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Der Papa hat's schon gerichtet . . .

20.07.2012 | 18:20 |   (Die Presse)

Felix Hurdes; Ein Mann der „ersten Stunde“ und Mitbegründer der Volkspartei 1945, im Zwiespalt zwischen öffentlichen Ämtern und einer privaten Rechtsanwaltskanzlei.

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Neues aus dem Korruptionssumpf der ÖVP!“ Schon wieder so eine Schlagzeile dieser Tage? Weit gefehlt. Sie stammt aus dem Jahr 1955, veröffentlicht von der kommunistischen Tageszeitung „Der Abend“ und betraf den amtierenden Nationalratspräsidenten Felix Hurdes. Der vormalige Unterrichtsminister und Mitbegründer der Volkspartei nach 1945 war Advokat und betrieb seine Wiener Rechtsanwaltskanzlei auch in seiner aktiven Zeit als Spitzenpolitiker. Eine Übung, die aus gutem Grund heute untersagt ist.

Hurdes war ohne Notwendigkeit in die missliche Lage geraten, die in einem Auslieferungsbegehren der Disziplinarkammer mündete: Er hatte die Verteidigung eines Geschäftsmannes übernommen, der über mehrere Querverbindungen für die Finanzierung der Wiener ÖVP sorgte. Obmann war Fritz Polcar, der 1958 von Parteichef Julius Raab aus allen Ämtern entfernt wurde.

Den Wirbel hätte Hurdes nicht nötig gehabt. Der Mann besaß nämlich durchaus seine Meriten. Der 1901 im tirolerischen Bruneck Geborene war seit 1925 Doktor der Rechte und führte ab 1935 eine eigene Kanzlei in Klagenfurt. Im politischen Katholizismus engagiert, wurde er in den Dreißigerjahren zunächst Gemeinderat in Klagenfurt, dann während des christlich-sozialen „Ständestaats“ Landesrat für die Schulen.

Wie fast alle Prominenten der Dollfuß/Schuschnigg-Ära verhafteten die Nationalsozialisten auch Hurdes; nach fünf Monaten im KZ Dachau freigelassen, verdingte er sich als Hilfsarbeiter, ohne aber sein Ziel, die Gründung einer ganz neuen Gruppierung unter dem Namen „Volkspartei“, aus den Augen zu verlieren. Es folgte eine KZ-Haft in Mauthausen. Dem todbringenden Prozess im Wiener Landesgericht entkam er 1945 im letzten Moment – die russischen Befreier waren schneller.

 

Vier Jobs gleichzeitig

Gleich nach Gründung der Volkspartei im Wiener Schottenstift wurde Hurdes als vielversprechendster Anwärter Generalsekretär und damit bis 1951 quasi der mächtigste Mann im Parteiapparat. Nicht nur das: Für heutige Zeitläufe undenkbar, übte er auch noch das Amt eines Unterrichtsministers aus. Nationalratsabgeordneter war er sowieso. Und dazu noch die Anwaltskanzlei!

Eine Aktion des Unterrichtsministers Hurdes, die für Spott im Ausland und für wilde Attacken im Inland sorgte, dürfte in Wahrheit schon vom Vorgänger, dem Kommunisten Ernst Fischer, in die Wege geleitet worden sein: Das „Hurdestanisch“. Was es damit auf sich hat?

Im Sommer 1946, am Ende des Schuljahres, mussten die Schulleiter Millionen von Schulzeugnissen in Handarbeit überstempeln: Statt „Deutsch“ sollte das Unterrichtsfach nun „Unterrichtssprache“ heißen. Hurdes wollte alles vermeiden, was einem etwaigen Sonder-Friedensvertrag mit Österreich im Wege stehen konnte. Und so sollte jedweder Anklang an „Deutsch“ tunlichst vermieden werden. Eine Taktik, der sich auch Bundeskanzler Leopold Figl und sein Vizekanzler Adolf Schärf nicht widersetzten. Immerhin baute darauf die Gründungslegende der 2. Republik auf: Das wehrlose Österreich, 1938 vergewaltigt von Adolf Hitler . . .

 

Das „Österreichische Wörterbuch“

Trotz heftigster Angriffe der „nationalen“ Kreise setzte Hurdes diese Taktik weiter fort, im Bemühen um eine eigenständige kulturelle und sprachliche Identität Österreichs. Schon 1951 erschien erstmals ein „Österreichisches Wörterbuch“, um die regionalen Unterschiede der deutschen Sprache aufzuzeigen. Er hatte das heikle Kapitel des österreichischen Konkordats mit dem Heiligen Stuhl zu bearbeiten, sodass die Sache trotz Bedenken von Sozialisten und wütenden Widerstands der Kommunisten zugunsten Roms endete. Denn Hurdes bangte um den katholischen Kern des Landes – auch seiner eigenen Partei.

Immerhin schaffte es der Minister, in diesen chaotischen Zeiten für Lehrpersonal zu sorgen – dazu dienten auch „Schulgehilfen“. Einer davon hieß Helmut Zilk. Hurdes schuf einen Schichtbetrieb, baute die zerstörten Schulen wieder auf, erstellte neue Lehrpläne und führte das Schulgebet wieder ein.

Er war ein Einzelkämpfer, der über kein Netzwerk in der Partei verfügte. Dem hätte auch seine herrische Art der Machtausübung widersprochen. So wurde er letztlich 1953 ins Nationalratspräsidium abgeschoben; immerhin hatte die Partei 1951 unter seinem Generalkommando die sicher scheinende Bundespräsidentenwahl verloren.

 

Gespött im Kabarett

Auch als Präsident übte Hurdes seine Advokatur aus. Und geriet neuerlich ins Dilemma der Unvereinbarkeit: Das Gerücht, das in Wien in Umlauf war, besagte, dass er seinen Sohn nach einem Verkehrsunfall aus dessen misslicher Lage befreit und die Sache applanieren ließ.

Die Kabarettisten Qualtinger und Bronner schufen daraufhin 1958 ein Lied, das zu jeder Zeit ins Schwarze traf – und trifft:

Der Papa wird's scho richtn

Der Papa wird's scho richtn

Er weiß so viele G'schichten

Vom Onkel und den Nichten

Die andre Leute störn!

Vom kleinsten Referenten

Hinauf zum Präsidenten

Wer wichtig is, der kennt ihn

Mein oiden Herrn!

Man dient ihm gern

Und applaniert die leidigsten Affairn

Ganz intern!“

Diese jüngste „Affair“ überlebte Hurdes politisch nicht lange. Von allen Seiten traten seine Gegner nun offen auf. Die „Wochenpresse“ schilderte eine Begebenheit, die nur allzu gern geglaubt wurde: Ein Parlamentsbediensteter, der die Limousinen des Präsidiums zu pflegen hatte, soll vom Präsidenten strafweise in den Kohlenkeller versetzt worden sein . . .

 

Der Undank der Partei

Mit Tricks dieses Niveaus wurde Hurdes mürbe gemacht, der sich an sein Amt klammerte, weil er argumentierte, seine Advokatur werfe zu wenig ab und es sei wohl Ehrenpflicht der Partei, ihren Mitbegründer ordentlich zu versorgen. Die Parteispitze rührte das wenig. Weil man sich nicht auf einen Nachfolger als Präsidenten einigen konnte, wurde der aus der Regierung ausscheidende Außenminister und Ex-Bundeskanzler Leopold Figl aus dem Talon gezogen – Hurdes war out. In seiner Abschiedsrede im NR-Präsidium sprach er vom „Undank der Partei“. Das konnte man ihm nicht verdenken.

Er starb nach langer schwerer Krankheit am 12. Oktober 1974 in Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)

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5 Kommentare

das sind doch alles nur vorverurteilungen der links-linksen medienübermacht...


...in den büchern sind keine zahlungen zu finden, wir haben nix von nie gewußt und es gilt die unschuldsvermutung, es war alles supersauber, auch wenn die optik schlecht ist, wir sind immer noch ein rechtsstaat, und die anderen, und bei den anderen , die sind ja noch auch viel schlimmer , und...

ah so, das ist ja von vor 50 jahren. na gut...

ÖWB

1951 erschien erstmals nicht EIN, sondern DAS „Österreichisches Wörterbuch“, das inzwischen 60 Jahre alt geworden ist und seine 42. Auflage erlebt hat. Nicht "um die regionalen Unterschiede der deutschen Sprache aufzuzeigen", sondern den korrekten in Österreich üblichen ("hochdeutschen", also standardsprachlichen) Sprachgebrauch für unser Land zu dokumentieren – also eine Art DUDEN für Österreich.
Schon zur Zeit der Monarchie hatte es in Österreich amtliche Wörterbücher gegeben, die offiziell gebräuchliche „Austriazismen“ berücksichtigten, z.B. die „Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis – zum Gebrauche für Lehrer und Schüler“ herausgegeben vom k.k. Ministerium für Cultus und Unterricht, letzte Auflage 1915. In der Ersten Republik hatte dieses Schulbuch den gleichen Namen (mir liegt eine Ausgabe von 1927 vor [192 S.]).

Gast: Dr. Eisendraht
21.07.2012 22:45
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Germanophobie

Ich hatte in der Volksschule nicht das Unterrichtsfach Deutsch sindern nur eines, das Unterrichtssprache hieß. Das war diesem hasserfüllten Trottel zu verdanken

Re: Germanophobie

Die offizielle Bezeichnung „Unterrichtssprache“ für das Schulfach „Deutsch“ geht (wahrscheinlich) auf einen Erlass Ernst Fischers (KPÖ) in seiner Zeit als Unterrichts-Staatssekretär (1945/46) zurück und wurde dann von seinem ÖVP-Nachfolger Felix Hurdes weiter- bzw. durchgeführt. Umstritten ist allerdings, ob dies auf Drängen der Alliierten geschah oder ob dies eigenständig von einem der beiden Politiker veranlasst wurde. – In meinen Schulzeugnissen heißt es bis zum Schuljahr 1953/54 „Unterrichtssprache“, von 1954/55 bis 1955/56 „Deutsche Unterrichtssprache“ und bis zur Matura dann nur mehr „Deutsch“. Umgangssprachlich sagten wir aber immer „Deutsch“ (und so schrieben wir auch in den von uns angelegten Stundenplänen, wie ich mit erinnern kann) – und die Schularbeit hieß immer „Deutsch-Schularbeit“, nie „Unterrichtssprachschularbeit“ o.ä.


Gast: Dagmar S.
21.07.2012 10:06
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Alte Zeiten

Als aufrechter Katholik und Gegner des Naziregimes war F. Hurdes in den Kriegsjahren, sowohl im KZ, als auch zuletzt im Landesgericht interniert. ( Mein Vater saß mit ihm in der gleichen Zelle.) Das prägt einen Menschen für das ganze Leben. So muss man seine, aus heutiger Sicht vielleicht übertriebenen Anordungen verstehen.