25.05.2012 20:33 | Meine Presse Merkliste 0

Das Elend der Wiener ÖVP nach der Wahl

Martin Stuhlpfarrer (Die Presse)

Die Wiener VP ist in desaströser Verfassung. Und nun distanziert sich auch noch die Wirtschaftskammer.

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In einer christlich-sozialen Partei mag manchmal der Glaube eine Rolle spielen. Allein, den Glauben an ein Wunder, dass die rot-grünen Verhandlungen scheitern und die Wiener VP doch noch den Sprung in die Stadtregierung schafft, haben die meisten längst aufgegeben – selbst wenn Parteichefin Christine Marek gebetsmühlenartig wiederholt: „Abwarten, ob es tatsächlich eine rot-grüne Koalition gibt.“

Die Wiener VP ist nach ihrer Zertrümmerung (anders kann der Absturz auf 13,99 Prozent nicht genannt werden) und der Eroberung des wenig schmeichelhaften Titels „schwächste VP-Landesgruppe“ in einer Situation, die schlechter nicht sein könnte.

Erstens: Die Partei zeigt Auflösungserscheinungen. Bezeichnend dafür ist die Achse Bürgermeister-Wirtschaftskammer. Brigitte Jank, Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, sitzt zwar im VP-Parteivorstand, wo ihr Einfluss nicht gerade bescheiden ist. Doch Jank ist bezeichnenderweise auch Vizepräsidentin in Michael Häupls Lieblingsverein, der Austria Wien. Und wo die Präferenzen von Jank sind, wurde in der vergangenen Woche klargestellt: Die Kooperation mit der Wirtschaftskammer wird unter Rot-Grün ausgebaut, kündigte Häupl an. Und Jank wirkt dank der Achse zu Häupl von Rot-Grün nicht sonderlich beeindruckt.

Die Kammer ist eine Lobbyingorganisation, die ihre eigenen Prioritäten setzt. Parteipolitik spielt dort eine untergeordnete Rolle. Bezeichnend dafür ist, dass die Mitglieder in Janks Wirtschaftsbund nicht gleichzeitig VP-Parteimitglieder sein müssen. Ein Novum in der von Bünden dominierten ÖVP. Ergo: Die angeschlagene Wiener VP kann sich von dieser einflussreichen Seite keine Schützenhilfe für die Opposition erwarten: „Die Wirtschaftskammer ist kein Teil der ÖVP“, meint eine VP-Politikerin frustriert: „Dem Wirtschaftsbund ist die Kammer näher als die Partei. Die arbeiten schon fast gegen uns.“ Im VP-Wirtschaftsflügel wird das lapidar kommentiert: „Die haben nur Angst, von der FP auf der Oppositionsbank zerdrückt zu werden.“

Zweitens: Die Wiener VP ist keine Oppositionspartei. Sie muss in den nächsten Jahren aber scharfe Oppositionspolitik betreiben, soll das Wahlergebnis 2015 nicht einstellig werden. Für eine kantige Oppositionspolitik fehlen aber die Persönlichkeiten. Marek selbst ist mehr Regierungs- denn Oppositionspolitikerin. Bezeichnend für die oppositionelle Schlagkraft der Wiener ÖVP: Der dynamischste Posten der VP-Opposition war bisher Gemeinderätin Ingrid Korosec. Und diese Frau ist 70 Jahre alt.

Drittens: Die FPÖ hat das Monopol auf die Opposition. Mit Johann Gudenus als Klubobmann stellt FP-Chef Heinz-Christian Strache seine Wiener FP nach dem Wahltriumph neu auf. Gudenus ist nicht nur jung, sondern auch hungrig. Seine Karriereplanung endet nicht beim Posten als Klubchef in Wien, ist zu hören. Die Folge: Die Wiener FP wird ihren Oppositionskurs deutlich schärfen, die ÖVP droht, dank dem Fehlen schlagkräftiger, polarisierender Persönlichkeiten mit ihren Botschaften unterzugehen. Dafür wird auch die rot-grüne Koalition sorgen, die als Premiere auf Landesebene Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.

 

E-Mails: martin.stuhlpfarrer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29. Oktober 2010)

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13 Kommentare
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eine sehr gute nachricht

ich persönlich kann auf dei övp sehr gerne verzichten

die arroganz mit der diese partei ausgestattet ist ist schon unerträglich.
den bauern das geld in den rachen stopfen und schulden machen, mehr kann diese ach so kompetente partei sowieso nicht.

ich werde der övp keine träne nach weinen sollte sie in wien irgendwann in die gänzliche bedeutungslosigkeit schlittern

auch nervt mich dieser in der övp stark vorhandene drang zm föderalismus. dieser ist der sargnagel der republik

Helmut71
29.10.2010 20:44
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die övp heute

ist eine Partei, die nur mehr Klientelpolitik betreibt, sich krampfhaft an der Macht klammert, ihre Parteigänger mit Posten versorgt, jämmerliche Führungsfiguren hat und oftmals Steigbügehlahter für die SPÖ spielt.

Ich werd der ÖVP keine Träne nachweinen.

Gast: Parteiloser
29.10.2010 13:39
0 0

Die ÖVP als Ganzes ist doch hin!

Der exzessive Protektionismus bei den Landwirten wird sich auch schon bald in Luft auflösen, wenn ab 2012/13 die EU die Förderungen neu regelt. Da wird auch der Raiffeisenbereich mit betroffen sein.

Der exzessive Protektionismus der Wirtschaft ist schon lange durch einen Extremprotektionismus von Großbetrieben, möglichst unter ÖVP Kontrolle gewichen. Von den 320.000 Unternehmern des KMU, und deren Angehörigen sind doch schon viele Wähler geflüchtet, oder verweigern den Politikern die Legitimation durch keine Stimmabgabe.

Der exzessive Protektionismus der Beamten funktioniert noch ganz gut. Es gibt noch einen Riesenhaufen davon, wenn man auch die Ruhegenießer und die Angehörigen dazu zählt. Das werden aber immer weniger! Bei den Vertragsbediensteten, welche auch für die extreme Umverteilung an das ÖVP Kernklientel herhalten müssen, schaut es schon viel schlechter aus.

Die ÖVP ist also zur reinen Beamtenpartei verkommen, welche noch einem starken Einfluss der Banken ausgesetzt ist. Mehr ist da nicht mehr, auch keinen Fall Lösungen für Österreich, welche über die Umverteilung in die eigenen Taschen hinausgehen. Ganz toll repräsentiert wird die ÖVP auch durch den 2. NR Präsi, welchen die Österreicher niemals gewählt haben und auch niemals wählen würden.

Die ÖVP wird schon bald unter die 20% Marke fallen und dann den Absturz unter 15% zu verdauen haben. Dann ist nichts mehr mit Umverteilen in die eigenen Taschen und auch keine Kontrolle mehr über die Justiz.

Lexington
29.10.2010 09:43
0 0

Falsch

Das Atribut "Wiener" ist bitte zu streichen.

Gast: tiefergehtsnicht
29.10.2010 08:45
0 0

mit diesen armseligen jammergestalten,

der marek, dem jungbubi mit dem unsäglichen geilomobil, dem pröll, der nur aus fehlentscheidungen besteht - mit diesen leuten eine ÖVP zusammenzuzimmern, die glaubwürdig ist - das ist ein ding der unmöglichkeit. neubeginn mit neuen köpfen und nicht mit personifizierten peinlichkeiten. es ist höchste zeit, sich was zu trauen, denn schlimmer kanns für die schwarzen nicht mehr werden.

Gast: gast
29.10.2010 06:53
0 0

die ÖVP scheint wirklich ziemlich am Sand zu sein..

weil in einigen Ecken Wiens immer noch die Wahlkampf-Plakatständer herumstehen...

Blitzky
29.10.2010 03:50
0 0

Weiß irgendwer unter den geschätzten Lesern einen einzigen Grund

warum ich als Wiener (Arbeiter, Angestellter, Selbständiger....) die ÖVP wählen sollte?
Ein einziger Grund würde mir schon reichen.

Antworten Gernot H.
29.10.2010 18:50
0 0

Es gibt keinen Grund!

In Wien die ÖVP zu wählen, unfähige Diletanten auf Bezirks und Landesebene, denen es nicht um die Partei sondern nur um die Pfründe geht. Kein Inhalt, keine Personen, keine Perspektiven, so schauts aus mit der Wiener Volkspartei, die 10 % Hürde nach unten wird 2015 geknackt, 2020 dann der Gang in die APO (Außerparlamentarische Opposition)

2 0

Re: Weiß irgendwer unter den geschätzten Lesern einen einzigen Grund

Mir gehts ebenso mit der SPÖ.
Und den Grünen.

koko
29.10.2010 02:55
2 0

Das Problem der ÖVP

ist, dass sie für nichts steht. Sie ist weder christlich, noch sozial. Nur noch auf eigennützigen Machterhalt ausgerichtet. Kein Wunder, dass ihr die Wähler in Scharen davonlaufen.

Gast: Gast
28.10.2010 23:50
1 0

Wie katastrophal die Wiener ÖVP ihre Lage

einschätzt erkennt man am erschreckendsten daran, dass ihr übliches Jubelgeschrei bei der Verkündung der Hochrechnungen diesmal eine Spur weniger ekstatisch war.

Gast: pour le mérite
28.10.2010 21:40
6 0

Dem geilomobilen, undefinierbaren Sauhaufen

weint doch keiner auch nur eine Träne nach.

Und daß dem bratlpappenen Parteichef Pröll nix anderes einfällt, als mit diesen Wiener Witzfiguren bis spät in die Nacht das Desaster abzufeiern,
ist für diese ÖVP genauso bezeichnend,

als daß sich jeder gewachsene bürgerliche Schwarze dieses Schauspiel ohne wenn und aber gefallen läßt....

Der einzig ernst zu nehmende Politiker in diesen Landen heißt mittlerweile HC Strache.

Und das soll was heißen.

PS:
Ich entschuldige mich für die deftige Ausdrucksweise, aber weils wahr ist!


Re: Dem geilomobilen, undefinierbaren Sauhaufen

Bisher ist mir HC nur als Hetzer gegen Ausländer, insb. Türken aufgefallen. Ja, noch etwas, die FPÖ ist aus Prinzip gegen eine Gewichtsbeschränkung für LKWs. Wenn man darauf hinweist, dass die Anrainer der LKW-Maut-Fluchtstrecken im Lärm verrecken und die Frage stellt, was der FPÖ zum SChutz der Anrainer einfällt, dann kommt nur, "uns ist nichts eingefallen, aber aus Prinzip sind wir gegen eine Tonnagebeschränkung". Ein toller und bürgernaher Haufen.
Bei den Ausländern wissen die FPÖ Funktionäre genau, dass Abschiebungen oft wegen der MRK (FPÖ hat dem Beitritt ÖSterr. zur MRK zugestimmt) nicht möglich sind, trotzdem wird eine solche immer propagiert, damit das unwissende Volk eine Freude hat. So viel zur Ernsthaftigkeit der FPÖ.
WEnn die anderen Parteien diese Doppelzüngigkeit der FPÖ anprangern und auf die "ERfolge" der FPÖ Minister unter ÖVP/FPÖ/BZÖ entsprechend hinweisen, müsst eigentlich Gudenus die SChneid abgekauft werden können.

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