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ÖVP: "Wir sind der SPÖ noch auf den Fersen"

26.09.2010 | 19:44 |  KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Die Volkspartei übt sich in Zweckoptimismus und hofft, mit den Wahlkarten das Ergebnis noch zu drehen.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt. Weder Hochrechnungen noch das vorläufige Endergebnis, die beide die SPÖ auf Platz eins ausweisen, lässt bei der steirischen ÖVP den Optimismus schwinden. „Die SPÖ soll den Tag nicht vor dem Abend loben“, gibt sich Parteigeschäftsführer Bernhard Rinner ungebrochen zuversichtlich.
Damit das auch nach außen hin so transportiert wird, sorgt Rinner selbst für die richtige Choreografie beim Fernseh-Live-Einstieg. Eilig werden die Klatschabordnungen der Jungen ÖVP in die Kulisse beordert, Adabeis in den ersten Reihen müssen Spitzenfunktionären der Partei weichen, um die notwenige Jubelatmosphäre zu schaffen. „Die Nummer eins im Land sind wir!“ und „Schützi go!“ skandiert die Parteijugend.

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Moralisches Anrecht der SPÖ

Das tut sie auch schon vor Bekanntgabe der ersten Hochrechnung um 16 Uhr in der ÖVP-Zentrale am Karmeliterplatz. ÖVP-Obmann und Spitzenkandidat Hermann Schützenhöfer versprüht zu diesem Zeitpunkt ebenfalls Optimismus: „Dass die SPÖ die Regierungsmehrheit verloren hat, ist schon eine Erfolgsgeschichte für uns.“ Zwei Stunden später klingt das gedämpfter. „Wir sind der SPÖ noch auf den Fersen. Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, so nahe heranzukommen“, sagt Schützenhöfer und gesteht der SPÖ aber als Erster „das moralische Anrecht auf den Landeshauptmann zu“.

Über eine „beispiellose Aufholjagd“ jubelt Klubobmann Christopher Drexler. Auch Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka zeigt sich zufrieden: „Hermann Schützenhöfer ist viel gelungen.“ Fast wortgleich deutet Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski das Ergebnis.

Desaster in Graz

Nur vereinzelt mischen sich in den Jubel selbstkritische Stimmen. „Es muss uns zu denken geben, wenn wir in den eigenen Gemeinden verlieren“, spielt Landtagsabgeordneter Eduard Hamedl beispielsweise auf die Verluste in Hartberg oder Graz an. Tatsächlich kann die ÖVP in der Obersteiermark von den Verlusten der SPÖ nicht profitieren. Die Stimmen wandern fast vollständig zur FPÖ. Ein ähnliches Bild bietet sich in der Oststeiermark. Die ÖVP verliert sogar 1,7 Prozentpunkte auf 50,3 Prozent und kann damit zwar die absolute Mehrheit knapp verteidigen, aber nicht die erhofften Zugewinne verzeichnen.


In der Landeshauptstadt können die Erwartungen überhaupt nicht erfüllt werden. Die ÖVP verliert nach dem Desaster von vor fünf Jahren (minus zehn Prozent) erneut: minus 2,7 Prozent auf 28,4 Prozent, während die SPÖ – nach den internen Zerwürfnissen der vergangenen Monate doch überraschend – Platz eins verteidigen kann.
Noch am Wahlabend sind in der schwarzen Parteizentrale harsche Töne Richtung Grazer Parteifreunde zu hören. „Es sitzen zu viele Grazer im Parteivorstand“, ärgert sich ein verbitterter weststeirischer Abgeordneter. Man sehe sie nur bei Vorstandssitzungen, aber nicht bei der Basisarbeit: „Ein guter Bürgermeister allein ist eben zu wenig.“ „Das tut natürlich weh“, kommentiert der Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl das Votum in der Landeshauptstadt, er bleibt aber zweckoptimistisch: Die 3500 Stimmen zur SPÖ seien durch die Wahlkarten noch aufzuholen.


Tatsächlich konzentriert sich die Hoffnung der ÖVP jetzt auf die fast 63.000 landesweit ausgegebenen Wahlkartenwähler. Pikant wäre es, würden am Ende gerade die 4732 Stimmen der Christenpartei für Platz eins fehlen. Die ÖVP hatte diesbezüglich schon ernste Bedenken. So wurde in den letzten Tagen vor der Wahl mit Inseraten in Regionalmedien intensiv um etwaige Sympathisanten der Christenpartei geworben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2010)

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11 Kommentare
Gast: Abartig
27.09.2010 20:28
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Was will die Verliertruppe?

In fünf Jahren wird Schützenhöfer zu alt für eine weitere Kandidatur sein.

Da sollte er jetzt gleich das Feld räumen und einem Intelligenteren - wenn so einer in der ÖVP zu finden ist - die Koalitionsgespräche überlassen.

Den Mist den heute Edlinger-Ploder von sich gegeben hat, zeigt von schweren Unverständnis demokratisch getroffener Wahlentscheidungen.

Gast: Lukas
27.09.2010 18:20
1 0

die ÖVP als Steigbügelhalter der SPÖ abgestraft

die steirische ÖVP hat seit dem Wiedereintritt in eine Faymann-Pröll Koalition viele Mitglieder und Wähler verloren. Die Hardliner in der ÖVP werden den Kurs als SPÖVP fortsetzen und die Partei sehenden Augens an die Wand fahren. Ihre Abgeordnetengehälter bekommen sie ja - alles andere ist Nebensache. Von der einstigen Partei mit Wirtschaftskompetenz ist nur mehr ein jämmerlicher Abklatsch vorhanden. Farblose Politiker ohne Visionen geben den Ton an.

Gast: Histi
27.09.2010 11:00
1 0

Wahlkarten

Die österreichische Wahlkartenlösung ist ein Fall für internationale Wahlbeobachter, denn Wahlbetrug wird damit ganz offiziell möglich gemacht. Meines Wissens gibt es nirgendwo eine Regelung, die es Wählern ermöglicht, erst das Wahlergebnis abzuwarten und dann erst ihre Stimme "eidesstattlich" EINE WOCHE SPÄTER abgeben zu können!

Gast: Konservativer
26.09.2010 23:05
1 0

Schützenhöfer hat verloren.

Er ist ein Versager. Wie alle Gewerkschafter übrigens.

Die SPÖ bietet Angriffsflächen en masse (Stiftung, Flecker, usw) und Schützenhöfer wird dennoch nur Zweiter. Da hilft auch die ÖVP-Variante von "Singen im Wald" nicht.

Ein Schüssel wüsste, was in so einer Situation zu tun ist: Koalition mit der FPÖ und Landeshauptmann werden. Ich wette, Schützenhöfer ist zu feig dazu. Ein Totalversager eben.

Antworten onkel tom
27.09.2010 12:57
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Re: Schützenhöfer hat verloren.

rechnerisch nicht möglich...

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Letzte Chance für die ÖVP

Wenn jetzt die ÖVP nicht die Chance ergreift, durch Unterstützung der FPÖ den Landeshauptmann zu stellen,ist ihr nicht mehr zu helfen. Denn eines ist gewiss: Erringt sie diesmal den Landeshauptmann nicht wieder, ist er für lange Zeit verloren. Geht sie mit der FPÖ zusammen, hat sie fast mit an Sicherheit grenzender Sicherheit auch nächstes Mal wieder den Landeshauptmann.

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Re: Letzte Chance für die ÖVP

Aallles nicht so schlimm. Ich wäre zwar auch für einen LH-Wechsel, wenn es aber nicht sein sollte, dann wäre das nächste Mal bei nur GLEICHBLEIBENDEM Trend (-3,2/-1,5%) die ÖVP vorne.

Gleichbleiben wird es aber nicht, denn es ist erstens kein Geld mehr für Wählerbestechung da, es muß sogar einige harte Maßnahmen geben. Und zweitens wurde die Pensionistenpartei fast nur von Pensionisten gewählt während die Jungen und Mittleren eher FP/VP zugetan waren...

Antworten Gast: kfdjfaksd
26.09.2010 21:07
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Re: Letzte Chance für die ÖVP

ÖVP und FPÖ haben gemeinsam im steirischen Landtag keine Mehrheit! (28 von 56 Mandaten)

Antworten Geldfux
26.09.2010 20:39
4 0

Re: Letzte Chance für die ÖVP für 30 Jahre

Das erste Bundesland, in dem die ÖVP ihre Mehrheit verlor, war das Burgenland. Jetzt ist das ursprünglich schwarze Burgenland eine rote Domäne. Das gleiche wird in der Steiermark passieren, und ist auch in Salzburg schon passiert! So wie alle katholischen Geistlichen einen Keuschheitskomplex haben, so haben alle ÖVP-ler einen unkeuschen Machtkomplex. Daher ist die ÖVP eine Verliererpartei, und wird es auch bleiben!

1 0

Re: Re: Letzte Chance für die ÖVP für 30 Jahre

habe hierauf vor 6 Stunden vollkommen politisch korrekt geantwortet. Wo ist mein Posting, VERDAMMT NOCH MAL!?


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Re: Re: Letzte Chance für die ÖVP für 30 Jahre

Da kann ich nur eines sagen: "Bruahahaha"!

Es ist wahr: Die ÖVP hat nur 1.5% zusammengebracht, wärend sie von der SPÖ schon wieder geschlagen worden ist: 3.1%! Da muß sich die ÖVP mehr anstrengen, sonst kommen die nie an die SPÖ heran!

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