Washington. Für die Demokraten war es der schlechtestmögliche aller Wahlausgänge. Am Tag nach der Vorwahl in Pennsylvania ist alles so wie am Tag davor: Hillary Clinton wird weiterkämpfen und Barack Obama nicht aufgeben. Und am Ende könnte der Republikaner John McCain als lachender Dritter ins Weiße Haus einziehen.
Der Neun-Prozent-Vorsprung, mit dem Clinton (54,3%) die Vorwahl in der Nacht auf Mittwoch vor Obama (45,7%) gewann, ist groß genug, um ihrer Präsidentschaftskandidatur Auftrieb zu geben. Aber zu klein, um Obamas Vorsprung deutlich zu verringern.
„Einige haben mich angezählt und mir gesagt, ich soll aufgeben“, sagte Clinton in ihrer Siegesrede in Pennsylvania. „Aber das amerikanische Volk gibt nicht auf, und es verdient einen Präsidenten, der auch nicht aufgibt.“
„Es ist genau das passiert, was ich am meisten befürchtet habe“, erklärte Phil Bredesen, demokratischer Gouverneur von Tennessee. „Sie werden einfach weitermachen, sich gegenseitig angreifen und sich blutig schlagen. Und am Ende wird niemand gewinnen. Wir müssen das hier bald beenden.“
Es ist unwahrscheinlich, dass sich der bittere Kampf in den verbliebenen neun Vorwahlen entscheidet: Selbst wenn Clinton oder Obama jede Wahl mit einem 20-Prozent-Vorsprung gewinnt, kommt keiner der beiden auf die für die Nominierung notwendigen 2025 Delegiertenstimmen.
Damit entscheiden die 796 Super-Delegierten, die nach Belieben einen Kandidaten unterstützen können, die Wahl. Sie müssen abwägen, welche Eigenschaften im Kampf gegen McCain wichtiger sind: Clintons Fähigkeit, die männliche, weiße Arbeiterschicht anzusprechen, oder Obamas Möglichkeit, Spenden in Rekordhöhe zu sammeln. Mit einem Votum für Clinton würden sie sich über die Basis hinwegsetzen. Denn schon jetzt ist klar, dass Obama mehr Vorwahlstimmen haben wird.
Parteichef Howard Dean machte deutlich, dass er Anfang Juni eine Entscheidung haben möchte: Bis dahin sollen sich die Super-Delegierten auf einen Kandidaten festlegen.
Während die Demokraten streiten, kann sich McCain schon voll auf den Kampf um die Unentschlossenen konzentrieren. Mit Erfolg, wie Umfragen zeigen: Der 71-Jährige liegt derzeit knapp sowohl vor Clinton als auch Obama.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2008)

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