Israel wählt "Miss Holocaust-Überlebende"

29.06.2012 | 13:14 |   (DiePresse.com)

14 ältere Damen, die den Massenmord an den Juden im Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, nahmen an der umstrittenen Veranstaltung teil. Damit wollten sie auf die "Notlage der Überlebenden aufmerksam machen".

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In Israel sorgt die erste Wahl zur "Miss Holocaust-Überlebende" für Kontroversen. Fast 300 Frauen, die den Massenmord an den Juden im zweiten Weltkrieg überlebt hatten, bewarben sich dafür, 14 kamen in die Endrunde. "Es klingt makaber", sagte Colette Avital, frühere Knesset-Abgeordnete und Vorsitzende der Dachorganisation der Holocaust-Überlebenden. "Ich bin ein Freund davon, das Leben zu bereichern. Aber eine Miss-Wahl mit schönen Kleidern macht das Leben der Teilnehmer nicht bedeutender."

Die Gewinner seien nach ihren persönlichen Erlebnissen und ihrem erfolgreichen Leben nach dem Krieg bewertet worden, verteidigte sich Veranstalter Shimon Sabag, das Aussehen sei nur ein kleiner Teil des Wettkampfs gewesen. "Die große Zahl der Anmeldungen zeigt, dass es eine gute Idee war."

"Ich habe nur im Interesse der Überlebenden teilgenommen und wegen der Notwendigkeit, auf ihre Notlage aufmerksam zu machen", zitierte die Zeitung "Jediot Achronot" die 79-jährige Gewinnerin Chava Herschkovitz. "Darum ging es bei diesem Wettbewerb, nicht um Schönheit", fügte die aus Rumänien vor den Nazis geflohene Miss hinzu.

"Es gibt immer nur Worte"

In israelischen Medien wurde der ungewöhnliche Wettbewerb zunächst nur am Rande erwähnt. Kritiker bezeichneten die Veranstaltung als makaber. Herschkovitz beklagte jedoch die Vernachlässigung der noch etwa 200.000 Holocaust-Überlebenden in Israel, von denen viele in Armut lebten: "Niemand tut wirklich etwas für sie, es gibt immer nur Worte".

Die Idee für den Wettbewerb stammt von Simon Sebag, der die Hilfsorganisation für Holocaust-Überlebende "Jad Eser Le Chaver" (Helfende Hand für einen Freund) gegründet hat. In Haifa sei es nur zu einem kleinen Anteil um Schönheit gegangen. Stattdessen hätten die Wettbewerberinnen auch von den Schrecken des Holocaust und ihrer Lebenskraft berichtet.

(APA/dpa)

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10 Kommentare
Gast: Harzer
29.06.2012 20:14
5 0

Peinlich

da kann man nur mitleid empfinden!

Verstehe die Aufregung nicht

Wenn die Teilnehmerinnen selbst kein Problem mit dem Wettbewerb haben, wer soll dann ein Problem damit haben?

Wenn was krank ist,...

...dann das!

"Es klingt makaber"

Es klingt nicht nur so, es ist makaber!
Da werden Menschen die Unsägliches erleiden mussten in quasi "Geiselhaft" der Politik unter dem Deckmantel....... genommen. Nur alles damit um Gottes Willen die Welt (bes. die deutschsprachige) ihre Bringschuld nicht verdrängt.
Widerlich!

Es ging

nicht um schönheit?
Hätte man eine durch welche Art auch immer beeinträchtigte Frau auch an die Spitze gewählt?

Vielleicht sollte man so etwas auch im Gazastreifen veranstalten. Die "Miss überlebende im größten Freiluftgefängnis der Welt die zu sehen muss wie ihre Kinder durch dieses Gefängnis radikalisiert werden-Wahl"

Die Israelis mache es sich doch auch sehr einfach wenn sie mit vorliebe andere darauf hinweisen wie es ihnen einst ergangen ist. Nur damit derjenige (ob einstiger Täter oder nicht) ein schlechtes Gewissen hat. Aber selber bauen sie munter die illegalen Siedlungen weiter und schneiden über eine Million Menschen von der Außenwelt komplet ab und haben in Libanon teilweise hoch Radioaktive Munition verschossen wessewegen dort die Krebsraten hinauf gehen.

Eigentlich sollte Israel vorangehen und zeigen wie es besser geht. Dann dürfen sie andere auch auf ihre Fehler mit dem Fingerzeig hinweisen.

Gast: wasfüreingast
29.06.2012 14:48
18 1

Teufelskult

Und wann wird die
Miss Dresdenüberlebende
gewählt ?

Oder nur Reparationen gezahlt ?

Antworten Gast: das hirn
29.06.2012 15:04
11 1

Re: Teufelskult

in dresden hat es keine überlebenden gegeben. dafür hat der bomberharries sein denkmal bekommen, welches von dem ginschluckspecht eingeweiht wurde und jetzt die bomberpiloten.

5 0

Re: Re: Teufelskult

Die akutelle Geschichtsschreibung spricht von 15.000 bis 25.000 Opfern in Dresden. Das Rote Kreuz schätzte damals 280.000.

Gast: b754
29.06.2012 14:39
11 1

abartig



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