Das Kandidatenkarussell des Frank Stronach

26.04.2013 | 18:26 |  REGINA PÖLL (Die Presse)

Dass sich Kandidaten in Tirol von Stronach abwenden und solche in Salzburg zweifeln, kommt nicht von ungefähr: Das „Chefprinzip“ ruft zunehmend Unmut hervor.

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Wien. Eigentlich hätte alles ganz anders sein sollen: Karin Prokop hätte das Team Stronach in die Niederösterreich-Wahl führen sollen. Doch dann war auf einmal Ernest Gabmann jun., ebenfalls Spross einer ÖVP-Familie, Spitzenkandidat. Er hätte auch Klubchef werden sollen. Dieser heißt heute aber Walter Laki. Und Ende dieser Woche kündigte sich die nächste Rochade an: Gabmann, bisher einfacher Abgeordneter und Landesgeschäftsführer, sagte der „Presse“, er werde bald Landesparteichef. Als Nachfolger Prokops, die sich künftig auf die Organisation der Landespartei für die Nationalratswahl konzentrieren will – oder muss.

Was sich derzeit im Team Stronach Niederösterreich abspielt, ist symptomatisch für die gesamte Organisation der Partei, die von Gründer Frank Stronach offenbar mit harter Hand geführt wird. Zwar haben sich alle Funktionäre in ihrer Euphorie, mit von der Partie zu sein, zum „Chefprinzip“ bekannt, das Stronach – immerhin über Jahrzehnte ein erfolgreicher Manager im In- und Ausland – im Vorjahr ausgegeben hat: Der Chef schafft an, die Mitglieder folgen.

 

Inhaltlich eins, personell uneins

Doch während man inhaltlich weiterhin einig und ohne wirklichen Tiefgang um die Werte „Wahrheit, Fairness, Transparenz“ kreist, hat die Bereitschaft zum Gehorsam in Personalfragen sichtlich abgenommen – von Freude oder gar Euphorie keine Spur mehr.

Dass nunmehr tiefe Risse in der Partei bestehen, wurde Mitte der Woche in Tirol augenscheinlich: Da rief Sonja Ulmer, vor wenigen Wochen noch Stronachs Nummer eins für die Wahl am Sonntag, mit anderen Kandidaten die Bevölkerung auf: „Wählt uns nicht!“ Etwas, was es in der Zweiten Republik noch nie gab. Auch hier ist die Vorgeschichte einigermaßen komplex: Zwischenzeitlich wollte Stronach mit Hans-Peter Mayr in die Wahl ziehen, es folgte ein Zerwürfnis um Mitstreiter, und der Parteichef schwenkte auf Ulmer um – die bis dahin auf Mayrs Liste auf den hinteren Rängen zu finden war. Allerdings ließ die Landeswahlbehörde die neue Stronach-Liste um Ulmer aus Formalgründen nicht zu, sondern nur die frühere Mayr-Liste.

Von dieser distanzieren sich Ulmer und Co. nun – sehr zum Unmut Stronachs, der sich nach einer Kunstpause schon längst mit Mayr versöhnt hat, um doch noch in Tirol um den Einzug in den Landtag zu kämpfen. Am Freitagabend feierte man sogar gemeinsam „Wahlkampfabschluss“ in Innsbruck.

Der Parteichef bleibt damit intern in der Schusslinie, wirklich anhaben können ihm Attacken von Funktionären oder Ex-Funktionären aber nichts. Insoweit funktioniert die Machtkonzentration Umfragen und ersten Wahlergebnissen zufolge: Nur was der Parteigründer sagt, zählt, alle anderen sind Unterläufer – und sogar Stronach-Wählern kaum mit Namen oder Inhalten bekannt. Am Ende schlägt die Ansage Stronachs zu Buche, das Land revolutionieren zu wollen: mit schlankerer Verwaltung und niedrigeren Steuern. Nicht zu vergessen das Frustwählerpotenzial.

So gesehen wird Stronach auch kaum schaden, dass es nach Tirol auch in Salzburg brodelt, wo in einer Woche gewählt wird: Dort sollen sich erst dieser Tage einige Polit-Neulinge kritisch zum Chefprinzip – oder, weniger hart gesagt: zur strengen Organisation um Spitzenkandidat Hans Mayr – geäußert haben.

Gut, dass einer seine Landespartei im Griff hat: Kärntens Landesrat Gerhard Köfer. Ihm vertraute Stronach von Anfang an, ihm lässt er mehr Freiheiten als anderen. Daher darf Köfer – gegenteiligen Ankündigungen zum Trotz – nun auch das Privileg eines Dienstwagens in Anspruch nehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2013)

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56 Kommentare
 
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Aha

Haben nun doch bereits viele seiner Wähler reumütig und einsichtig den vorhersehbaren Rückzug angetreten.Selbst seine gekauften Schergen beginnen teilweise bereits das sinkende Schiff zu verlassen.Die Politik Stronachs klappt hier genauso wenig wie in Kanada.Nur dort durften weder er noch seine Tochter in Richtung Politik planen.

Die Politik Stronachs klappt hier genauso wenig ....


warten sie ruhig mal ab. nur weil es in tirol nicht geklappt hat, wo ja untereinander gestritten wurde, sagt das über den herbst noch gar nichts aus.

schon am nächsten sonntag werden wir sehen, wie groß die chancen eines teamstronach sind.

Re: Die Politik Stronachs klappt hier genauso wenig ....

retired? retarded...

schön, dass stronach die fpö abräumt...

... ansonsten: eine witzpartei.

Endlich eine Partei, bei der nicht jeder 7. Zwerg von Links das Sagen hat - sondern der Chef selbst!

Ich will Stronach wählen. Weil er und seine Werte und sein Programm für mich richtig ist.

Und damit ist es mir auch wichtig, dass seine Leute das machen was er vorgibt. Und aus!

Und wer wissen will, was Stronach vertritt:

http://www.teamstronach.at/de/programm?file=files/team-stronach/content/downloads/grundsatzprogramm/Grundsatzprogramm.pdf

DAS will ich so im Parlament umgesetzt haben. Ganz egal ob die zweite, dritte oder fünfte Garnitur von Stronach mit ihm als Chef freude hat oder nicht.


Team Nichtwähler

bei der bunten hochqulifizierten Zuläufertruppe ohne klare Ausrichtung tut sich der Nichtwähler nicht schwer,ist doch von allem etwas dabei,dumm nur wenn man sich untereinander dann in die Wolle kriegt

Ob bei Fußball, Pferderennen oder Politik - Stronach ist völlig beratungsresistent.

Er umgibt sich aus Prinzip nur mit Unterläufeln, die ihm ständig versichern, wie toll er sei und dass er alles richtig mache.
Widerspruch treibt ihn sofort zur Weißglut (kann man im TV immer wieder belustigt feststellen) und hat Liebesentzug zur Folge.
Wenigstens finanziert er die Politik - im Gegensatz zu seinen Fußball- und Pferderennbahneskapaden - jetzt mit seinem eigenen Geld. Die anderen Hobbies hatte er noch mit Geld von Magna finanziert, die ihm nur zu 5% gehörte.

stronach ist Schuld daran

das SPÖ ÖVP und Grüne Österreich weiter regieren werden und alle dummen stronach Wähler danke !

Woher gewinnt das TeamStronach seine Wähler?


Laut Werner Beutelmeyer, Leiter des Market-Instituts, gewann das Team Stronach in Niederösterreich seine Wähler hauptsächlich bei ehemaligen Nichtwählern (4%),
hat aber durchaus auch in allen anderen Lagern geplündert (FPÖ 2%, ÖVP 1,8%, SPÖ 1,3%, Grüne 0,5%).

Als Chefverteidiger des Stronach Söldnertruppe...


....nennen sie einen Kandidaten für die NRW, der nicht politischer Bodensatz ist.

Oder sind für Stronach Konkursler und Hinterbänkler die neue politische Elite.

Das Ergebnis von Stronach gibt Aufschluß wieviele Hirnbefreite in Ö herumlaufen.

Re: Als Chefverteidiger des Stronach Söldnertruppe...

Umsonst wurden sie nicht von Bucher ausgesondert!

Re: Als Chefverteidiger des Stronach Söldnertruppe...

Herr Bucher wusste schon wieso er diese Legionaere in die Verbannung schickte. Diese Soeldner machen alles und verkaufen sogar Ihre Oma um einen Cent .

von Bucher ausgesondert!


der witz ist gut - würd ich auch sagen, wenn mir täglich einer davon rennt.

Re: Als Chefverteidiger des Stronach Söldnertruppe...

"... des Stronach Söldnertruppe...": Haben Sie tatsächlich den Begriff "Hirnbefreite" benutzt?

der frank bekommt im herbst mindestens 15% der stimmen ....


damit kann er dann 28-30 mandate besetzen, von denen jetzt gerade mal erst 6 (er und der klub mit 5) feststehen.

die ersten 5 hat er also abgeworben, und das sind nicht die sclechtesten. alternative auswahl wird für ihn erst bei der kandidatenliste für den herbst möglich.

frank stronach - wird uns alle noch überraschen !!

Re: der frank bekommt im herbst mindestens 15% der stimmen ....

Der senile Typ wird niemand überraschen.Und wahrscheinlich gibts die Partei im Herbst schon nicht mehr und er hat sich ein anderes Spielzeug besorgt oder er sitzt beleidigt in einer Ecke und liest sich seine Monologe selbst vor weil kein Mensch mehr zuhört.

Der senile Typ wird niemand überraschen ....


warten sie ruhig mal ab. nur weil es in tirol nicht geklappt hat, wo ja untereinander gestritten wurde, sagt das über den herbst noch gar nichts aus.

schon am nächsten sonntag werden wir sehen, wie groß die chancen eines teamstronach sind.

3 5

einfach nur traurig

ist es, wenn das politische system eines landes so abgewirtschaftet ist, dass man sich abgeordnetenmandate kaufen kann!
zu verantworten haben das die beiden "großen", zu ertragen haben das wir, die österreicher.

8 0

Re: einfach nur traurig

Sie tun ja so, als würden andere Politiker nicht durch Geld bewegt.

Das Ende seiner Partei ist absehbar, der Mohr hat seine schuldigkeit für die SPÖ getan der Mohr kann gehen!

Gott sei Dank, muss man sagen!

Trauerspiel...

Stronachs Chaos-Truppe ist tatasächlich eine Neuerung in unserer Politlandschaft: Nämlich Trash, Politik auf Ramsch-Niveau. Ein Programm bestehend aus drei Schlagwörtern, Abgehalfterte und Querulanten anderer Parteien als Politiker und an der Spitze ein senil wirkender Greis, dem man seinen heutigen Aussagen und Auftreten nach nicht einmal zutrauen sollte, eine Würstelstand managen zu können. Das Einzige was das Team Stronach anderen Parteien wirklich voraus hat ist Geld. Ich bin ganz und gar Anhänger von VP oder SP, geschweige denn den Grünen, aber bevor irgendein Stronachler in der Regierung sitzt, sind mir weitere fünf Jahre Große Koalition lieber. Da ist wenigsten eine Kontinuität vorhanden, und man muss sich keine Sorgen machen, dass die Partei implodiert, wenn der Obmann nicht mehr da ist.

40 Prozent der Befragten erklärten,


sie würden Stronach gerne in der Regierung sehen, so Wolfgang Bachmayer (OGM).

„Das Auftreten von Frank Stronach hat zur Ansicht geführt, dass die jetzige Koalition bei der Nationalratswahl keine Mehrheit mehr finden könnte.“

Dabei beschränkt sich das politische Programm des Milliardärs auf acht kurze Botschaften:

“Politiker müssen dem Land dienen“ lautet eine. „Schluss mit Steuerprivilegien“ eine andere. Oder: „Schluss mit dem Schuldenmachen“, „Arbeiter am Gewinn beteiligen“,
„Weniger Verwaltung – mehr Leistung“, „Die Flut der Gesetze eindämmen“, „Für ein starkes Europa“ und „Neue Regeln für den Euro“.

Re: 40 Prozent der Befragten erklärten,

die so offenbar ein phrasen-gläubiger sind:
ich würde ihnen empfehlen, schleunigst in den nächsten supermarkt zu laufen. es soll dort ein waschmittel geben, das 'weisser als weiß wäscht'...!
das wär doch was für sie, oder?

Re: 40 Prozent der Befragten erklärten,

Mit Bachmayers Befragungen wuerde ich mir nicht einmal meinen Allerwertesten cleanen.

Re: 40 Prozent der Befragten erklärten,

Dann sind's halt acht (schöne) Schlagworte, ändert aber auch nichts an der Tatsache, dass deren Unsetzung geflissentlich verschwiegen wird. "Arbeiter am Gewinn beteiligen": Was ist wenn's einmal ein Minus gibt? Und zu der OGM-Umfrage: Bei der Wehrpflicht hat's auch geheißen, dass es knapp fürs Berufsheer ausgehen wird.

sie sind aber ein schleißiger beobachter ...


daß es nämlich klar für die wehrpflicht ausgehen wird. haben alle umfragen vorhergesagt.

wenn's mal keinen gewinn gibt, ist klarerweise auch die gewinnbeteiligung null. das sagt ja schon der name.

aber in der deutschen autoindustrie ist die bereits gang und gebe, und jeder mitarbeiter erhält pro jahr, ca. 8.000,- euro (2 monatsgehälter) bonus.

 
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