Die islamistische Terrororganisation al-Qaida hat in ihrer ersten Reaktion auf die Wahl von Barack Obama zum neuen US-Präsidenten den Demokraten scharf kritisiert und beleidigt. Sie warnte Obama davor, die Politik von Amtsinhaber George W. Bush fortzusetzen. Damit würde Obama scheitern, erklärte der Vize-Chef der Organisation, Ayman al Zawahiri, in einer am Mittwoch veröffentlichten Tonaufnahme.
Zudem kritisierte er Obama wegen seiner Unterstützung für Israel und weil er sich von seinen muslimischen Wurzeln abgewandt habe. Al Zawahiri rief die Muslime auf, die "kriminellen USA" anzugreifen. Die Aufnahme wurde von dem amerikanischen SITE Institute veröffentlicht, das islamistische Medien überwacht.
Der Stellvertreter von Osama bin Laden erklärte in dem Video, Obama sei das Gegenteil "ehrbarer schwarzer Amerikaner", wie dem 1965 ermordeten radikalen Schwarzenführer Malcolm X. Er bezeichnete Obama, den früheren Außenminister Colin Powell und die amtierende Außenminister Condoleezza Rice als "Hausneger", wie den Untertiteln zu entnehmen war.
Der künftige Präsident werde die amerikanische Politik nicht verändern, erklärte Al Zawahiri weiter. Ziel sei weiterhin die Unterdrückung von Muslimen und anderen. Gezeigt wurden Aufnahmen von Reden von Malcolm X und von Obama mit einer jüdischen Kopfbedeckung. Al Zawahiri sagte, der Plan der neuen Regierung, Soldaten aus dem Irak nach Afghanistan zu verlegen, sei zum Scheitern verurteilt. Die Afghanen würden Widerstand leisten. Er drohte nicht mit konkreten Anschlägen, warnte jedoch, dass Obama einem Heiligen Krieg gegenüberstehe.
Obama-Kritik auch von Kardinal
Scharfe Kritik an Obama kam am Mittwoch auch von ganz anderer Seite: Der US-Kurienkardinal James Francis Stafford - Kardinalgroßpönitentiar der katholischen Kirche - sagte laut Kathpress, Obama trete "aggressiv, spaltend und apokalyptisch" auf. Die Kampagne Obamas sei gegen den Lebensschutz gerichtet gewesen.
Stafford sagte, die Zukunft unter Obama werde "der Agonie Jesu im Garten Gethsemane gleichen". Staffords Äußerungen sind die bisher schärfsten eines Vatikanvertreters seit den Präsidentenwahlen vom 4. November. Benedikt XVI. hatte Obama zu seiner Wahl schriftlich gratuliert.
(Ag.)

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