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NS-Verbrecher: Ungarns lahme Justiz

17.07.2012 | 18:31 |   (Die Presse)

Der Fall des mutmaßlichen Ghettokommandanten von Košice, László Csatáry, ist seit Langem bekannt. Sein hohes Alter sollte Csatáry aber nicht vor einem Strafprozess schützen.

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Derzeit hat es den Anschein, als dürfte einer der meistgesuchten Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs ungeschoren davonkommen. Der Grund: Die Mühlen der ungarischen Justiz mahlen zu langsam.

Dem heute in Budapest lebenden 97-jährigen László Csatáry wird vom Simon-Wiesenthal-Zentrum zur Last gelegt, tausende Juden in den Tod geschickt zu haben. Im September des Vorjahres hatte der Direktor des Jerusalemer Zentrums, Efraim Zuroff, gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher in Ungarn Anzeige erstattet. Zwar nahm die ungarische Generalstaatsanwaltschaft damals Ermittlungen auf, allerdings gegen „Unbekannt“ und nur äußerst schleppend.

Für Efraim Zuroff viel zu schleppend. Aus diesem Grund reiste Zuroff kürzlich nach Budapest, um eine Beschleunigung der Ermittlungen in der Causa Csatáry zu erwirken. So rief er die ungarische Justiz dazu auf, Csatáry so rasch wie möglich vor Gericht zu stellen. Weiterer Druck auf die ungarische Staatsanwaltschaft wurde jüngst auch durch die britische Boulevardzeitung „Sun“ ausgeübt. Am vergangenen Sonntag veröffentlichte das Blatt einen langen Bericht über Csatáry. „Sun“-Journalisten konnten den Mann sogar in seiner Budapester Wohnung ausfindig machen und fotografieren. Die Bilder gingen um die Welt.

 

„Könnte noch Jahre dauern“

Angesichts des wachsenden internationalen Drucks sah sich auch Ungarns Generalstaatsanwaltschaft genötigt, sich zu Wort zu melden. In einer Aussendung hieß es, dass die Ermittlungen in der Causa Csatáry mit Schwierigkeiten verbunden seien. Einerseits wurde darauf hingewiesen, dass Csatáry die ihm zur Last gelegten Verbrechen in der Stadt Košice in der heutigen Slowakei begangen habe, was die Arbeit der ungarischen Behörden massiv erschwere. Andererseits machte die Staatsanwaltschaft darauf aufmerksam, dass die Mehrzahl der jüdischen Opfer oder deren Angehörige nicht in Ungarn lebten. Der Rechtsprofessor der Universität Pécs, Mihály Tóth, sagte gegenüber der linksliberalen Zeitung „Népszabadság“, dass sich die Ermittlungen nicht zuletzt wegen dieser Gründe noch Jahre hinziehen könnten.

Sein hohes Alter sollte Csatáry nicht vor einem Strafprozess schützen. Im Gespräch mit der „Presse“ fordert Efraim Zuroff eine rasche Anklage: „Ein Prozess wäre gut für das Land, vor allem, um sein momentanes Image zu verbessern.“ László Csatáry war 1944 Kommandant des jüdischen Ghettos in der südslowakischen Stadt Košice, die damals zu Ungarn, einem Bündnispartner Hitler-Deutschlands, gehörte. In jenem Jahr wurden aus der Stadt über 15.000 Personen ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Laut ungarischen Historikern war Csatáry für seine Brutalität unter den Ghettobewohnern besonders berüchtigt. In Sachen Kaltblütigkeit soll er sogar den Deutschen zu weit gegangen sein.

Sein Name scheint seit Jahresbeginn auf der Liste der am meisten gesuchten NS-Kriegsverbrecher auf, die jährlich vom Simon-Wiesenthal-Zentrum herausgegeben wird.

 

Demonstration vor Wohnung

Nachdem der Bericht über Csatáry im Boulevardblatt „Sun“ am Sonntag erschienen war, suchten auch ungarische Aktivisten die Wohnung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers auf. An der Eingangstür zu Csatárys Wohnung brachten sie einen Zettel mit der Aufschrift „We never forget“ und mehrere Aufkleber mit durchgestrichenem Hakenkreuz an. Csatáry selbst soll mittlerweile seine Zweizimmerwohnung verlassen haben und untergetaucht sein.

Zur Person

Laszlo Csatáry soll 1944 als Polizeichef der Stadt Košice (heutige Slowakei, damals Ungarn) die Deportation von rund 15.700 Juden nach Auschwitz mitorganisiert haben. 1948 wurde er in der Tschechoslowakei in seiner Abwesenheit zum Tod verurteilt. Csatáry floh nach Kanada, erhielt 1955 die Staatsbürgerschaft, die ihm 1997 aberkannt wurde. Wenig später ließ er sich in Budapest nieder. [Sun]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)

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25 Kommentare
 
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Gast: schüsselfekter
18.07.2012 20:03
0 0

ungarns lahme justiz?

die haben wohl von der österreichischen abgeschaut. obwohl unsere justiz das viel besser kann, die ist nicht lahm, sondern in vielen politischen fällen sogar unbeweglich.

Gast: Gruftmaus
18.07.2012 12:39
0 1

was passiert

...eigentlich wenn der letzte "Kriegsteilnehmer" (komm. Diktion) verstorben ist?
Wenden wir uns dann endlich den Kriegsverbrechen der (nun stattfindenden) Gegenwart zu???

jaja

Österreich muss da gerade laut schreien - man denke nur an gewisse Herren in Kärnten und Wien, die so alt sind, dass man sie leider, leider nicht mehr vor Gericht stellen kann. Dafür laufen sie frei herum und sitzen jeden Tag im Cafehaus. Also - mal vor der eigenen Tür kehren.

Re: jaja

"Cafehaus"?
Selbst "Caféhaus" wäre Unfug, weil ein Café schon ein Kaffeehaus ist. Ein Caféhaus wäre also ein Kaffeehaushaus. Was für ein haarsträubender Unsinn!

Gast: Hans im Glück
18.07.2012 08:20
5 2

Nichts aus der Geschichte gelernt???

Greise verfolgen wird sicher die nächste Gewaltherrschaft verhindern...

Schulden, Verschuldung das sind die Ursachen. Man streitet über das Geld. Mit dem ESM wird sich alles noch mehr verschärfen.

Aber man verniedlicht den ESM als "Rettungsschirm" oder "europäische Sparmechanismus".

Vor uns ist Chaos und das nur weil unsere Politiker allem zustimmen was von der EU kommt und mit dem Totschlagargument ALTERNATIVLOS daherkommen.

Die Negativauslese hat ihren Job getan.

Re: Nichts aus der Geschichte gelernt???

Mord, lieber Hans, kennt keine Verjährung.

Antworten Antworten Gast: Hans im Glück
18.07.2012 11:13
0 1

Re: Re: Nichts aus der Geschichte gelernt???

Prioritäten setzen ist eine Kunst.

Das Recht gehört dem Herrn.
Also wird nichts verjähren, nur Reue kann helfen.

Gast: harras
18.07.2012 08:18
4 2

das ganze Getöse ist

nicht zu verstehen, der Mann ist 97, was soll er noch verstehen oder gar einsehen ? Einen Prozess veranstalten und dann lebenslänglich einsperren ? Da kommen einem böse Ideen.

Re: das ganze Getöse ist

Aber Mord, mein lieber, kennt keine Verjährung. Ist ihnen das nicht bekannt?

Re: Re: das ganze Getöse ist

"Mein Lieber" meinten Sie wohl.

Antworten Antworten Gast: nahabedieehre
18.07.2012 11:18
0 2

Re: Re: das ganze Getöse ist

und wenn man diesen verwirrten tattergreis ins häfn steckt ist der gerechtigkeit genüge getan?

das ist doch irgendwie absurd.

Gast: harras
18.07.2012 08:17
3 1

das ganze Getöse ist

nicht zu verstehen, der Mann ist 97, was soll er noch verstehen oder gar einsehen ? Einen Prozess veranstalten und dann lebenslänglich einsperren ? Da kommen einem böse Ideen.

Gast: Hans im Glück
18.07.2012 08:15
1 1

Es ist zu wenig nur darauf zu achten, dass nicht vergessen wird...

Es bringt nichts einen Greis zu bedrengen.

Anscheinend wurde nichts aus der Geschichte gelernt.

Alles hat mit dem Geld zu tun. Die Schulden, die Verschuldung hat in den NS-Morast geführt.

Wir sind am besten Weg dorthin. Mit dem ESM wird nur noch mehr unfrieden gestiftet. Der Streit über das Geld wird sich verstärken.

Was machen wir? Wir verniedlichen den ESM als "Rettungsschirm" oder als "europäischer Sparmechanismus".

Vor uns ist Chaos und das nur weil unsere Politiker alles als ALTERNATIVLOS ansehen. Die Negativselektion hat seine Arbeit getan.

Gast: Wasserlaeufer
18.07.2012 04:02
6 4

Die menschenverachtenden Menschenjaeger

sind wieder einmal auf der Pirsch.

Aber gegen "Untermenschen" kann
man sich wohl alles erlauben ;-)

Re: Die menschenverachtenden Menschenjaeger

Haben Sie inzwischen Ihre Medikamente genommen?

Re: Die menschenverachtenden Menschenjaeger

.... d.h. massenmord verjährt ?

7 10

Der Fall des Inserators von Wien, Werner Faymann, ist seit Langem bekannt. Die Ermittlungen gehen nur schleppend voran.

Was für uns wesentlich relevanter ist.

Antworten Gast: Hans im Glück
18.07.2012 08:23
3 1

Inserator find ich super...

Failman der Inserator ist eindeutig wichtiger als einen Greis zu verfolgen.

Wer von denen die Aufschreien würde im Kriegszustand einen Befehl verweigern?


Re: Der Fall des Inserators von Wien, Werner Faymann, ist seit Langem bekannt. Die Ermittlungen gehen nur schleppend voran.

das glaube ich gerne, dass ihr in der FPÖ zentrale andere interessen habt ;)

3 1

Re: Re: Der Fall des Inserators von Wien, Werner Faymann, ist seit Langem bekannt. Die Ermittlungen gehen nur schleppend voran.

Bei dem Czatary kann Österreich doch eh nichts tun. Das ist eine Sache der Ungarn.

Es ist schon gut, dass der jetzt gefunden wurde. Immerhin besser spät als nie.

Aber sonderlich klug war es wohl nicht, deswegen einen solchen Wirbel zu veranstalten, sodass der nun abgetaucht ist. Die finden den doch jetzt nicht mehr lebend. Der ist vielleicht schon in Südamerika oder sonstwo. Schade um die sicherlich jahrzehntelange Mühe, den aufzuspüren.

Wir haben aber in Österreich tatsächlich andere Probleme. Und um die kümmert sich hoffentlich nicht nur die FPÖ.

Re: Re: Der Fall des Inserators von Wien, Werner Faymann, ist seit Langem bekannt. Die Ermittlungen gehen nur schleppend voran.

Nein, er hat recht. Die erneute Tatbegehungsgefahr ist in einem Fall höher als im anderen Fall nach 68 Jahren.

Re: Re: Re: Der Fall des Inserators von Wien, Werner Faymann, ist seit Langem bekannt. Die Ermittlungen gehen nur schleppend voran.

Was für ein Posting! Schämen Sie sich! Wie kann man das vergleichen? Glauben Sie nicht,dass der Strafrahmen eher unterschiedlich ausfällt?

Antworten Antworten Antworten Gast: Leon Walras
18.07.2012 05:57
2 9

Re: Re: Re: Das ist wohl nicht das Problem ...

Dem alten Kotzbrocken soll noch einmal Gelegenheit geboten werden, über sein komplett verpfuschtes Leben nachzudenken und zu bereuen. Ich wünsche ihm (vor allem aber seinen Opfern und deren Angehörigen), dass er diese Chance begreift und nützt. Er muss sowieso mit sich ins Reine kommen, ehe er den Löffel endgültig abgibt ...

Re: Re: Re: Re: Das ist wohl nicht das Problem ...

Ich fürchte der ist mit sich im Reinen!

Re: Re: Re: Re: Re: Das ist wohl nicht das Problem ...

denk ich auch, er war jung und er brauchte das Geld

 
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