Wien. Sie sind ein eher kosmetischer Aspekt dieser Gemeinderatswahl – die Vorzugsstimmen. Denn nach derzeitigem Stand dürfte es keine Vorreihungen geben. Spannend könnte es maximal für Alexander Van der Bellen werden – der grüne Professor erreichte 9162 Vorzugsstimmen. Für einen fixen Einzug in den Gemeinderat reicht das aber knapp nicht. Er muss noch auf Stimmen von Briefwählern hoffen.
Sollte es doch noch klappen, ist aber ohnehin unsicher, ob er sein Nationalratsmandat für einen Sitz im Gemeinderat aufgeben würde. Spannend wird es wohl nur im Fall einer rot-grünen Koalition in Wien, bei der er einen Stadtratsposten bekleiden könnte.
Mehr Vorzugsstimmen konnte nur Bürgermeister Häupl einfahren. Doch als Listenerster der SPÖ braucht er die 9436 Stimmen ohnehin nicht, auch wenn er damit nach derzeitigem Stand als Einziger die Hürde übersprungen hätte.
Für FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache hätte es, wie es derzeit aussieht, nicht gereicht, auch wenn er mit 8431 Vorzugsstimmen auf Platz drei der Vorzugsstimmen liegt. So wie Häupl ist er allerdings ohnehin fix gereiht. Abgesehen davon dürfte er ohnehin auf sein Gemeinderatsmandat verzichten und sich wieder um den Bund kümmern.
Einen traditionell starken Vorzugsstimmenwahlkampf führte SP-Mandatar Omar Al-Rawi, der um muslimische Wähler warb – und 4472 Vorzugsstimmen bekam.
Muslime mobilisierten
Im selben Wählersegment fischte auch die türkischstämmige Studentin Gülsah Namaldi. Die als konservativ geltende – und in der SPÖ nicht unumstrittene – Kopftuchträgerin errang 3254 Vorzugsstimmen. Für eine Vorreihung von Platz 166 auf der SP-Liste ist das aber zu wenig. Erwähnenswert sind noch Grünen-Chefin Maria Vassilakou mit 4083 Vorzugsstimen und VP-Chefin Christine Marek, die 2554 Stimmen bekam.
Wie viele Stimmen konkret notwendig sind, um auf einer Liste vorgerückt zu werden, hängt davon ab, wie viele Wahlberechtigte eine gültige Stimme abgegeben haben – laut derzeitigem Stand liegt die Hürde bei 9398 Stimmen, das wird sich aber mit den Briefwahlstimmen noch ändern. Berechnet wird diese Hürde anhand der sogenannten Wahlzahl – der Anzahl der gültigen Stimmen dividiert durch die Zahl der zu vergebenden Mandate plus eins. Für eine Vorreihung muss das 1,25-Fache der Wahlzahl erreicht werden.
Jukic und Tötschinger scheitern
Definitiv gescheitert ist ÖVP-Quereinsteiger Dinko Jukic. Der Schwimmer, der von VP-Chefin Marek als Signal an Migranten aufgestellt worden war, schaffte kein Grundmandat in Meidling, wo er an zweiter Stelle gereiht war. Und 217 Vorzugsstimme auf Stadtwahlebene sind bei Weitem zu wenig. Kein Grundmandat gab es auch für Schauspieler Gerhard Tötschinger, der für die VP in Döbling ein Grundmandat hätte holen sollen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2010)
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