"Die größte Verantwortung für das Massaker in Srebrenica liegt beim (UNO-)Sicherheitsrat", sagte Yasushi Akashi, ehemaliger Jugoslawien-Gesandter des UNO-Generalsekretärs, in einem Interview mit der kroatischen Zeitung "Vecernji list" (Mittwoch-Ausgabe). Vor 17 Jahren, am 11. Juli 1995, hatten bosnisch-serbische Truppen die UNO-geschützte Muslim-Enklave Srebrenica eingenommen und rund 8000 Männer und Burschen in der Umgebung ermordet.
"Das Konzept der 'Schutzzonen' hat sich als Fehler gezeigt. Diese Gebiete waren nie sicher", so Akashi auf die Frage, ob er sich verantwortlich fühle. Laut Akashi wären viel mehr UNO-Truppen zur Sicherung der designierten Zonen notwendig gewesen. "In Srebrenica hatten wir vier- oder fünfhundert leicht bewaffnete niederländische Soldaten. Außerdem hatte die UNO vor Ort keine Informationen über den Angriff der Serben, angeführt von (Radovan) Karadzic und (Ratko) Mladic. Man kann sagen, es war ein verlorenes Spiel", so der japanische Diplomat.
Die Nato habe entschieden, die Angriffe auf die serbischen Truppen einzustellen, da die Geschosse zu nahe bei den niederländischen Soldaten gefallen seien. Darauf fiel Srebrenica. "Zu dieser Zeit konnte sich keiner, aber wirklich keiner ausmalen, was dort passieren könnte." Man habe nicht genügend Mittel gehabt, das Gebiet abzusichern.
"Wir waren ein Teil der Tragödie. Ich will nicht die Entscheidungen der UNO-Führer kritisieren, doch wir haben drei Berichte an den Sicherheitsrat geschickt, in denen wir auf Versäumnisse bei den Schutzzonen hingewiesen haben und verlangt haben, dass das geändert wird. Doch der Rat hat darauf nie geantwortet", so Akashi zu "Vecernji list". "Der Fehler ist kollektiv, genauso die Verantwortung."
(APA)
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