SP-Verteidigungsminister Norbert Darabos plant bis zum Nationalfeiertag am 26. Oktober die Krypta am Wiener Burgtor und den Weiheraum zu Stätten des "würdigen Totengedenkens" zu machen - ohne Referenzen an Kriegsverbrecher und das Nazi-Regime. Den ersten Schritt dazu setzte er vor zwei Wochen, als er den Kriegsverbrecher Josef Vallaster aus den Totengedenkbüchern strich. Heidemarie Uhl, Historikerin am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, sprach am Dienstag von einem "starken symbolischen Akt".
In den folgenden Wochen soll eine Expertenkommission, unter der Führung der Militärhistorischen Denkmalkommission, ein Konzept für die Neugestaltung von Krypta und Weiheraum entwickeln. Dabei spricht sich Uhl nicht für einen kompletten Umbau, sondern für eine kommentierende Umgestaltung aus. Die bestehenden Teile haben auch ihre Geschichte und sollten auf diese hinterfragt, kommentiert und in das neue Konzept integriert werden. Damit sollte das Äußere Burgtor zu einem "Lernort" werden, so Uhl.
"Hier wird symbolisch ein Neuanfang gesetzt"
Das Äußere Burgtor ist die einzige Gedenkstätte der Bundesrepublik. Alle anderen sind im Besitz der Gemeinden oder wurden durch Initiative von Vereinen oder Religionsgemeinschaften gegründet. Deshalb hat diese Stätte besondere Symbolkraft und soll auch allen Opfergruppen gewidmet werden. "Die Frage ist auch, wie kann man den Ort so neu definieren und gestalten, dass er nicht mehr instrumentalisiert werden kann und eine Identifikation mit der deutschen Wehrmacht, in der Form wie sie heute geschieht, nicht mehr passieren kann." Dabei bezieht sich die Historikerin konkret auf die Krypta und die Totengedenken der Burschenschafter. Ebenfalls ein kontroverses Thema ist in diesem Zusammenhang die nationalsozialistische Lobschrift, die der Bildhauer Wilhelm Frass angeblich in der Krypta im Denkmal des Toten Soldaten versteckt haben sollte.
Aber auch bei der Umgestaltung des Weiheraums soll eine kommentierende Komponente nicht fehlen. Dieser Raum wurde 1965 neu eröffnet und gedenkt in einer Inschrift den "Opfern für Österreichs Freiheit". Inwiefern hier ein Widerspruch zwischen dem Gedenken an gefallenen Soldaten und dem an ermordeten Widerstandskämpfern besteht, war in den 1950er und 1960ern noch stärker im öffentlichen Bewusstsein als heute.
Standortwahl für das "Deserteursdenkmal"
Im Rahmen der Umgestaltung spricht sich die Historikerin für die Einbindung des "Deserteursdenkmals" in die bestehenden Gedenkstätten aus. Dabei sollten auch die Opfer der NS-Militärjustiz ihren Platz im symbolträchtigen Äußeren Burgtor finden. "Es wäre ein wichtiges Zeichen, dass es ein gemeinsames Gedenken gibt. Auch für jene Soldaten, die ermordet wurden, weil sie sich gegen Hitlers Krieg zur Wehr gesetzt haben."
Für das "Deserteursdenkmal" sind derzeit fünf mögliche Standorte im Gespräch: Der Heldenplatz, der Ballhausplatz, der Julius-Raab-Platz bei der Urania, der Grete-Rehor-Platz zwischen Parlament und Justizpalast und die Rossauer Lände. Falls das Denkmal separat errichtet werden sollte, favorisiert Uhl einen Ort mit historischem Bezug. Damit könnte auch ein Bogen über die Zeit hinweg gespannt und das Denkmal mit konkreten Schicksalen in Verbindung gebracht werden. Als Beispiele für solche Orte führt die Historikerin den Militärschießplatz in Kagran, wo Deserteure hingerichtet wurden, oder die Rossauer Kaserne an. Letzterer war eine militärische Schaltstelle.
(APA)
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