Am 18. Juli 1947 griffen britische Kriegsschiffe das jüdische Flüchtlingsschiff "Exodus" an. Drei Menschen wurden getötet, über 150 verletzt. Was war geschehen? Viele europäische Holocaust-Überlebende waren nach dem Zweiten Weltkrieg heimatlos. Sie sehnten sich danach, nach Palästina auszuwandern. Doch die Einwanderung in das britische Mandatsgebiet wurde von der Militäradministration abgelehnt, da sie die englische Vormachtstellung in Frage gestellt hätte. Trotzdem versuchten immer wieder Flüchtlinge, per Schiff nach Palästina zu gelangen.
Durch Zufall wurde der Mossad le Alija Bet - eine Organisation zur Förderung der illegalen Einwanderung nach Palästina - in dieser Zeit auf die "President Warfield" aufmerksam, ein ausrangiertes Kriegsschiff, das seit Monaten auf dem Schiffsfriedhof Baltimore vor Anker lag. Ursprünglich war es ein Vergnügungsdampfer gewesen, im Krieg wurde es aber zunächst von den Briten, dann von US-Streitkräften als Truppentransporter eingesetzt.
Vier Decks für über 4000 Menschen
Das Schiff schien der perfekte Ort zu sein, um "displaced persons" von Sete, einem kleinen Hafen bei Montpellier, nach Haifa zu bringen. Die Organisation kaufte die "President Warfield" und veranlasste den Umbau des 100 Meter langen und nur zweieinhalb Meter tiefen Schiffes, sodass auf vier Decks nicht mehr nur 400, sondern über 4000 Menschen Platz fanden. Die zusammengetrommelte Besatzung bestand aus amerikanischen Juden.
In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1947 brach die "President Warfield" schließlich mit 4515 Flüchtlingen, darunter zwischen 655 und 955 Kinder, auf. Auf freier See wurde das Schiff umbenannt: Mit Farbe wurde der Schriftzug "President Warfield" durch "Exodus" übermalt.
Doch dem britischen Empire war der Dampfer nicht entgangen. Der Geheimdienst verfolgte das Schiff, um es am 18. Juli 1947, 20 Meilen vor der palästinensischen Küste, anzugreifen. Vier Stunden dauerte der Beschuss durch die Briten, zwei Flüchtlinge und ein Crewmitglied kamen ums Leben. Der Angriff wurde vom Bordfunker an die Hagana-Zentrale gefunkt und von dort über Radio ins Mandatsgebiet live übertragen.
Dreiwöchiger Protest an Bord
Das Schiff wurde geentert und nach Haifa geschleppt. Die Passagiere wurden auf drei Gefängnisschiffe verteilt und zurück nach Frankreich geschickt. Obwohl die Situation an Bord menschenunwürdig war, weigerten sich die Juden drei Wochen lang, die Schiffe zu verlassen. Nur 75 erschöpfte Passagiere nahmen das Asylangebot der französischen Regierung an. Da sie in Frankreich nicht mit Gewalt von Bord gebracht werden durften, wurden die restlichen Flüchtlinge nach Hamburg verschifft. Dort wurden sie vor den Augen der internationalen Presse mit Gewalt von Deck gebracht und in mehrere Lager bei Lübeck gebracht.
In den folgenden Tagen wurde Kritik an dem Umgang mit den Flüchtlingen laut. Sogar der damalige US-Präsident Harry Truman schaltete sich ein, um die britische Regierung zum Umdenken zu bewegen. Am 6. Oktober zogen schließlich die Wachen von den Lagern ab und ließen die "Exodus"-Passagiere frei. Viele von ihnen versuchten erneut nach Palästina zu gelangen - diesmal mit Erfolg.
Auch aus weltpolitischer Sicht hatte die "Exodus"-Fahrt ein Nachspiel: Die Hartnäckigkeit der jüdischen Passagiere und der internationale Druck auf Großbritannien trugen dazu bei, die Gründung des Staates Israel voranzutreiben. "Die Welt hatte begriffen, dass es einen Ort geben muss, der Juden eine sichere Zuflucht bietet", sagte Noah Kliger, der vor 65 Jahren an Bord der "Exodus" war, gegenüber "Spiegel Online".
(Red.)
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