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Vor 85 Jahren: Der Justizpalast geht in Flammen auf

15.07.2012 | 12:08 |   (DiePresse.com)

Am 15. Juli 1927 sorgte in Wien der Freispruch im "Schattendorfer Prozess" für Aufruhr in der Arbeiterschaft. Die "Julirevolte" kostete mindestens 89 Menschen das Leben.

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Von einem „klaren Urteil" schrieb die christlichsoziale „Reichspost", von einer „Aussaat von Unrecht" die „Arbeiter-Zeitung": Vor 85 Jahren löste in Wien ein Freispruch die so genannte Julirevolte aus, die mindestens 89 Menschen das Leben kostete.

Was war geschehen? Im Jänner 1927 schießen drei Anhänger der Frontkämpfervereinigung aus den Fenstern eines Wirtshauses im burgenländischen Schattendorf auf vorbeimarschierende sozialdemokratische Schutzbündler. Ein siebenjähriges Kind und ein Invalide werden getötet. Mit Spannung blickt das Land dem Urteil gegen die Schützen entgegen.

Am Abend des 14. Juli ist es dann soweit: Die Laienrichter am Wiener Landesgericht fällen einstimmig ihr Urteil: Freispruch wegen Notwehr. Das Urteil wird von einem Großteil der Bevölkerung als Skandal empfunden. Am nächsten Morgen marschieren deshalb Arbeiter aus den Außenbezirken in Richtung Justizpalast. Dort ist das Urteil zwar nicht gesprochen worden, das Gebäude zieht aber als Symbol für die gesamte Justiz den Zorn auf sich.

Knüppel und Bretter als Waffen 

Der Protest ist unorganisiert, die politische Führung der Sozialdemokratie hält sich zurück. Einige Schutzbündler versuchen vergeblich, sich als Ordner zu betätigen. Steine fliegen durch die Fenster des Justizpalasts, Demonstranten bewaffnen sich mit Knüppeln und Brettern und steigen in das Gebäude ein. Akten fliegen aus dem Fenster, schließlich steigt Rauch auf: Unbekannte haben im Justizpalast Feuer gelegt.

Die Polizei versucht indes die Proteste aufzulösen. Beim Parlament und der Universität schlagen berittene Einsatzkräfte mit Säbeln in die Menge. Die Feuerwehr hat Schwierigkeiten bis zum Justizpalast durchzukommen. Der Wiener Bürgermeister Karl Seitz fährt deshalb auf dem ersten Löschzug mit - vergeblich, die Schläuche der endlich ankommenden Fahrzeuge werden zerschnitten. Der Brand hat sich in der Zwischenzeit über alle Stockwerke ausgebreitet.

Polizei schießt in die Menge

Schließlich erteilt Polizeipräsident Johann Schober den Schießbefehl. Mit Gewehren und Revolvern feuern die Einsatzkräfte in die Menge beim Justizpalast. Insgesamt sterben an diesem Tag mindestens 89 Menschen, davon fünf Polizisten. Mehr als 800 Menschen werden verletzt. 700 Verhaftungen gibt es in der Folge, die zu rund 350 Verurteilungen führen - meist wegen Bagatelldelikten.

Oft wurde der Brand des Justizpalastes mit dem französischen Sturm auf die Bastille verglichen. Historiker sehen in den Ereignissen jedenfalls den Anfang vom Ende der Ersten Republik. Die Kluft zwischen den Lagern war nach der Revolte größer als je zuvor. Im Februar 1934 eskalierte sie schließlich im Bürgerkrieg.

(kron)

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26 Kommentare
 
12
Gast: Antikom
16.07.2012 23:30
1 1

evident

Die SP war immer schon eine Bürgerkriegspartei

Gast: DrNN
15.07.2012 22:22
1 2

Fazit: heute dürfen Richter

offensichtliche Fehlurteile von Geschworenen aufheben. Dieses Urteil ist bis heute der österr. Justiz sehr peinlich.

Gast: ROTFRONT
15.07.2012 18:31
4 5

Wir können uns alle denken wer der Richter damals war

Sicher einer in direkter Ahnenlinie zur Banditiot Orschl...

3 0

Re: Wir können uns alle denken wer der Richter damals war

Nein, den Freispruch machten die von den Sozialisten so gelobten Geschworenen , die Berufsrichter konnten am Schuldspruch nicht mitwirken und ihn auch nicht aufheben

Antworten Antworten Gast: dec2000
15.07.2012 22:15
0 1

Was ja

bis heute die StPO beeinflusst. Die Richter wussten sofort, dass das was schief gelaufen ist.

Gast: Otto Bauer
15.07.2012 18:07
3 0

Bald ist es wieder so weit!


Gast: Callisto
15.07.2012 17:35
3 1

Geschichtsrevision der peinlichen linken Art.

Lernens Geschichte zitiere ich dazu sogar den linken Kreisky.

Gast: BKA
15.07.2012 17:11
5 2

Kein Wort über die

Rolle der Arbeiter Zeitung und die Hetze des Dr.Austerlitz, den hohen Anteil der an Laternen aufgeknüpften Justizbeamten der 89 Toten, darüber, dass den sozialistischen Vertrauensleuten die Ereignisse aus den Händen geglittenwaren (auch durch die Beteiligung deutscher zugereister Kommunisten) und dass diese der erste, wie von den Sozialisten gefordert, Geschworenenprozess war! Also was ist das eigentlich für eine Zeitung? Für die übliche wehleidige Desinformation gibts doch eh genügend Medien in diesem Land!

Antworten Gast: Fuori
16.07.2012 15:45
0 1

Re: Kein Wort über die

Ich weiß zwar nicht woher sie ihre Informationen haben, aber auf jeden Fall sind diese zum Teil Falsch

1) Kein einziger Justizbeamter wurde auf einer Laterne aufgeknüpft!!! Meines Wissens wurde überhaupt kein Justizbeamter getötet.

2) Das Kommunisten aus dem Ausland Zugereiste wären ist nachweislich erfunden.

Überhaupt scheinen die meisten User in diesem Forum keine Ahnung von den Vorfällen zu haben. Ich empfehle deswegen die Arbeiten von Norbert Leser und Gerhard Botz zu diesem Thema. Bitte, bitte zuerst informieren und dann posten!!!

Re: Kein Wort über die

Die Laternen standen weit auseinander. Mehr ging sich damals leider nicht aus.

Gast: JPS
15.07.2012 17:08
4 2

Freispruch

Prozess wurde dieser Tage in Wien nchgestellt
Artikel im Kurier Printausgabe Absatz Wahrheitsfindung
Es wurde natürlich kein neues Urteil gefällt. Es würde auch vermutlich heute beim Freispruch bleiben. Augenscheinlich für die Beobachter war aber das heftige bemühen auch des damaligen Gerichtes nach Wahrheitsfindung. Die damaligen Geschworenen waren keine“gewissenlosen Gesellen“ wie von Scharfmachern behauptet wurde. Die Täter feuerten nicht aus Absicht, sondern schlichtweg in Panik.

Antworten Gast: Hikkori
15.07.2012 22:16
0 1

Die beiden Täter

haben sich sogar für schuldig erklärt. Wie man die freisprechen kann, muss man mal herausfinden.

Gast: Gerne nur Gast
15.07.2012 16:32
7 2

Dichtung und Wahrheit:


"Das Urteil wird von einem Großteil der Bevölkerung als Skandal empfunden."

1.) Diesen Satz des Presse-Redakteurs ("kron") empfinde ich als unseriös, ja skandalös.
Damals gab es keine Umfragen, nichts belegt die Stichhaltigkeit dieser Aussage.
Es gab nie eine linke Mehrheit in Österreich, von daher ist "Großteil der Bevölkerung" ziemlich unwahrscheinlich.

2.) "Uns passt ein Urteil nicht, da zünden wir das Gerichtsgebäude an" - so kann man die Haltung der Sozialdemokratie und die damaligen Ereignisse zusammenfassen. Wohnin so eine Haltung führen muss, ist klar: zu Gewalt, Chaos, Anarchie.

Re: Dichtung und Wahrheit:

Na ja, das Urteil ist ja in sich unlogisch und skandalös:
Ein 7-jähriges Kind und ein Invalide sind Opfer einer Notwehr. Also müssen sie die Gefahr dargestellt haben.

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
18.07.2012 17:18
1 0

Re: Re: Dichtung und Wahrheit:

sg greentwig!
losgelöst vom urteil:
der presseartikel ist tendenziös und von persönlichen wertungen des autors geprägt, wie poster gerne nur gast mmn richtig aufzeigt.
mfg
s.

Gast: HerrvonderInnerenStadt
15.07.2012 14:10
2 0

Die Vorgeschichte sollte gesamt erzählt werden!

Bitt die gesamte Vorgeschichte vom Sonntag, den 30. Jänner 1927 schreiben. Sie ist unter dieser Webseite nachlesbar.

http://www.burgenland.at/media/file/429_Schattendorf_1927.pdf

Herzlichen Dank!

Antworten Gast: Gerne nur Gast
15.07.2012 16:38
7 2

Re: Die Vorgeschichte sollte gesamt erzählt werden!


Ganz gute Info in ihrem PDF! Schön zu sehen, wie die Linken extrem gewaltbereit und übergriffig mehrfach in fremde Häuser eindrangen, mit Gewalt die Veranstaltungen der Gegner verhindert haben, bis schlussendlich die Notwehr (und genauso steht es im Urteil) zum Zug gekommen ist.

Antworten Antworten Gast: Puratory
15.07.2012 22:21
0 1

Ein 6-Jähriger wurde umgebracht

und Sie reden von Notwehr? Na Servas, wenn Sie und Ihresgleichen sich von Kleinkindern bedroht fühlen können ...

Antworten Antworten Gast: Peter Zunko
15.07.2012 22:19
0 0

???

Wer lesen kann, kann aus dem Link keine Notwehr erkennen. Aber hingegen, dass die Täter sich vor Gericht sogar schuldig bekannt haben ...

Re: ???

Die Täter haben zwar gestanden, die Schüsse abgegeben zu haben, aber nicht mit Absicht.

0 0

Re: Re: ???

Wie bitte kann ich mich unabsichtlich notwehren?

Antworten Gast: -Meine Meinung
15.07.2012 16:22
2 1

Re: Die Vorgeschichte sollte gesamt erzählt werden!

Dies ist laut Historikern auf Basis von Recherchen und Informationen von Zeitzeugen der Auslöser des erwähnten Konfliktes an genanntem Tag. Das Pdf ist interessant, wirft ein detailierteres Bild auf den Tagesbablauf.
Ich aber sehe (größere) punktuelle Ereignisse in der Geschichte im Zusammenhang mit dem ganzen geschichtlichen Kontext, vor allem der politischen und wirtschafftlichen Lage.

Die Frage, die sich mir abseits des Auslösers an jenem Tag stellt:
Was war die Ursache des Konfliktes zwischen den Parteien?

Eine Ursache liegt wahrscheinlich in der (paramilitärischen) Parteienbildung an sich, bzw. in der wirtschaftlichen und politischen Lage der Zeit.
Paramilitärisch erklärt sich, da es bei vielen ums wortwörtlich nackte Überleben nach dem Krieg und folgender Geldentwertung in dieser Zeit ging. Manche(r) musste sich und sein Heim schützen.
Auch eine Ursache sehe ich, dass einfache Menschen oft gegeneinander aufgehetzt werden bzw. sich gegeneinander aufhetzen lassen- dies von politischen Führern und auch Medien, auch anderen Personen.

Weiters, dass statt Problemstellungen von Politikern, Medien direkt in der Zeit ansprechen(im allgemeinen gemeint- nicht im Kleinen auf Schattendorf bezogen),gegensteuern,oft von diesen zum einseitigen Vorteil der Hochfinanz dahinter gegen das Volk agiert wird - dies ist bei Finanzkrisen oft so.

Eine Grundursache von politischen Unruhen ist oft, dass Politiker oft einseitig agieren und Probleme des Volkes zu spät erkennen.

Schöner wärs gewesen

"Im Jahre 2010 gingen in Brüssel die Flammen auf und Europa wurde befreit"

Was lernen wir daraus?

Wo es Rote gibt, sind die Probleme nicht weit. In einer Demokratie wird nach einem kriminellen Akt nicht randaliert.

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Re: Was lernen wir daraus?

Also ich bin sicher kein Verfechter der Sozialdemokratie, aber wenn ein Kind und ein Invalide umgebracht werden und das dann als Notwehr klassifiziert wird, dann kann da was nicht stimmen. Gelinde gesagt, denn ich will da nicht Jahrzehnte danach noch Öl ins Feuer schütten!

Außerdem, wenn man Heimito v. Doderer's "die Dämonen" liest, dann erfährt man z.B., daß da das österr. Grundbuch ebenfalls verbrannt ist. Eine sinnlose Tat von Bürgern, die an ihrem Staat nicht mehr glauben und verzweifelt sind. Und wenn man noch sieht, daß wir derzeit auf dem "guten Wege" sind, die Geschichte zu wiederholen, weil wir uns auf die EU eingelassen haben, dann kann einem das Grauen kommen!

Antworten Gast: Popla
15.07.2012 16:07
4 2

Naja, wenn geständige (!) Mörder

dennoch freigesprochen werden, kann man nicht mehr von einer Demokratie reden.

 
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