie Bildung, Verwaltungsreform, Steuersystem uvm. zu keiner Änderung kommen wird.
Durch die gegenseitigen Rücksichtnahmeverpflichtungen sind wir schlicht unreformierbar geworden. Das ist leider der Punkt.

renmin
17.11.2008 10:16
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Re: Naja

Das war ja das Problem in der Zeit vor der vielgescholtenen blau-schwarzen Koalition und auch danach wieder.
Echte Reformen waren nur möglich, nachdem der rot-schwarze Filz endlich aufgebrochen wurde. Momentan sind sie gerade dabei sich wieder neu zu "verfilzen".
Gegenseitige Rücksichtnahme auf die jeweilige Klientel schließen echte Änderungen aus.
So gesehen, kann nur in einer anderen Konstellation etwas weiter gehen. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, daß der Strache nicht der richtige Mann für so etwas ist.
Und die Glawischnig, naja...
Der Haider ist leider tot und der Professor leider zurückgetreten. Jetzt fehlts an Intellekt an allen Ecken und Enden.

Steininger
17.11.2008 14:01
0 0

Re: Re: Naja, da bin ich jetzt verblüfft!

Welche Reformen denn? Nichts wurde reformiert.

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Re: Re: Naja

Meiner Meinung nach gibt es keine Konstellation, die im Stande wäre, das herrschende System aufzubrechen, außer vielleicht einer natürlich völlig unwahrscheinlichen absoluten Mehrheit einer grünen (nicht zwingend linken!) Partei mit lauter Leuten wie VdB. Und selbst eine solche Regierung müsste an der Verfassungswirklichkeit verzweifeln, weil sich der Krake Föderalismus mit allen seinen Zustimmungs- und Einvernehmensregelungen - ganz unabhängig von der bestehenden Realverfassung - schon so sehr im formellen Staatsgefüge manifestiert, dass einfach nichts mehr geht.
Eine Reform der Verwaltung ist einfach unter diesen Voraussetzungen nicht machbar - fragen Sie nach beim ehemaligen Konventvorsitzenden!
Wie soll eine Verhandlung je etwas bringen, wenn auf der einen Seite ein Neugebauer und auf der anderen ein Haberzettl Verwaltungsreform paktieren sollen. Da hättens das Thema gleich aussparen können. So ist es eine Provokation jener Bürger, die sich davon was erwarten.

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