23.05.2013 00:14 Merkliste 0

Parteitag: Obamas Regenbogenkoalition marschiert auf

04.09.2012 | 17:39 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Die Minoritäten, die Obama vor vier Jahren ins Weiße Haus gewählt haben, versuchen beim Parteitag der Demokraten in Charlotte den Zauber von 2008 wiederzubeleben. „Americans coming together“ lautet das Motto.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Charlotte. Je stärker der Platzregen niederprasselte, desto härter, schneller und lauter drosch Jeff Bridges auf die Gitarre ein. Der „Dude“, der Kultstar aus „The Big Lebowski“, nahm beim inoffiziellen Auftakt des Parteitags der Demokraten in Charlotte seine Oscar-prämierte Rolle aus „Crazy Heart“ als zauseliger Country-Rock-Sänger auf. Mit seiner Band „The Abiders“ sollte der Hollywood-Star, ein Propagandist gegen Kinderarmut, das Wahlvolk der Finanzmetropole und Nascar-Hauptstadt in North Carolina auf die Jubelfeier des Präsidenten einstimmen.

Die Party war beim Volksfest zum Labor Day, dem Feiertag, der in den USA traditionell das Sommerende markiert, jedoch schnell vorüber. Die Schwüle hatte sich in einem Wolkenbruch entladen, und die Musiker waren gezwungen, ihre Instrumente einzupacken. James Taylor – ein Sohn North Carolinas und prominenter Verfechter einer progressiven Politik – kam als Haupt-Act des Abends nicht mehr dazu, seinen Hit „Fire and Rain“ zu intonieren.

Dabei hätte der Song die Leitmelodie der Obama-Anhänger getroffen, die zur Unterstützung des Präsidenten nach Charlotte gepilgert sind. Beim Fest in der Tryon Street marschierte die bunt schillernde Regenbogenkoalition von 2008 auf: Afroamerikaner, Studenten, Latinos, Schwule und Lesben – die Minoritäten, die Obama vor vier Jahren ins Weiße Haus gewählt haben. Sie versuchen beim Parteikonvent den Geist und den Zauber wiederzubeleben, das Feuer von Neuem zu entfachen. Sie sind abgeklärter und nüchterner, jedoch unverdrossen, ihren Hoffnungsträger gegen die Anfeindungen von rechts zu verteidigen.

Versöhnliches Motto

„Americans coming together“ lautet das versöhnliche Motto, das auf der Bühne der Basketballarena prangt – umrahmt von nationalen Insignien: dem Präsidentenberg Mount Rushmore, dem Lincoln Memorial, dem Washington Monument und der Freiheitsstatue. Vor ihrer Rede in der Nacht zum Mittwoch inspizierte First Lady Michelle Obama den Schauplatz des Parteitags, Heimstatt des notorisch erfolglosen, von Michael Jordan geführten Teams der „Charlotte Bobcats“. Jordan, die Basketball-Legende der „Chicago Bulls“, gilt als eines der Idole Barack Obamas.

Während der Präsident selbst die Hurrikanopfer in Louisiana aufsuchte, setzen die Republikaner ihre Attacken gegen seine Politik fort. In Charlotte haben sie einen „War room“ eingerichtet, und Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan reiste zu einer Kundgebung nach North Carolina. Er muss sich freilich mit einer peinlichen Petitesse herumschlagen. Er hatte bei seiner Marathonbestzeit massiv geschwindelt. Neben Häme handelte er sich den Vorwurf der Umaufrichtigkeit ein, der nun sein Wahlprogramm diskreditiert.

Die Parteigänger in Charlotte sind hoch motiviert, Beim „Youth Council“ im Ballsaal B des Konferenzzentrums schwören Studentenvertreter einander auf den Wahlkampf ein. „Ich kann von einer Wahlmüdigkeit nichts sehen, von der alle reden“, sagt eine Sprecherin der „Young Democrats“.

Obama als Sandfigur

Bis zur Wahl muss der Präsident seine Regenbogenkoalition mobilisieren, der Konvent dient ihm dafür als Plattform. Bei den Frauen, den Latinos, den Jungwählern und den Afroamerikanern ist er klar im Vorteil. „Als Frau kann ich Romney nicht wählen“, erklärt Betsy Hine. Hauptgrund ist für sie die strikte Position der Republikaner in der Abtreibungsfrage.

Rastlos tourt Obama durch die College-Städte. „Er hat alles getan, was in seiner Macht steht. Der Wandel ist ein langer Prozess, er braucht noch einmal vier Jahre“, meint Derrick Skaug, 22, ein Student aus dem Staat Washington. Das ist auch der Tenor der Schwestern Amy, Laurie und Sheryl Monroe, drei Afroamerikanerinnen. „Er ist in ein Schlamassel geraten, und die Republikaner haben ihn blockiert, wo es ging. Er bringt das Land vorwärts.“ Sie posieren vor einer Obama-Sandfigur, die vor Wind und Regen geschützt ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

4 Kommentare
Gast: Dast
05.09.2012 08:39
0 0

Warum ...

... wird in dem Artikel 3 Mal das Wort Minderheiten verwendet? Da entsteht gleich der falsche Eindruck, als würde der "URamerikaner" Obama nicht wählen. Außerdem sind Latinos und Afroamerikaner keine Minderheiten, sie stellen einen großten Teil der Bevölkerung in den USA dar.

Das hat uns USAmerika voraus.

Frau Obama gibt nicht nur physisch eine gute Figur ab; unsere (nur schwarz eingefärbten) Frauen in der Politik (Rauch K. u. Schall) geben sogar psychisch nur Restmengen ab.

Die Innen-, wie auch die Finanz- und Justizministerin geben sich in Ihren Aufgaben eher durchsichtig!

Gast: hihiii
04.09.2012 22:24
0 5

kommentare :-)

blablabla "Sozialist" blabla... Reps, ich freue mich auf eure Kommentare!

Re: kommentare :-)

Ist wohl eine trübe Lebensaufgabe, sich an der Borke anderer Meinungen zu reiben?