Aktuelle Umfragen lassen die Anhänger des amtierenden US-Präsidenten Barack Obamas bangen. Denn seit dem ersten TV-Duell mit seinem Kontrahenten Mitt Romney geht es mit den Werten für den Demokraten bergab. In wichtigen Wechselwählerstaaten (Swing States) verliert er an Rückhalt. Auf nationaler Ebene führt der Präsident allerdings weiterhin - laut Gallup-Institut gar mit 50 zu 45 Prozent gegenüber Romney.
Unterdessen frisst Romney Kreide, wie Kommentatoren meinen. In seinen Aussagen zielt er immer mehr auf die alles entscheidenden ungebundenen Wechselwähler. Für eine Beleidigung der Obama-Anhänger entschuldigte er sich sogar.
Rollentausch in Florida
Laut Zahlen des Rasmussen-Instituts vom Freitag legte Romney im besonders umkämpften Wechselwähler-Staat Florida um zwei Prozentpunkte zu und führt mit 49 zu 47 Prozent gegen Obama. In Virginia lag Romney demnach mit 49 zu 48 Prozent vorn. Allerdings wurden bei der Umfrage lediglich rund 500 wahrscheinliche Wähler telefonisch befragt, die Aussage der Umfrage gilt daher als eher begrenzt. Auch das Institut WeAskAmerica sieht den Herausforderer Romney im Aufwind.
Allerdings: Alle Umfragenwerte sind derart knapp, dass ihre Ergebnisse im Bereich des statistischen Irrtums liegen. Wie seit Monaten deutet alles weiter darauf hin, dass es am 6. November ein extrem spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen geben dürfte.
Arbeitslosenquote als Zünglein an der Waage?
Nach seinem Debattenflop am Mittwoch waren die neusten Arbeitsmarktzahlen wie ein warmer Regen für Obama. Die Quote sank auf 7,8 Prozent Arbeitslose, so niedrig wie seit seinem Amtsantritt nicht mehr. Obama muss dennoch bangen: Seit Jahrzehnten wurde kein Präsident im Amt bestätigt, wenn die Arbeitslosenquote über acht Prozent lag.
Auch die Entschuldigung Romneys ist eine Genugtuung für den Präsidenten. "Ich habe etwas Falsches gesagt", meinte der Republikaner - und bezog sich auf seine umstrittene Äußerung, wonach Obama-Wähler Sozialschmarotzer seien, die keine Steuern zahlten, aber Sozialleistungen beanspruchten.
"Romney bewegt sich in Richtung Mitte"
Zudem deuten mehrere Äußerungen Romneys bei der Debatte darauf hin, dass er nach seinem Rechtsruck bei den Vorwahlen nun auf die moderaten Wechselwähler abzielt. So bestritt er in der Debatte, dass er Steuererleichterungen für Millionäre plane, machte klar, dass er nicht die gesamte Gesundheitsreform Obamas kippen wollte und äußerte sich ungewöhnlich offen für gemeinsame politische Lösungen mit den Demokraten.
"Romney bewegt sich in Richtung Mitte", titelte die "New York Times". Während der parteiinternen Vorwahlen im Frühjahr hatte es Romney dagegen vor allem der erzkonservativen "Tea-Party" recht machen müssen und hatte rechte Positionen besetzt.
(APA/dpa)
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