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US-Wahlkampf: Hat Mitt Romney schon verloren?

18.09.2012 | 17:55 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Der republikanische Kandidat Mitt Romney, geplagt von Kritik, internen Querelen und einem desillusionierenden Umfragetief, brachte mit einer internen Analyse die Hälfte des Landes gegen sich auf.

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Washington. Für viele Auguren ist es ein „Lehman-Moment“ – eine Zäsur, die sieben Wochen vor der Wahl eine Vorentscheidung im Präsidentschaftswahlkampf markiert. Vor vier Jahren besiegelte der Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers und seine chaotische Reaktion auf die Finanzkrise den Absturz des republikanischen Kandidaten John McCain.

Nach einem verpatzten Wahlkampfsommer, internen Zwistigkeiten und desillusionierenden Umfrageergebnissen schlug für Mitt Romney die bitterste Stunde, gerade als er seine Kampagne einem Neustart unterzog und er in Kalifornien um die Stimmen der Latinos buhlte. Dem linksgerichteten Magazin „Mother Jones“ war ein decouvrierender Videoclip eines Romney-Auftritts bei einem Spendendinner zugespielt worden, in dem er ungefiltert und unverblümt über seine Wahlchancen plauderte. 50.000 Dollar zahlten die Gäste für das Privatissimum im Mai in der Villa des Private-Equity-Managers Marc Leder in Boca Raton in Florida, wo Multimillionär Romney die Hälfte der Wähler schmähte.

Seine Kampagne ziele nur auf fünf bis zehn Prozent der Wähler in der Mitte, konzedierte der Kandidat. 47 Prozent der Bevölkerung hänge indessen an Präsident Obama: „Sie sind abhängig von der Regierung, sie empfinden sich als Opfer. Sie glauben, dass die Regierung für sie zu sorgen hat, dass sie Anspruch haben auf Gesundheitsversorgung, auf Essen, auf Unterkunft. Es sind Leute, die keine Einkommensteuer zahlen. Die kann ich nicht überzeugen, persönliche Verantwortung zu übernehmen.“

Am Dienstag tauchte ein zweites Video auf, dass bei der Veranstaltung im Mai heimlich gedreht worden war.

Angeschwollene Staatsausgaben

Der republikanische Kandidat legte einen wunden Punkt bloß. Tatsächlich sind 46 Prozent der Amerikaner – darunter Rentner und Kinder – von der Einkommensteuer ausgenommen, laut „Tax Policy Center“ zahlt indes ein Teil davon sehr wohl ins Sozialversicherungssystem ein.
Die Staatsausgaben für Gesundheits- und Wohlfahrtsprogramme sowie für die Pensionsversicherung sind seit 1960 von einem Drittel auf zwei Drittel angeschwollen, sie sind hauptverantwortlich für die Explosion des Defizits auf 16 Billionen Dollar. Rasant angestiegen ist, potenziert durch die Wirtschaftskrise, die Zahl der Bezieher von Essensmarken: von 17 Millionen im Jahr 2000 auf 30 Millionen (2008) auf derzeit 46 Millionen US-Amerikaner. Der Republikaner Newt Gingrich punzierte Barack Obama darum auch als „Essensmarken-Präsident“.

Der Aufschrei über die Romney-Aussagen hallte von Küste zu Küste, der Kandidat selbst bedauerte indes nur seine „unelegante“ Wortwahl. Obama-Wahlkampfmanager Jim Messina träufelte Öl ins Feuer: „Es ist schwer, als Präsident für alle Amerikaner zu dienen, wenn man verächtlich eine Hälfte der Nation abschreibt.“ Für die Demokraten sind die Zitate eine Bestätigung ihrer Romney-Karikatur eines Plutokraten, der selbst nur 13 Prozent Steuern zahlt.

Vor vier Jahren geriet auch Barack Obama durch einen Mitschnitt in Verlegenheit, der ihm noch heute bei männlichen, weißen Wählern aus der Arbeiterschicht nachhängt. Bei einer Spendenveranstaltung vor linksliberalen Fans in San Francisco zog er über die Anhänger Hillary Clintons in Pennsylvania als „verbitterte Wähler, die an ihren Waffen und ihrer Religion festhalten“ her. Wenn der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan die Episode heraufbeschwört, erntet er zustimmendes Gejohle.
Die für ihre Disziplin bekannte Romney-Kampagne steckt freilich seit Längerem in Schwierigkeiten. Bestes Indiz ist die Unruhe in seinem Wahlkampf-Hauptquartier und die Kritik am Chefstrategen Stuart Stevens. Konservative Medien zerpflücken seine Kampagne. „Wenn er (Romney) bei dieser Ausgangslage nicht gewinnt, können wir die Partei zusperren“, schimpfte die Talk-Show-Moderatorin Laura Ingraham. Obama konnte sich Dienstagabend dagegen bei einer Spendengala mit Beyoncé und einem Auftritt in der „Late-Night-Show“ von David Letterman zurücklehnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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22 Kommentare
Gast: VNB
20.09.2012 12:41
0 0

Hat Mitt Romney schon verloren?

Ich glaube nicht, dass er je eine Chance hatte.

0 4

romney hat also recht, sich aber ungeschickt

Ausgedrueckt. Natuerlich konzentriert sich jeder politiker auf die paar proxennt der wechselwaehler in der mitte, doch meisterdemagoge obama dreht dieses bonnot ueber paradoxe wahlmathematik in ein emotionales 'ich bin fuer alle da' um und die wenigsten kapierns.
Wenige in Europa kapiern auch die enormen sozialleistungen des bundes wie hier bestaetigt, weswegen Obama keineswegs das krankwesen sozialer macht sondernim gegenteil .zwangsprivatisiert.

und in Österreich?

Nicht 46% - nein, rund 60% (!) der Erwerbstätigen zahlen keine Lohn- oder Einkommensteuer!!
Hat ein österr. Politker, der darauf hinweist, seine Wahlchancen damit verspielt? Ich hoffe nicht - im Gegenteil!

Re: und in Österreich?

die abgabenquote FAST ALLER österreicher liegt im bereich von ~40 %.
nur einige haben eine geringere: die leute mit mehreren millionen auf dem konto.

ich weiss ja nicht, was sie demonstrieren wollten. der glaube, die lohn- und einkommensteuer sei die einzige abgabe in diesem land, stellt sie allerdings entweder als demagoge oder als depperl hin....

Antworten Gast: Markus Trullus
19.09.2012 15:23
0 0

Re: und in Österreich?

Stimmt nicht, da wird wieder mal was verschwiegen: der Arbeitgeberbeitrag ist weiterhin fällig! Also Steuerfrei ist in Ösiland NIEMAND!

Re: Re: und in Österreich?

hier ist aber von Lohn- und EinkommenSTEUERN die Rede - und die zahlen rund 60% der Erwerbstätigen nicht, weil ihr Verdienst unter der Steuerschwelle ist.
Auf der anderen Seite haben sie natürlich auch den vollen Rechtsanspruch an Transferzahlungen aus dem Steuertopf.
Und genau darauf hat Romney hingewiesen. Dass er sich dabei blöd bis beleidigend ausgedrück hat, ist eine andere Sache.

wie blöd..

..kann man sein. das denke ich mir immer mal wieder bei den wahlkämpfen der republikaner. nach der meldung - 47% direkt negativ angesprochen, über verwandte/freunde etc wohl welchen anteil der bevölkerung vergrault? auch wenns eigentlich gerade erst losgeht - eigentlich könnte man schon aufhören. gewinnen wird romney diese wahl wohl nicht mehr.

herzig...

...die verzweifelten versuche der links-lastigen medien, den versager und lügner obama dadurch schönzureden, dass sie seinen kontrahenten schlechtreden.

gutes zeichen - die demokraten müssen schon recht in panik sein!

wie's ausschaut, sind wir den friedensnobelpreisträger (!) endlich bald los! :-)))

Re: herzig...

ich bin rechtslastig, es fällt mir jedoch nicht schwer Romney schlechtzureden.
Er ist es einfach. Unsympathisch, ewig grinsend. Ein Präsident zum vergessen.

unsere österreichischen hartleibigen Konservativen

kommen aus der Deckung. Ja, ja, so einen anständigen, elitären, bornierten Typen hätten sie auch gern, außerdem ... pst! ... garantiert 100% weiß angelsächsisch. Der macht Schluss mit arbeitsscheuen Transferleistungsempfängern.
Lest weiter eure Presse, aber seid euch bewusst, ihr seid eine winzige Minderheit, die ihren Reichtum dem Zufall verdankt.
Wer in Ö durch harte Arbeit zu etwas gekommen ist, hat mehr Respekt vor der working class.

Antworten Gast: Markus Trullus
19.09.2012 15:25
0 0

Re: unsere österreichischen hartleibigen Konservativen

Merken: niemand kommt in Österreich durch HARTE ARBEIT zu was. so nicht! Das knöpft einem der Staat sehr schnell wieder ab!!!!

Re: unsere österreichischen hartleibigen Konservativen

Ich zähle mich zu dieser working class - und genau deshalb habe ich keinen Respekt vor den Leuten die Romney anspricht.

Die OeBB schickt in Österreich Leute mit 45 in die Früpension, "neue Selbstständige" kassieren für Ihre Unternehmen Subventionen die sie aus eigener Arbeitskraft nie aufbringen könnten - das geht so weit das einem hinter vorgehaltener Hand erklärt wird man soll sich freiwillig arbeitslos melden wenn man als Angestellter vor hat ein Unternehmen zu gründen, weil dann kriegt man mehr Beihilfen....

Da kann man unendlich weitermachen!

Und selberr muss man zusehen wie jedes Monat díe Nettokaufkraft respektive der Nettoverdienst sinkt weil unsere liebe Regierung mal wieder irgendwo irgendwelche Abgaben erhöhen "musste".

Über 100 Mrd. EURO Sozialbeihilfen für 2 Mio. Menschen ohne Einkommen in diesem Land...

Sag einem Grünossen das dir deswegen das g'impfte aufgeht - ....

Re: Re: unsere österreichischen hartleibigen Konservativen

Die "Presse" erhält den größten Betrag an steuerfinanzierter Presseförderung aller österreichischen Tageszeitungen, nur so nebenbei....


Die Staatsausgaben für Gesundheits- und Wohlfahrtsprogramme sowie für die Pensionsversicherung sind seit 1960 von einem Drittel auf zwei Drittel angeschwollen, sie sind hauptverantwortlich für die Explosion des Defizits auf 16 Billionen Dollar.

diese behauptung passt aber nicht zu den fakten.

entwicklung der us-schulden:
*"Als Ronald Reagan 1981 US-Präsident wurde lag die US-Staatsverschuldung bei 1 Billion USD...Reagan verdreifachte fast die US-Staatsschulden auf 2,857 Billionen USD."
*nach vier bush senior-jahren: 4,4 Billionen USD
*clinton übergibt mit 5,8 billionen, allerdings "Ab 1998 hatte die USA keine Staatsdefizite mehr sondern Überschüsse. Und zwar in Höhe von mehreren 100 Millarden USD." senatsstatistiken " rechneten damit, dass die Staatsschulden bei gleichbleibender Finanzpolitik bis zum Jahr 2006 abgebaut waren … Danach würden Jahr für Jahr mehr als eine halbe Billion USD zusätzlich in den Staatssäckel fließen."
stattdessen:
*bush jr.: "Von etwa 5,8 Billionen USD auf 10 BIllionen USD"
(alle zitate: http://www.geldanlage-finanz-blog.de/2473/die-geschichte-der-us-staatsverschuldung-der-letzten-30-jahre/)

ich sehe hier nur 'schuldenkaiser', die alles andere getan haben, als durch ausgaben "für Gesundheits- und Wohlfahrtsprogramme sowie für die Pensionsversicherung" das defizit explodieren zu lassen! das waren geschenke für reiche und kriegskosten.

passt

der top presi, für top amis. ein wunderschönes land, leider gibts die amis.

Dumm, dümmer, Romney

Wer 47% der Amerikaner beleidigt, weil er glaubt, es bleibt eh im kleinen Kreis... der sollte nicht der mächtigste Mann der Welt werden!

Re: Dumm, dümmer, Romney

...und was, wenn er einfach recht hat, aus konservativer Sicht ? Wollen nicht viele, dass ihnen der Staat hilft, aber ohne Gegenleistung ? Das wollen all jene nur nicht hören, die immer nur nehmen, was ihnen andere geben...also jedes Ding hat zwei Seiten, das sollte man nie vergessen...

Antworten Gast: Fridolin Malachow
18.09.2012 21:24
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Re: Dumm, dümmer...


Und was glaubte ÖVP-Generalsekretär Rauch beim Parteitag der Republikaner in Tampa in Erfahrung zu bringen? Oder: die ÖVP, Schwesternpartei der Republikaner. Rauch soll sogar George W. Bush die Hand geschüttelt haben. Das sagt wohl alles!

die Wahl steht

zwischen Mr. NDAA Indefinite Detenion Bill und dem Kumpel von Bibi Netanjahu...Pest oder Cholera?

Gast: funaki789
18.09.2012 20:02
0 1

Es gibt ein zweites Video!

Auch heimlich aufgenommen. Darin meint er, dass die Palästinenser keinen Frieden wollten und eine Lösung des Konflikts mit Israel nicht möglich sei. Hier anzusehen: http://www.format.at/articles/1238/931/342298/romney-knie

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EIN WORT:

Hoffentlich !