Stronach gelingt Pröll-Kritik erst im zweiten Anlauf

14.02.2013 | 21:51 |  VON THOMAS PRIOR (Die Presse)

Wahlkampfauftakt II. 2500 Besucher sahen in Tulln den Wahlkampfstart des Milliardärs. Der wetterte gegen Korruption und Parteibuchwirtschaft.

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[TULLN] Als „der Frank“, wie sie ihn hier eher kumpelhaft nennen, seinen Auftritt hat, ist es Donnerstagabend, kurz vor 19 Uhr. Rund 2500 Personen, die meisten schon sehr lange keine Teenager mehr, sind zum Wahlkampfauftakt des Team Stronach Niederösterreich in die Donauhalle nach Tulln gekommen, um den 80-jährigen Parteigründer zu sehen und zu erleben. Für manche mögen auch die Snacks (die meisten entscheiden sich für ein Paar Würstel) und das Gratisgetränk ein Motiv gewesen sein, um sich die Vorhaben des austro-kanadischen Neo-Politikers anzuhören.

Aus den Lautsprechern dröhnt DJ Ötzi, als sich Frank Stronach, der zwar Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 3. März ist, aber kein Mandat annehmen will, den Weg durch die Heurigentischreihen in Richtung Bühne bahnt. Die Blicke der Gäste lassen von den Papptellern ab und wenden sich dem Magna-Gründer zu, der freudig winkt und viele Hände schüttelt. Vieles an diesem Abend erinnert frappant an ein Wahlkampf-event der FPÖ – auch wenn Stronach nicht die Begeisterungsfähigkeit eines Jörg Haider entfalten kann, nicht einmal die eines Heinz-Christian Strache. Im Publikum dominiert Neugier, aber Fankult gibt es keinen.

Zunächst dürfen Stronachs niederösterreichische Statthalter, die seine Werte im neuen Landtag vertreten sollen, ans Mikrofon: Ernest Gabmann junior, Sohn des ehemaligen ÖVP-Landesrats, und Elisabeth Kaufmann-Bruckberger, eine von mehreren Überläufern aus dem BZÖ. Gabmann, die Nummer zwei hinter Stronach, echauffiert sich pikanterweise über die „Freunderlwirtschaft“ der Landesregierung. Das gefällt dem Publikum.

Dann erst ist der Parteichef am Wort. Stronachs Rede ist über weite Strecken redundant, aber bemüht. Seine Lebensgeschichte samt Weisheiten („Ich bin einer aus dem Volk“) kommt besser an als die Kritik an Erwin Pröll – jedenfalls vorerst. Der Applaus ist verhalten, fast schüchtern, als der Herausforderer den Landeshauptmann einen „Schuldenmacher, Schmähtandler und Verhinderer“ nennt.

Einen Nerv im Publikum trifft Stronach erst, als er die Politik insgesamt in die Pflicht nimmt: die „Parteibuch- und Freunderlwirtschaft“, die Korruption, die aufgeblähte Staatsverwaltung. Am Ende unternimmt Stronach einen zweiten Anlauf gegen Pröll, diesmal erfolgreich: Der Landeshauptmann verweigere ihm die öffentliche Debatte, das könne er nicht akzeptieren. „Als Niederösterreicher“, sagt Stronach, „wünsche ich mir entweder eine resolute Frau oder einen starken Mann an der Spitze des Landes. Aber keinen Feigling.“ Das bringt im stehende Ovationen ein, wenigstens im halben Saal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15. Februar 2013)

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20 Kommentare

Man muss Canada und Amerika kennen....

und länger, so wie ich dort gelebt haben um zu wissen, wieviel Witschaftskompetenz man in diesen Ländern benötigt um genau dort reich zu werden. Und, wie wenig soziale Kompetenz. MEINE Meinung - zu Pröll kann man stehen, wie man will, mich beeindruckt er ebensowenig wie ein Herr Stronach! Der Unterschied zwischen den beiden in ihrer Präpotenz ist marginal, der eine glaubt sich alles kaufen, und der Andere sich alles leisten zu können. DAS SOLL NUN KEINE RESPEKTLOSIGKEIT VOR DEM ALTER SEIN! Bedauerlich ist, dass KEINE aller wahlwerbenden Parteien in Österreich, egal wo - halbwegs vernünftige, kompetente und seriöse sowie vertrauenswürdige und integere Politiker aufstellen kann. Armes Österreich. Es wird regiert von testosterongesteuerten Greisen, die es sich noch einmal beweisen wollen. Vielleicht ist das ja nur eine Zeiterscheinung, die bald vorbeigeht. Hoffentlich erlebe ich es noch.
Macht ist verführerisch, vielleicht sollten diese Herren einmal darüber nachdenken, dass es hier nicht um eine Politshow geht sondern um einen Job, dessen Kernaufgaben folgende sind: das Wohl, die Bedürfnisse und Ängste von Menschen und unsere Zukunft und die unserer Kinder. Es gibt ein abgenutztes, altmodisches Wort dafür: Demut

Wenn ich so überlege,...

Sicher ist Herr Stronach,.....
nicht die Offenbarung auf die Österreich gewartet hat gemessen an ja an was eigentlich, einen roten Parteisoldaten der den Rechtsstaat unterwandert von gnaden Gewerkschaft und roten Kammern und Kaiser Häupl er wird das schlechteste Wahlergebniss der Geschichte seiner Partei ernten,gemessen an eine schwarzen Parteisoldaten von Gnaden der Bünde,schwarze Kammern und Kaiser Pröll,diese 2braven Dinner ihrer Herren und Banken haben es doch erst möglich gemacht das ein Herr Stronach in den Wahlkampf zieht - der eine kauft sich angeblich Medien der andere angeblich Mandatare der eine um Steuergeld,der andere um sein eigenes - Nein eine Offenbarung ist Herr Stronach mit sicherheit nicht, aber auch nicht glaubwürdiger oder unglaubwürdiger als das was wir schon haben,....

Wieder Unsinn, Stronach selbst verweigert ja die Teilnahme an der Elefantenrunde der Parteichefs.

Diese Arroganz ist unglaublich. Einer der im Landtag nicht vertreten ist wünscht eine Sonderbehandlung und ein Privatmatch? Ziemlich überheblich.

Re: Wieder Unsinn, Stronach selbst verweigert ja die Teilnahme an der Elefantenrunde der Parteichefs.

der pröll is wahrscheinlich eh ned so schlecht...
aber die Schulden sind einfach krank... das ist jenseits von Gut und Böse.

habs mir aungschaut, da gibts ka Schönreden! Also kann ich ihn nicht wählen, und die Hoffnung stirbt zuletzt: daher strohsack

Auch mir gefällt die Spekulation mit Steuergeldern nicht. Das bekommt der Finanzlandesrat Sobotka, dessen Tage offenbar gezählt sind, ohnehin zu spüren. Siehe Reihung der Landesregierungsmitgieder in dieser Presseausgabe.

Da Sie aber Stronach erwähnt haben, seine Kauf von Schloß Reifnitz in einer wunderschönen Seelage war mehr als ein Schnäppchen, da gings nicht mit rechten Dingen zu. Daher auch die ERhebungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft.
Und das Wahnsinnsprojekt WELTKUGEL mit aller Gewalt im Steinfeld umsetzen zu wollen war auch keine glänzende Idee. Natürlich war er stinksauer, daß das Land trotz massiven Drucks des Herrn Milliardärs NEIN sagte. GOTTSEIDANK!
Übrigens genießt Stronach noch weniger das Vertrauen der Niederösterreicher als Sobotka.

Re: Auch mir gefällt die Spekulation mit Steuergeldern nicht. Das bekommt der Finanzlandesrat Sobotka, dessen Tage offenbar gezählt sind, ohnehin zu spüren. Siehe Reihung der Landesregierungsmitgieder in dieser Presseausgabe.

Für mich klingt das eher nach einer Vitamin B Schmutzkübelkampagne.

Hab mich damals in die Eurofighter Gschichte eingelesen, für mich gibts da nix anzupatzen.

Er stand vor Gericht und wurde nicht verurteilt, und die Medien sind keine Richter.

Für die neuen Dinge gilt die Unschuldsvermutung.

Re: Auch mir gefällt die Spekulation mit Steuergeldern nicht. Das bekommt der Finanzlandesrat Sobotka, dessen Tage offenbar gezählt sind, ohnehin zu spüren. Siehe Reihung der Landesregierungsmitgieder in dieser Presseausgabe.

Für mich klingt das eher nach einer Vitamin B Schmutzkübelkampagne.

Hab mich damals in die Eurofighter Gschichte eingelesen, für mich gibts da nix anzupatzen.

Er stand vor Gericht und wurde nicht verurteilt, und die Medien sind keine Richter.
Es gilt die Unschuldsvermutung...

Bravo Stronach

Endlich traut sich jemand die Wahrheit zu sagen
Danke Hr. Stronach Hr. Lugar das sie uns Steuerzahler helfen!
Pröll ist ein Schuldenmacher
Hr. Stronach ein Mann mit Charakter
Unsere Stimmen sind ihnen sicher Hr. Stronach

Re: Bravo Stronach

Bezüglich Wirtschaft und Finanz können Pröll & Co dem Frank nicht einmal den kleinen Finger reichen!

Pröll und seine gesamte Regierungsmannschaft haben noch keinen einzigen Tag in der Privatwirtschaft gearbeitet.

Die ÖVP plakatiert zwar: "Weniger Staat, mehr Privat"; ihre eigenen Kinder versorgen sie aber lebenslang mit sicheren Arbeitsplätzen beim Staat.

Bra


vielleicht zeigt das,...

...daß der Niederösterreicher mehr Niveau hat als so manch anderer. Denn er scheint nicht wild drauflos zu klatschen, bei jedem Kommentar, sondern seinen Beifal kritisch anzuwenden. Fakten werden kritisiert: daß gefällt. Schmutzwäsche waschen: daß kennt man schon von all den anderen Parteien und ist es leid.

Stronach kann nichts gewinnen!

NÖ würde sogar einen Ziegenbock wählen, Hauptsache es steht ÖVP drauf. Dieser könnte dann den ganzen Tag meckern.

Obwohl die ÖVP NÖ Mrd. Steuergeld verzockt hat träumt die ÖVP von einer Absoluten. Denen ist nicht mehr zu helfen!!!

Eine Witzfigur mehr!

Ist mein einziger sachlicher Kommentar. Weil ihm das Golfspielen zu anstrengend ist und ihn der Fußball nicht mehr interessiert, hat er sich als Spielzeug die Politik gewählt. Dabei sind seine Ansagen so was von primitiv. Da kann es eine Rosenbekränzte und ein Strachwitz um vieles besser. Und falls ich so dumm bin und dem Franz Strohsack ein "Kreuzerl" mache sind von dieser Liste am Tag danach Cana da.

Re: Eine Witzfigur mehr!

Klingt so wie der Neid der Erfolglosen!

Re: Eine Witzfigur mehr!

Und es ist absolut ausgeschlossen, dass nicht alle Menschen gleich sind und manche davon tatsächlich gute Absichten haben?

Die Angst der Machthaber vor einer Veränderung

Da wird medial ein Zweikampf zwischen Pröll und Strohsack herbeifabuliert, bloß um zu verhindern daß die einzig wirkliche Alternative zu viele Stimmen kriegt.
Jede Stimme die zu der Strohsack Spaßtruppe geht, ist in Wahrhheit eien Absicherung der bestehenden Machtverhältnisse, da es für die wirklichen Machthaber völlig egal ist, ob rot/schwarz/grün/strohsack gewählt wird. Die sind alle Vertreter der herrschenden Ordnung und es ändert sich nichts. Darum verstehen sich der Häuptl und der gute Erwin so blendend....

Re: Die Angst der Machthaber vor einer Veränderung

Die einzige wirkliche Alternative? Wer mag denn das jetzt sein? Die Grünen? die KPÖ? die Piraten? das Liberale Forum? Die Sexuell orientierte Freizeitpartei?
Uff... die mit dem Schmiss im Gesicht können Sie nicht meinen. Denn die Wörter "wählbare Alternative" und "FPÖ" können syntaktisch nicht in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden ;)

Re: Die Angst der Machthaber vor einer Veränderung

Sollte man desshalb nicht einer "Erneuerungsbewegung" eine Chance geben?

Genau das ist das Problem. Viele Menschen auf der Straße fällte stets nur ein Satz ein: "Es wird sich eh nix ändern." Natürlich nicht wenn vielleicht ein Drittel oder die Hälfte der Wähler so denken wird sich tatsächlich nie etwas ändern.

Ich wünsche Herr Stronach und seiner Partei viel Erfolg.


Mein Gott, der Stronach,

der wird den Weg von Fritz Dinkhauser gehen - eine Sternschnuppe, ohne bleibenden Wert für Österreich. Hauptsache war wohl, die Würstel haben geschmeckt.

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