Stronach: "Früher wurdest du erschossen, heute beschimpft"

14.02.2013 | 18:24 |  MARTINA LEINGRUBER (Die Presse)

Frank Stronach im Kampf gegen das System. Als "Selbstmotivator"; ist er dabei durchaus unterhaltsam. Sein aktueller Lieblingsfeind? Eindeutig Erwin Pröll.

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Graz. Bill Clinton erscheint auf der Videowand. „Frank, ich bin stolz, dich zu kennen“, sagt der ehemalige US-Präsident. Und Larry King, der legendäre Talkmaster, schmeichelt seinem „friend Frank“: „Du hast mit Magna so viel für die Welt getan, dazu gratuliere ich dir!“

Frank Stronach, Milliardär und Neopolitiker, betritt kurz nach diesem Spot die Bühne der FH Joanneum in Graz. Es soll eigentlich kein Wahlkampfauftritt werden, Stronach soll einen Vortrag zum Thema „Selbstmotivation – Wir beschreiten neue Wege“ halten. Aber am 3. März wird in Kärnten und Niederösterreich gewählt. Applaus brandet auf, in der ersten Reihe erheben sich Stronachs Parteifreunde von ihren Stühlen: Gerhard Köfer, Ex-SPÖ-Mitglied und Spitzenkandidat in Kärnten. Waltraud Dietrich, ehemalige FPÖ-Klubchefin in der Steiermark. Etwas abseits steht Matthias Dollinger, ehemaliger Profikicker und nun ebenso für Stronach in Kärnten im Einsatz.

Der 80-Jährige erzählt seine Lebensgeschichte. Nicht uncharmant, unaufgeregt und ruhig – kein Vergleich zu seinen Fernsehauftritten. „Ich wollte nie mehr hungrig sein“, fasst er seinen Antrieb zusammen. Zwischendurch geht Stronach auch als Komödiant durch. Einmal, so erzählt er, hätte er auf einem Golfplatz als Balljunge arbeiten sollen. „Vielleicht wäre ich ein berühmter Golfer geworden, aber da hätte ich nicht so gut verdient.“ Doch die Anekdoten haben bald ein Ende, dann steht nur noch die Wahlwerbung im Vordergrund. Der gelernte Werkzeugmacher präsentiert sich als Macher: „Ich bin sehr gut im Problemelösen.“ Jetzt, wo er die finanziellen Mittel habe, wolle er seinem Heimatland etwas zurückgeben, sagt Stronach. „Mein Gewissen sagt mir: Frank, mach das!“ Kopfnicken im Publikum.

 

„Scheindemokratie ÖVP“

In Österreich liege vieles im Argen: „Wenn du kein Parteibuch hast, ein bisserl kritisierst, dann hast sofort eine Steuerprüfung.“ Ausgeteilt wird gegen alle, vor allem aber gegen die ÖVP und Erwin Pröll, den Stronach bei der Niederösterreich-Wahl am 3. März herausfordert: Die ÖVP sei eine Scheindemokratie. „Da reden die Bünde mit. Und Pröll auch ein bisschen.“ Das Publikum ist amüsiert.

„Österreich zahlt zehn Milliarden Euro Zinsen im Jahr“, erregt sich Stronach wenig später. „Stellt euch vor, was man damit alles machen könnte.“ Mit dem Publikum ist er per Du. Man könne zum Beispiel in die Forschung investieren, denn diese „ist das Fundament der Zukunft“. Der Vortrag strotzt vor Stehsätzen. Darin unterscheidet sich Stronach nicht von den gelernten Politikern. Doch sein Werdegang, sein Erfolg im Ausland sind für das Publikum Beweis genug, dem Mann zu glauben. Manche machen sich sogar Notizen.

Am Ende stilisiert sich Stronach noch ein bisschen als Freiheitskämpfer. Er sei bereit, sein Geld, seinen Namen, seinen Ruf für den Systemwandel zu opfern. „Früher, es ist noch nicht so lange her, wurdest du erschossen, wenn du mehr Freiheit wolltest“, so Stronach. „Heute sind wir kultivierter, heute wird man nur mehr beschimpft und durch den Dreck gezogen.“

Der letzte Satz ist ein dezenter Hinweis. „Wenn ihr mit einem System nicht zufrieden seid, dann müsst ihr anders wählen“, ruft Stronach in das Audimax. Ein Selbstmotivationsseminar? Davon kann längst keine Rede mehr sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2013)

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19 Kommentare

Zeit für Erneuerung

schadet dem Land nicht. Ist ja wirklich jämmerlich, dass es hier noch ein "Amtsgeheimnis" gibt, dass pro Kopf mehr als 10 Mal soviel Geld für Politiker ausgegeben wird, als in D oder CH.

Herr Pröll hat 20 Jahre lang den Semmeringtunnel verhindert - die verkehrspolitisch wichtigste Maßnahme in diesem Land, NÖ hat hohe Schulden. Es ist Zeit, dass da jemand anders an dessen Stelle tritt. Das ist auch demokratiepolitisch geboten. In anderen Ländern gibt es nicht ohne Grund Term Limits..... Zeit für neue Ideen, Zeit für eine Erneuerung!

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viele Österreicher greifen nach dem Strohhalm

der sie zwar nicht vor dem Ertrinken retten wird, der aber SPÖVP zeigen wird, dass sich auch in Österreich echte Demokratie entwickeln könnte. Weg mit SPÖVP!

Sicher ist Herr Stronach,.....

nicht die Offenbarung auf die Österreich gewartet hat gemessen an ja an was eigentlich, einen roten Parteisoldaten der den Rechtsstaat unterwandert von gnaden Gewerkschaft und roten Kammern und Kaiser Häupl er wird das schlechteste Wahlergebniss der Geschichte seiner Partei ernten,gemessen an eine schwarzen Parteisoldaten von Gnaden der Bünde,schwarze Kammern und Kaiser Pröll,diese 2braven Dinner ihrer Herren und Banken haben es doch erst möglich gemacht das ein Herr Stronach in den Wahlkampf zieht - der eine kauft sich angeblich Medien der andere angeblich Mandatare der eine um Steuergeld,der andere um sein eigenes - Nein eine Offenbarung ist Herr Stronach mit sicherheit nicht, aber auch nicht glaubwürdiger oder unglaubwürdiger als das was wir schon haben,....

Stronach vermehrt die Zahl jener Politiker, die zwar über keine Sachargumente verfügen, aber dafür Rüpeleien absondern.

Er fügt sich daher ziemlich unrühmlich in den Kreis der ungebildeten Provinzpolitiiker ein.

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Besser ein Stehtsatz vom Stronach als ein weiterer Umfaller aus der GroKo!

Obwohl man den geistigen Schwerpunkt der meisten GroKoler nicht mehr senken kann! Na gut, die Grünen beweisen oft, dass es noch tiefer geht, so wie die Obergrüne Glawa beim Thema ESM!

Soll sich die politische Folklore

nur "spliten".

Politsches Würstel ...

Der eine ist ein „Schuldenmacher, Schmähtandler und Verhinderer“, der andere ein "politisches Würstel", wenn man Stronach bzw. Pröll Glauben schenkt.

Eigentlich möchte ich weder einen Schmähtandler mit Landesfrisur noch ein Würstel wählen, das nach der Wahl wieder weg ist. Punkt.

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Ja, da hat Larry King wohl

recht, den Erwin aus Niederösterr. fragt ganz sicher niemand, was er für die Welt getan hat,

Die ÖVP hat AL nach Niederösterreich geholt

genauso wie die ÖVP in OÖ! Statt Volksaustausch sollten wir lieber die Landeshauptmänner austauschen! Wäre sicherlich ökonomischer.

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Ich denke die NÖer würden auch einen Ziegenbock wählen so lange nur ÖVP drauf steht

Meckern kann der den ganzen Tag auch.

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Und was glauben Sie, ...

... würden die Wiener alles wählen, solange SPÖ draufsteht? "Eine weinmanipulierte rote Reblaus" wäre da noch freundlich formuliert

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Re: Und was glauben Sie, ...

Die Absolute ist in Wien (Gott sei Dank) schon lange weg!

Jetzt noch Rot-Grün versenken, dann hätt mas! ;-)

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Re: Re: Und was glauben Sie, ...

D'accord!

Re: Ich denke die NÖer würden auch einen Ziegenbock wählen so lange nur ÖVP drauf steht

Viel schlimmer als Ziegenbock: Erwin Pröll.
Ein Ziegenbock würde nicht Milliarden verschleudern

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Das Wählen nutzt nichts, solang

die exekutierenden Parteibonzen mächtiger sind als die gewählten Delegierten in Gemeindeausschüssen, Landtagen und Nationalrat.

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einfach nur peinlich diser senile mann der einfach nicht weiß wann es genug ist

und das schlimme es gibt genug die ihn wählen werden

Re: einfach nur peinlich diser senile mann der einfach nicht weiß wann es genug ist

Regen Sie sich nicht auf, dieser Radlbrunner Weinbauer ist eh bald Geschichte. Das Aufräumen allerdings wird Jahre dauern und noch viele Leichen ans Tageslicht befördern.

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Re: einfach nur peinlich diser senile mann der einfach nicht weiß wann es genug ist

Voraussichtlich werdenich ihn wählen, sagen Sie mir bitte wie sich dieser Mann an Peinlichkeiten von den zur Zeit am Ruder sitzenden unterscheidet, oder anders rum, was mach die jetzigen Profipolitiker in Ihren Augen wählbarer?

3 2

der tut aber den Erwin ordentlich abwatschen, so was


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