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Romney hofft auf die Wende im TV-Duell gegen Obama

02.10.2012 | 18:16 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Wie Boxer trainierten der Präsident und sein Herausforderer vor der ersten TV-Debatte. Für Romney steht heute sehr viel auf dem Spiel. In der Hälfte der US-Bundesstaaten haben die Wahlen bereits begonnen

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Washington. Understatement zählt nicht zu den Charaktereigenschaften des Präsidenten. Im Gegenteil: Barack Obama gilt als ehrgeiziger, ja geradezu obsessiver Hobby-Golfer und Basketballer, der in jeder Disziplin der Beste sein will und sich üblicherweise für den intelligentesten Kopf hält. Vor dem ersten TV-Duell am Mittwoch mit Mitt Romney übte sich der Präsident in ungewohnter Bescheidenheit: „Mitt Romney ist ein guter Debattierer, ich bin nur okay.“

Tiefstapeln, die Erwartungen herunterschrauben, den Gegner aufwerten: Das ist die Strategie in beiden Lagern vor der ersten Redeschlacht in einer Serie von Duellen – drei der Präsidentschaftskandidaten und einem ihrer Stellvertreter –, die den Lauf der Dinge fünf Wochen vor der Wahl noch ändern könnten. Einzig Chris Christie machte eine Ausnahme. Der robuste Gouverneur von New Jersey verhieß eine Trendwende für Romney. Die Umfragen suggerieren aber eine klare Tendenz für den Amtsinhaber – erst recht in den entscheidenden Swing States.

Mittlerweile haben in der Hälfte der US-Bundesstaaten die Wahlen bereits begonnen, immer mehr Wähler machen von der vorzeitigen Stimmabgabe per Briefwahl Gebrauch – heuer voraussichtlich mehr als 40 Millionen. Für Romney steht vor einem Publikum von mehr als 50 Millionen also viel auf dem Spiel. Seine Klassifizierung rund der Hälfte der Amerikaner als staatliche Almosenempfänger hat ihm schweren Schaden zugefügt und sein Image als abgehobener Multimillionär noch verstärkt. Die Obama-Kampagne schlachtet das Zitat von den „47 Prozent“ in TV-Spots weidlich aus.

 

Heil in der Offensive

Romney muss sein Heil in der Offensive suchen, ohne den Präsidenten zu aggressiv zu attackieren – eine delikate Aufgabe. Er kritisierte die angebliche Führungsschwäche Obamas in der Außenpolitik. Nach dem Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi habe die Regierung herumlaviert. Erst zögerlich hat das Weiße Haus das Attentat von al-Qaida-Verbündeten eingestanden. Die erste TV-Debatte wird sich indes um die Innen- und Wirtschaftspolitik drehen, und Romney muss endlich eine klare Alternative aufzeigen. Währenddessen wird der Präsident aus der Defensive agieren.

Wie Boxer vor einem WM-Kampf im Schwergewicht haben sich beide Kandidaten in „Boot Camps“ zurückgezogen. Wie weiland Muhammad Ali bereitete sich Barack Obama drei Tage in der Nähe von Las Vegas mit einem halben Dutzend Beratern und seinem „Sparringpartner“ John Kerry, dem Ex-Präsidentschaftskandidaten und Senator aus Massachusetts als Romney-Kopie, auf das Duell vor. Zu lange professorale Antworten, lautete die Manöverkritik im Obama-Camp. „Float like a butterfly, sting like a bee“: Tänzle wie ein Schmetterling, stich zu wie eine Biene – so lautete das Motto des Champs Ali.

 

Provokante „Oneliner“

Die Debattierqualitäten des Präsidenten sind eingerostet, während sich sein Gegner in knapp zwei Dutzend Debatten im Vorwahlkampf respektabel schlug. Vor vier Jahren schimmerte Obamas Arroganz durch, als ihn seine Rivalin Hilary Clinton als sympathisch bezeichnete. Ohne sie auch nur anzublicken, replizierte Obama: „Hillary, du bist sympathisch genug.“

Genau solch kleine Fauxpas will Romney provozieren. Seit Monaten trainiert er mit seinem Sparringpartner Rob Portman, einem Senator aus Ohio, für die Redeschlachten und memoriert dabei griffige „Oneliner“ und Sticheleien. Eine 10.000-Dollar-Wette wie bei den Primaries sollte er aber nicht anbieten. Rob Portman setzt ihm als Obama-Modell zu. „Nach 90 Minuten würde ich ihn am liebsten aus dem Raum schmeißen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)

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