In Israel sorgt die erste Wahl zur "Miss Holocaust-Überlebende" für Kontroversen. Fast 300 Frauen, die den Massenmord an den Juden im zweiten Weltkrieg überlebt hatten, bewarben sich dafür, 14 kamen in die Endrunde. "Es klingt makaber", sagte Colette Avital, frühere Knesset-Abgeordnete und Vorsitzende der Dachorganisation der Holocaust-Überlebenden. "Ich bin ein Freund davon, das Leben zu bereichern. Aber eine Miss-Wahl mit schönen Kleidern macht das Leben der Teilnehmer nicht bedeutender."
Die Gewinner seien nach ihren persönlichen Erlebnissen und ihrem erfolgreichen Leben nach dem Krieg bewertet worden, verteidigte sich Veranstalter Shimon Sabag, das Aussehen sei nur ein kleiner Teil des Wettkampfs gewesen. "Die große Zahl der Anmeldungen zeigt, dass es eine gute Idee war."
"Ich habe nur im Interesse der Überlebenden teilgenommen und wegen der Notwendigkeit, auf ihre Notlage aufmerksam zu machen", zitierte die Zeitung "Jediot Achronot" die 79-jährige Gewinnerin Chava Herschkovitz. "Darum ging es bei diesem Wettbewerb, nicht um Schönheit", fügte die aus Rumänien vor den Nazis geflohene Miss hinzu.
"Es gibt immer nur Worte"
In israelischen Medien wurde der ungewöhnliche Wettbewerb zunächst nur am Rande erwähnt. Kritiker bezeichneten die Veranstaltung als makaber. Herschkovitz beklagte jedoch die Vernachlässigung der noch etwa 200.000 Holocaust-Überlebenden in Israel, von denen viele in Armut lebten: "Niemand tut wirklich etwas für sie, es gibt immer nur Worte".
Die Idee für den Wettbewerb stammt von Simon Sebag, der die Hilfsorganisation für Holocaust-Überlebende "Jad Eser Le Chaver" (Helfende Hand für einen Freund) gegründet hat. In Haifa sei es nur zu einem kleinen Anteil um Schönheit gegangen. Stattdessen hätten die Wettbewerberinnen auch von den Schrecken des Holocaust und ihrer Lebenskraft berichtet.
(APA/dpa)
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