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Obama hat bereits gewonnen – im Internet

15.10.2008 | 19:27 |  THOMAS SEIFERT (Die Presse)

Während McCain zugibt, mit E-Mail nicht vertraut zu sein, nützt das Obama-Team modernste Technik. Das Internet als Obamas Wahlkampfinstrument.

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Wien. Auf der Onlineplattform „Facebook“ ist die Wahl schon entschieden. Obama hat dort 2.141.313 „Freunde“, John McCain 575.824. Doch auch John McCain muss nicht traurig sein: Er hat in diesem Onlinestammbuch, das den Vertretern der Internetgeneration dazu dient, miteinander in Kontakt zu bleiben, mehr Fans als Madonna (335.200) oder Marilyn Manson (85.483).

Während John McCain einmal sagte, dass er persönlich kein E-Mail verwendet, hat Barack Obama dem Internet eine zentrale Rolle in seiner Präsidentschaftskampagne zugewiesen. Sein Wahlkampfteam holte den 24-jährigen Facebook-Mitbegründer Chris Hughes, der die Plattform www.my.barackobama.com aufbauen half: eine Seite für das Knüpfen von sozialen Netzwerken exklusiv für Obama-Fans. Mit diesem Hightechinstrument können die Kampagnen-Manager direkt mit Hunderttausenden Unterstützern kommunizieren und auf ein Heer von freiwilligen Helfern zugreifen.

 

Die Obama-Wahlkampfmaschine

Joe Trippe, der Manager der Präsidentschaftswahlkampagne von Howard Dean (2004), berichtet in der Oktoberausgabe der in der Internetcommunity populären Technologie-Fachzeitschrift „Technology Review“, wie den Obama-Helfern im Vorwahlkampf in Texas über diese Plattform die Adressen und Telefonnummern von potenziellen Obama-Wählern übermittelt wurden; samt zum Ausdrucken vorgefertigten Obama-Werbematerialien, die die Freiwilligen an diese Menschen verteilen sollten. Die Kampagne in Texas verlief überaus erfolgreich: Obama blieb in Texas siegreich über Hillary Clinton, die damit ihre letzte Chance, Obama noch zu stoppen, vertan hatte.

Die Fäden von Obamas Internetkampagne laufen in Boston bei der Firma „Blue State Digital“ zusammen. Eine Schar ehemaliger Studenten der Elite-Technik-Universität MIT programmierte ein Softwarepaket zum Spendensammeln und zur Kommunikation mit Partei-Aktivisten und Fans. Die „Blue State Digital“-Leute nützen das World Wide Web, Plattformen für soziales Netzwerken wie Facebook und MySpace sowie SMS-Botschaften, die sie an die Mobiltelefone der Obama-Unterstützer schicken. Allein bis Juli wurden über das Internet rund 200 Millionen Dollar an Spendengeldern gesammelt.

Ein vom Wahlkampfteam produziertes Obama-Musikvideo („Yes we can“) ist ein Renner auf der Videoplattform youtube.com und wurde über zehn Millionen Mal abgerufen. Von dieser Popularität im Internet kann der 72-jährige Senator aus Arizona, John McCain, nur träumen: Sein populärstes youtube.com-Video („Man in the Arena“) bringt es auf bloß 436.112 Clicks.

Auch die Bloggergemeinde scheint eine Obama-Hochburg zu sein: Der „US Election 2008 Web Monitor“ (www.ecoresearch.net/election2008), ein Projekt von Professor Arno Scharl von der Wiener Modul-Universität, dokumentiert, dass politische Blogs positiver über Barack Obama als über seinen republikanischen Gegenspieler John McCain berichten.

„Die Leser dieser Blogs sind wichtige Multiplikatoren, die gerade in der Endphase des Wahlkampfs erheblich an Einfluss gewinnen“, sagt Scharl.

Der jüngste Coup des Obama-Wahlkampfteams: Im Autorennspiel „Burnout Paradise“, für die Spielkonsole Xbox, fährt man an einem riesigen Obama-Wahlplakat vorbei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2008)

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