18.05.2013 18:59 Merkliste 0

Abhörtunnel und Skandale: Die Spionagehochburg Wien

29.06.2012 | 13:59 |   (DiePresse.com)

Amerikaner und Russen schickten tausende Agenten in die Bundeshauptstadt, namhafte Politiker verrieten Geheimnisse an die Tschechoslowakei. Ein Überblick über die bekanntesten Spionagefälle in Österreich.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

In der Welt der Geheimdienste spielt Österreich seit jeher eine gewichtige Rolle und tut das immer noch. So tauschen die USA und Russland im Jahr 2010 in einer spektakulären Aktion am Flughafen Schwechat aufgeflogene Spione aus. Ein Jahr zuvor wurde in Wien Umar Israilov auf offener Straße erschossen. Der Asylwerber war Widersacher des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, sollte gegen ihn beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als Kronzeuge aussagen. Das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) sieht in seinem Abschlussbericht Kadyrow als Drahtzieher hinter dem Mord. Auch der russische Geheimdienst soll Israilov auf einer Todesliste gehabt haben.

Österreichs Verfassungsschutz weiß um die Aktivitäten weltweiter Geheimdienste in Wien. In seinem Abschlussbericht 2011 heißt es: „Die Anzahl erkannter und verdächtiger nachrichtendienstlicher Mitarbeiter in den Legalresidenturen der verschiedenen diplomatischen Vertretungsbehörden ist weiterhin hoch." Wegen des Sitzes mehrerer internationaler Organisationen sei Österreich „ein Umschlagplatz für nachrichtendienstliche Informationen".

Vor allem Beschaffungsversuche von Ländern wie dem Iran und Nordkorea könnten festgestellt werden. Strafe droht den fremden Agenten nur, wenn sie ihre Aktivitäten gegen Österreich richten - oder wenn diese militärischer Natur sind. Ansonsten lässt Österreich die Spione ihr Werk verrichten.

Nach dem Weltkrieg: Telefonleitung angezapft

Aber schon nach Ende des Zweiten Weltkriegs und während des Kalten Kriegs galt Wien als Hochburg der Geheimdienste. Die USA schätzten damals, dass für Geld, Alkohol und Zigaretten jeder zehnte Österreicher als Informant zur Verfügung stehen würde. Auch Leopold Figl, von 1945 bis 1953 Bundeskanzler der Republik, werden gemeinsame Frühstücke mit US-Agenten nachgesagt. Die hatten sich in unmittelbarer Nähe seiner Villa eingemietet.

500 Mitarbeiter soll die amerikanische CIA in Wien in den 1960er Jahren unterhalten haben, gar 1500 der russische Geheimdienst. Der größte Coup der westlichen Besatzungsmächte war Operation Silver. Briten und Amerikaner gruben einen Tunnel unter die sowjetische Besatzungszone Wiens und zapften eine Telefonschaltstelle der Militärführung an. Monatelang waren sie so an wichtige Informationen gelangt - bis der Tunnel dann einstürzte. Die Sowjets hatten von der Aktion nichts bemerkt.

In der Monarchie: Kundschafter und Verräter

Geheimdienste habe in Österreich eine lange Tradition. Im 19. Jahrhundert war die österreichische Monarchie selbst bestrebt, eine Großmacht zu bleiben und sammelte in Wien Informationen aus dem ganzen Reich. Das Evidenzbüro war Stabsstelle des kaiserlich und königlichen Kriegsministeriums, hatte seit 1850 überall in der Monarchie seine Kundschaftsstellen und berichtete dem Kaiser persönlich. Geringe finanzielle Mittel beschränkten die Macht der Spionageabteilung allerdings.

Ein Aufschrei ging 1913 durch den kaiserlich und königlichen Geheimdienst. Agenten war ein Brief mit Geld und verdächtigen Notizen aufgefallen. Monatelang observierten sie eine Poststelle in Wien und warteten, bis der Empfänger ihn abholen würde. Sie waren entsetzt, als schließlich ihr ehemaliger Chef die Sendung in Empfang nahm.

Oberst Alfred Redl wurde als Doppelspion entlarvt. Der ehemalige stellvertretende Leiter des Evidenzbüros und Mitglied des Generalstabs hatte dem russischen Zarenreich jahrelang Informationen zukommen lassen darunter möglicherweise auch kriegsentscheidene Schlachtpläne. Max Ronge, Leiter des Büros, soll ihm daraufhin einen Revolver und Gift gegeben haben. Am nächsten Tag war Redl tot, er hatte sich erschossen. Ronge wirkte bis zu seinem Tod im Jahr 1953 wesentlich am Aufbau österreichischer Geheimdienste mit.

Österreicher im Dienste der CSSR

Spionageskandale ohne Todesfolge, aber mit harten Strafen erlebte einige Jahrzehnte später auch die Zweite Republik: 1968 wurde mit Josef Adamek ein Spitzel im Bundespressedienst enttarnt. Er arbeitete für den Geheimdienst der Tschechoslowakei (CSSR), der ihn mit Wissen über außereheliche Abenteuern erpresste. Wenig später weitete sich die Affäre aus. Ein Ministerialrat im Handelsministerium wurde aufgedeckt. Er hatte Informationen über den heimischen Energiesektor weitergeleitet.

Im Oktober 1968 nahm die Polizei den Ex-Staatspolizisten Johann Ableitinger in Gewahrsam. Ein Gericht verurteilte ihn zu zweieinhalb Jahren Haft. Auch er hatte den Diensten der CSSR sensible Daten weitergeleitet, zu denen er als Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes Zugang hatte. Er hatte Daten aus Melderegistern, von der Fremdenpolizei und aus Verhören von Flüchtlingen aber auch an den deutschen Bundesnachrichtendienst verkauft.

Spione in hohen Ämtern

Österreichs Spionageaffären reichten bis tief in die hohe Beamtenschaft. Alois Euler war Pressereferent des damaligen Innenministers Franz Soronics. Er versorgte Prag jahrelang mit Staatsgeheimnissen und vermutlich auch mit Protokollen aus Verhören von Flüchtlingen. 1968 verhaftete ihn die Polizei. Ein Jahr später verurteilte ein Richter ihn zu drei Jahren Kerkerhaft.

Karl Erwin Lichtenecker, ebenfalls Mitarbeiter im Bundespressedienst, gab Informationen aus dem Bundeskanzleramt preis. Zur Weitergabe der Informationen an Prager Agenten verwendete unter anderem er einen toten Briefkasten bei öffentlichen Toiletten am Hohen Markt.

Zilk oder Holec?

Der brisanteste Fall drang spät an die Öffentlichkeit, wurde nach Jahren der Gerüchte erst 2009 ins Rollen gebracht. Helmut Zilk war leitender Journalist im ORF, Unterrichtsminister, Bürgermeister von Wien - und er war „Holec". Unter diesem Decknamen soll Zilk in Österreich spioniert und zwischen 1965 und 1968 dem tschechoslowakischen Geheimdienst Stb (Statni Bezpecnost) Informationen über seinen Parteikollegen Bruno Kreisky und die VP-Alleinregierung unter Josef Klaus geliefert haben. Zilk erhielt dafür über Verbindungsmänner wie Ladislav Bittman Geld und Sachgeschenke.

Die Staatspolizei soll über Zilks Aktivitäten Bescheid gewusst haben, auffliegen ließ sie den 2008 Verstorbenen nicht. Warum, darüber rätselte auch der Dienst der CSSR. In einer mittlerweile zugänglichen Aktennotiz aus dem Jahr 1969 wurde vermutet, dass Holec auch für feindliche Dienste arbeiten könnte. Bis heute werde der Fall Zilk „bagatellisiert", sagte der Geheimdienstexperte Siegfried Beer unlängst in einem Interview mit DiePresse.com. (al)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

31 Kommentare
 
12

Der Hr. Zi.. hatte immer den Zeigefinger oben

aber nur für andere.

Gast: mysterium
02.07.2012 08:19
1 0

Dafür gibt es in Österreich ein Ehrengrab,

natürlich auch für verurteilt.

Sofortige Auflösung.

3 0

Ja Wien eine Hochburg für Gauner

Und da das alte Sprichwort : Gleich und gleich gesellt sich gerne ! nach wie vor deine Gültigkeit hat:
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/2197748/udo-proksch-hofnarr-netzwerk.story

Gast: GEFE
02.07.2012 08:18
2 0

Presse und Politiker

In Österreich arbeitet ein Großteil der Journalisten ( besonders im Rotfunk und Politiker für ausl. Dienste. Zum Großteil für Mulitikultistan und Eurostan. Gegner werden diffamiert und das Volk mit Feindpropaganda verblödet.
Hier hilft nur noch das Standrecht, um sich selbst zu richten wie weiland der Herr Redl san unsere Verräter zu feig und zu unfähig.

9 0

Regierungsmedien

und die Regierungsmedien ORF und Krone schweigen sich wieder aus. Scheindemokratie Österreich

1 0

Re: Regierungsmedien

Bei uns stellen sich die Falotten noch alle vier Jahre den Bürgern zur Wahl.
Ja wer die Wahl hat , hat die Qual zwischen Pest und Cholera.

Spionage und Überwachung steckt bei den Sozis in den Genen.


Re: Spionage und Überwachung steckt bei den Sozis in den Genen.

Nur bei den Sozis? Entweder sind sie blind oder aus der ÖVP-Zentrale.

0 0

Re: Spionage und Überwachung steckt bei den Sozis in den Genen.

sieht man an allen Ecken und Enden wo die was zu sagen haben :(

Spionage

ist nur eine besondere Form der Korruption und dai st ja Österreich Weltmeister!

Gast: nicholasblarney
30.06.2012 09:50
23 0

Warum ihn die Staatspolizei...

...nicht auffliegen ließ? Wo ist da das Rätsel?
Die österreichische Staatspolizeit war seit den fünfziger Jahren eine Hochburg der Kommunisten. Das ist doch eh hinlänglich bekannt.

25 0

Spionage muss ein ehrenwertes Geschäft sein, denn

auf dem Dr.-Helmut-Zilk-Platz steht das „Mahnmal gegen Krieg".

Daneben gibt es noch genügend andere Zilk-Gedenkstätten, die im Gegesatz zu der des Nicht-Spions Haider noch nie öffentlich kritisiert wurden; andererseits unterhält Wien ja auch eine Gedenkstätte für Stalin.

http://de.wikipedia.org/wiki/Stalin-Gedenktafel

Gast: numpfdibumpf
30.06.2012 00:27
2 0

Tunnelgschicht

Ja, die Tunnelgschicht kenn ich. Es gibt zwei wunderbare Readers Digest Bände, und in einem davon steht die Story.

Gast: Sepp Horcher
30.06.2012 00:02
1 0

die ärgste Geschichte, die man einmal über diesen Holec erzählt hat.....

....war vor über 25 Jahren, da hatte einer seiner Freunde(natürlich Wirt mit mehreren Lokalen) Probleme mit der öst. Justiz......dieser Freund wurde dann in Tschechien Bürgermeister in einem Miniort, also muss er dort auch eingebürgert worden sein....aber das war sicher eine erfundene Geschichte eines Besoffenen, weil welche Verbindungen hätte Holec nach Tschechien gehabt???

Gast: Spy and Spy
29.06.2012 23:39
4 0

Die Spionagehochburg Wien

Wäre es nicht ein wenig interessanter der geneigten Leserschaft zu berichten, wer gerade jetzt unser Land verrät?

9 1

Re: Die Spionagehochburg Wien

Die Wahrscheinlichkeit bei der Nennung eines beliebigen Regierungsmitglieds einen Treffer zu landen, geht gegen 100 %.

Nun ist es Zeit ...

... in Wien alles zu vernichten und umzubenennen, wo der Name Zilk draufsteht. So ein Falott.

Antworten Gast: Doividl
29.06.2012 22:47
23 0

Re: Nun ist es Zeit ...

recte, recte tu dixisti! Der Falott hat aber ein Ehrengrab neben Kreisky, recht pompös herausgeputzt. Der Platz ist entheiligt, schleunigst heraus mit den unsterblichen Überresten diese Gauners und Landesverräters

zum Zilk:

ich lese in dem oboigen Bericht über die wissenschaftlichen Untersuchungen immer nur:
"SOLL" ....
Heute geügt also schon das, was die Wettitant bei der Bassena erzählt für eine Verurteilung..?

Gast: Der Verbrecher Zilk
29.06.2012 20:25
27 1

liegt in einem Ehrengrab

ich kann gar nicht so viel fressen......

Gast: Wallin25
29.06.2012 19:30
28 0

doppelmoral

Der Luegerring sollte am Besten in Helmut-Zilk -Spionagering umbenannt werden.
Wien ist wirklich anders.

Gast: joseph
29.06.2012 18:06
21 2

doppelmoral

der lueger-ring muss umbenannt werden und dafuer gabs vorher schon den zilkplatz.

13 0

Verantwortung übernehmen

... soll ihm daraufhin einen Revolver und Gift gegeben haben. Am nächsten Tag war Redl tot, er hatte sich erschossen. ...

So war es also damals in der ach so verfluchten, verleumdeten und unter den Teppich gekehrten, dem schnellen Vergessen zugeführten Zeit als Österreich noch Großmacht war.

Es wurde Verantwortung übernommen, auf etwas drastische Weise, wo Verantwortung zu übernehmen war.

Das ist übrigens kein Einzelfall, eher Standard, wie damals mit aufgeflogener Unehrlichkeit umgegangen wurde.
Da gab's kein hin und her und Kopf aus der Schlinge winden. Da wurde für Fehler gerade gestanden.

Heute lacht man um so fröhlicher aus den Medien, je mehr Dreck am Stecken man hat. So scheint es jedenfalls.
Und was soll's auch, denn die "Parteifreunde" werden's scho richten.

Früher entledigte man sich solcher im Zweifel stehenden Subjekte, im heutigen degenerierten Politsystem vertuschet man und spielt's runter bis nix mehr geht.

Und zum Schluss bekommst auch noch einen eigenen Platz.

Antworten Gast: Pips
29.06.2012 18:43
11 2

Re: Verantwortung übernehmen

Im Offiziercorps gelten schon noch Ehre und Treue. Möglichwerweise nicht bei Ösis, aber international auf jeden Fall. Man nehme die britischen Gards oder gar die Legion Etrangere - da stirbt man schon bei Verdacht.

Re: Re: Verantwortung übernehmen

Wenn man schon keine Ahnung hat sollte man es wenigstens nicht so hervorheben:

In der britischen Armee gibt es die GUARDS (Garde ist die deutsche Bezeichnung)

P.S. Ich bin ein Ösi Offizier

Warum sollte die SPÖ auch nur das geringste Interesse am Fall Zilk haben?

Das Interesse ist so gross wie am Konderschaenderskandal der SPÖ-Wien, aehhhh Gemeinde Wien war natuerlich gemeint!!

 
12