22.05.2013 17:51 Merkliste 0

Ungarn: Hausarrest für einen Kriegsverbrecher

18.07.2012 | 18:36 |  Von unserem Korrespondenten PETER BOGNAR (Die Presse)

Nach internationaler Kritik an der Justiz wurde der mutmaßliche Nazi-Scherge László Csatáry am Mittwoch überraschend festgenommen. Er habe nur seine Pflicht getan, beteuert er.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Budapest. Die Causa des mutmaßlichen Kriegsverbrechers László Csatáry hat am Mittwoch eine unerwartete Wende genommen: Der 97-Jährige wurde am Morgen von der Polizei in Budapest festgenommen und verhört. Die ungarische Justiz bringt gegen Csatáry den „begründeten Verdacht“ vor, während des Zweiten Weltkriegs nicht nur Menschen rechtswidrig gefoltert, sondern auch Kriegsverbrechen begangen zu haben. Im schlimmsten Fall droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Laut dem Simon-Wiesenthal-Zentrum hat Csatáry im Frühjahr 1944 als Polizeikommandant des jüdischen Ghettos in der südslowakischen Stadt Košice eine Schlüsselrolle bei der Deportation von mehr als 15.000 Juden nach Auschwitz gespielt.

Wie die Budapester Generalstaatsanwaltschaft mitteilte, soll Csatáry unter Hausarrest gestellt werden, von einer Untersuchungshaft wurde wegen seines hohen Alters abgesehen. Bei einer am Mittwoch einberufenen Pressekonferenz sagte der zuständige Staatsanwalt Tibor Ibolya, dass der „körperlich wie geistig rüstige“ Csatáry nach seiner Festnahme kooperativ gewesen sei. Der mutmaßliche Kriegsverbrecher habe seine Verhaftung erwartet, er hatte eine handschriftliche Erklärung abgefasst, in der er sich als unschuldig bezeichnete. Csatáry gab unter anderem zu Protokoll, dass er 1944 lediglich „Befehle befolgt“ und also „seine Pflicht“ erfüllt habe.

 

Unverhohlener Antisemitismus

Im Rahmen der Pressekonferenz sagte Staatsanwalt Ibolya auch, es sei schon nach dem ersten Verhör offensichtlich geworden, dass Csatáry gegenüber „bestimmten Mitmenschen“ eine intolerable Einstellung habe. Ungarische Medien interpretierten die Äußerung Ibolyas als Hinweis auf Csatárys ausgeprägten Antisemitismus.

Aus der Pressekonferenz ging auch hervor, dass Csatáry als Kommandant des jüdischen Internierungslagers in Košice die Inhaftierten regelmäßig und ohne jeglichen Grund geschlagen hätte, „ohne Rücksicht auf deren Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand“. Darüber hinaus habe er aktiv an der Deportation von Juden in diverse Konzentrationslager, auch nach Auschwitz, teilgenommen.

Angeblich sei er erbarmungslos mit den Menschen umgegangen. Ibolya nannte hierbei ein konkretes Beispiel: Vor der Abfahrt eines der Transportzüge nach Auschwitz habe ihn einer der deportierten Juden angefleht, ein Fenster in den mit rund 80 Personen vollgepferchten fensterlosen Güterwaggon schneiden zu lassen. Csatáry habe dies aber brüsk abgelehnt.

Tibor Ibolya ging bei der Pressekonferenz auch auf die in den vergangenen Tagen von vielen Seiten geäußerte Kritik ein, wonach die ungarische Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen in der Causa Csatáry nur schleppend vorankomme. Die Staatsanwaltschaft habe trotz der enormen Schwierigkeiten, die der Fall mit sich bringe, „schnelle und gründliche“ Arbeit geleistet. Er wies darauf hin, dass die ungarische Justiz Ereignisse aufgedeckt hätte, die vor 68 Jahren geschehen seien und mehrere Länder beträfen. Deshalb sei die Staatsanwaltschaft erst am 9.Juli zu der Feststellung gelangt, dass der begründete Verdacht von Kriegsverbrechen bestehe.

Ibolya betonte auch, dass die Ermittlungen sich noch einige Monate hinziehen könnten, die Befragung der Opfer, die in der ganzen Welt verstreut leben, ist noch nicht abgeschlossen.

 

Gefährdete Zuroff Ermittlungen?

Den Vorwürfen des Direktors des Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, dass die Justiz so langsam reagiere, hielt der Staatsanwalt entgegen: Zuroff habe der Staatsanwaltschaft empfohlen, vorsichtig vorzugehen, um eine Flucht Csatárys zu vermeiden. Gleichwohl sei er es dann gewesen, der sich mehrfach an die Medien gewandt und so den Erfolg der Ermittlungen gefährdet habe, sagte Ibolya.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

95 Kommentare
 
12 3
Gast: (x) FPÖ
19.07.2012 14:34
1 1

Wieviel Mitleid hatte dieser Typ mit seinen Opfern?

Kinder?
Frauen?
Alte?
Kranke?

Hat er sie verschont?

da braucht man fast 70 jahre,

um diesen herren festzunehmen, und jetzt, mit 97 jahren, droht im lebenslange haft! net bös sein, aber das ist lachhaft!

Antworten Gast: Holger Krama
19.07.2012 11:16
0 0

Fragt sich,

wieviele Polizisten gleicher Gesinnung jahrzehntelang die Augen zugedrückt haben. Wo der lebt, haben doch dutzende Dienststellen gewusst...

1 4

...

aehnliche verbrechen begeht oesterreich heute noch - ich mag das nicht!

Gast: (x) FPÖ
18.07.2012 22:51
8 6

Typisch Siegerjustiz! Kein Maß und kein Ziel, nur Rache.

Am Ulrichsberg haben wir schon oft über diese Fehlentwicklung einhellig diskutiert.

Antworten Gast: Nane76
24.07.2012 12:02
0 0

Re: Typisch Siegerjustiz! Kein Maß und kein Ziel, nur Rache.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie hier wirklich von Diskussion sprechen - wenn doch alle das Gleiche denken. Viel eher stelle ich mir einen lauten Vorredner vor, dem noch lauter nachgebrüllt wird. Und schon allein Ihre Wortwahl stellt sich und auch Sie in eine unbestreitbare Richtung. Wohl immer gestern, oder?

Gast: NS-Jäger
18.07.2012 22:39
4 10

Verbrechen gegen die Menschlichkeit


Die menschenverachtende Brutalität diese Mannes ist einfach erschreckend: Er erlaubte es nicht, in einen Eisenbahnwagon Löcher zu schneiden!

Dieses Übermaß an krimineller Energie gehört bestraft - auch nach 70 Jahren!

1 0

Re: Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Sorry aber für Sarkasmus ist hier kein Platz!!

Antworten Antworten Gast: NS-Jäger
20.07.2012 17:33
0 0

Sarkasmus?


Es ist erschreckend, die Darstellung eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit sehen Sie als Sarkasmus.

Ist Ihnen klar?
Nicht nur das Leugnen, auch die Verharmlosung von Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft fällt unter das Verbotsgesetz.

Oder ist 1945 diese Gesetz an Ihnen spurlos vorüber gegangen!

Antworten Antworten Antworten Gast: vierviertler
31.07.2012 10:50
0 0

Sarkasmus?

Ich frage mich schon , wie es möglich ist, daß Tschechien auch heute noch seine Schwerverbrecher (Räuber, Mörder und Folterer) aus der Nachkriegszeit per Gesetz vor der Justiz schützen kann, obwohl diese in Brutalität und Grausamkeit gegenüber abertausenden Unschuldigen den Grauslichkeiten der Naziverbrecher um nichts nachstanden! Auch die Ehrungen des Herrn Benes, der schon 1919 vom Völkermord an den Sudetendeutschen träumte, wie er selbst in öffentlichen Ansprachen zugab, ist in einem zivilisierten Europa ein Skandal!

gut so

verbrechen dieser art müssen bis ins unendliche verfolgt werden. warum gilt das nicht für das wr heimpersonal am wilhelminenberg? richtige partei gewählt wahrscheinlich

Sinn des Strafrechts ist nicht nur Prävention (im Sinne von Schutz der Gesellschaft),

sondern auch (oh, Schreck!) die tatsächliche Bestrafung einzelner. Natürlich wird dieser Herr jetzt niemanden wer wehtun können, aber er gehört für seine in der Vergangenheit begangenen Verbrechen bestraft. Dieser Aspekt ist völlig unabhängig vom ersten. Und es wurde nun einmal festgelegt (meiner Meinung nach zu Recht), dass bestimmte Verbrechen (in Ö z.B. alle Taten, die mit einem Strafrahmen von mehr als 10 Jahren bedroht sind, also auch Völkermord, kenne die Lage in Ungarn nicht) niemals verjähren.

Komisch das das so viele offenbar nicht wissen oder (mein Verdacht) einfach in diesem Fall nicht wahrhaben wollen, weil es ihnen politisch nicht ins Konzept passt.

Antworten Gast: Gast für heute
18.07.2012 22:46
2 1

Re: Sinn des Strafrechts ist nicht nur Prävention (im Sinne von Schutz der Gesellschaft),

Und er will dass auch: warum wäre er so alt geworten ....

Er habe nur seine Pflicht getan!

Tja, diesen Satz werden wir von Faymann & Co und dessen Mitläufern auch in einigen Jahrzehnte hören, wenn sie wegen den ESM Vertrag zur Rechtfertigung gezogen werden.

ich lese in der Überschrift: MUTMASSLICHER NAZISCHERGE

wir bitten um rasche Klärung, auch um Prüfung seines geistigen Zustandes, wie bei Breywik oder wie der wahnbesessene schiesswütige rassistische Mörder heisst.

Gefahr erkannt, ...

... Gefahr gebannt.

4 12

empfehle allen verwirrten Postern

das Buch "Die Last des Schweigens" von Dan Bar-On.

Gast: cobrax
18.07.2012 19:51
18 2

rechtswidrig gefoltert

wenn man Menschen rechtswidrig foltern kann, kann man sie dann auch rechtmäßig foltern?

George Orwell würde sich freuen ..

Antworten Gast: dhr dhr
19.07.2012 11:18
0 0

Wie kann ein rechstkräftig Verurteilter

ein mutmasslicher Täter sein?

9 1

Re: rechtswidrig gefoltert

na klar, die USA dürfen das.

4 1

Re: rechtswidrig gefoltert

George Orwell war eigentlich ein Optimist was die Entwicklung in der damaligen Zunkunft anlangt.

Antworten Gast: Ein Vertriebener
18.07.2012 20:44
13 2

Ja, es gab auch rechtmäßige Folter

Dazu brauchte es nicht viel: man braucht nur Gründungsmitglied der Vereinten Nationen zu sein. Wie etwa Jugoslawien: Kriegsverbrechen der Partisanen sowie die Entrechtungen, Enteignungen, Plünderungen, Folterungen, Verstümmelungen, Schädungen, Völkermorde und Vertreibungen seiner deutschstämmigen Staatsbürger wurden weder geahndet noch von anderen Vereinten Nationen verurteilte, sondern von anderen Vereinten Nationen gefördert, indem etwa slowenische und kroatische Flüchtlinge ausgeliefert oder deutschstämmige Flüchtlinge am Grenzübertritt gehindert wurden.

Folter seitens der Siegermächte war schon immer rechtmäßig. Die Vereinten Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg ragen hier wahrlich hervor!

Antworten Antworten Gast: DrNN
19.07.2012 11:21
0 0

Dass andere gefoltert haben

macht die Taten des C. nicht besser. Und entschudligt sie auch in keinster Weise.

Das wird er sich in Zukunft gut überlegen, ob er sowas wieder macht.


97 jahre - hauptsache diese leute kriegt man

was fuer eine genugtuung fuer die linken

ein eigener genosse ist natuerlich schon mit 60 vollzugsunfaehig, aber die ur-opas von damals, das sind die ganz boesen

habe noch beide grossvaeter, die beide an der front kampften, und damals galt die devise: du bist mit uns oder gegen uns. wenn du gegen uns bist, gibt es eine 9mm loesung, hier sofort auf der stelle.

da ist einem der spatz in der hand naeher als die taube auf dem dach. sowas kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
will nicht verteidigen, was manche leute damals aufgefuehrt haben, aber jetzt versuchen gerechtigkeit zu ueben an einem 97-jaehrigen - das ist einfach nur mehr absurd.

Antworten Gast: erestor
18.07.2012 21:31
2 8

Re: 97 jahre - hauptsache diese leute kriegt man

Sie haben doch mehr Zeichen gehabt,warum haben Sie denn nicht alle genutzt um noch mehr Schwachsinn zu verfassen ?

 
12 3