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Das schnöde Ende einer Ringstraßen-Ära

17.08.2012 | 18:26 |   (Die Presse)

Der Geldpalast der früheren Creditanstalt wird von der Bank Austria demnächst als Hauptsitz abgestoßen. Wo früher reiche Bankiers ihr Ego pflegten, regiert heute der Rechenstift der Manager und Controller.

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Es sind zwei prächtige Ringstraßenpaläste am Wiener Schottentor. Wie mächtige Rivalen aus einer anderen Zeit stehen sie einander gegenüber: Das ist kein Zufall. In beiden Häusern ging und geht es um Geld. Um viel Geld. Da ist zunächst das Palais Ephrussi, benannt nach der reichsten Wiener Bankiersfamilie des 19.Jahrhunderts. Das Palais wurde vom Baumeister des Parlaments und der Börse, Theophil Hansen, für den aus Odessa stammenden Ignaz von Ephrussi in den Jahren 1872/73 gebaut. Hatte Hansen den Epsteins ihren Palast an der „Bellaria“ gebaut, also am prominentesten Bauplatz der neuen Ringstraße, so musste es für Ephrussi der zweitschönste Bauplatz sein. Und er ließ es an nichts fehlen, wie noch heute das prächtige Vestibül, die Prunkstiege und die herrschaftlichen einstigen Wohnräume bezeugen. Hier wohnte der Wiener Zweig der Ephrussis, zuletzt Viktor und seine Ehefrau Emmy. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde alles „arisiert“, die Familie enteignet. Sie verlor alles. Über die Geschichte dieses Palais folgt demnächst mehr im Rahmen dieser Serie.

 

2013 wird übersiedelt

Gegenüber, am Beginn der Schottengasse, das mindestens ebenso wuchtige Haupthaus der einstigen Creditanstalt, die mit der Bank Austria fusioniert wurde. Übrigens gegen heftige politische Proteste (siehe Kasten).

Dieses Hauptgebäude der Bank Austria wird nun anderweitig verwertet. 2013 ziehen die Bankbeamten in andere, weniger prominent gelegene Büros. Ein nicht unerhebliches Kapitel in der Geschichte der Wiener Ringstraße wird damit geschlossen. Das repräsentative, festungsartige Haus entstand zwischen 1910 und 1912 und war für den „Wiener Bank-Verein“ errichtet. Der Bau, den Ernst von Gotthilf-Miskolczy und Alexander Neumann planten, kostete 11,6 Millionen Kronen. Die Hauptfront öffnete sich ursprünglich am Ring.

Als aber 1923 im „Roten Wien“ für die Hausherren eine „Stiegensteuer“ eingeführt wurde, kam es flugs zur Kehrtwende: Der Direktionseingang am Schottenring wurde rückgebaut. Die Direktionsstiege, die direkt zum „Oktogon“, dem prachtvollen Generalversammlungssaal, führte, ließ man abreißen. Seit damals betritt man das noble Gebäude durch den ehemaligen Seiteneingang an der Schottengasse.

 

Die Nummer eins in der Monarchie

„Die k. k. privilegierte österreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe wurde 1855 gegründet“, berichtete Christine Domforth in der „Presse“ vor zehn Jahren. Das enorme Aktienkapital von 60 Millionen Gulden sicherte der Bank vom Start weg eine dominierende Stellung. Hinter der Gründung standen neben dem Bankhaus Rothschild die Adelsfamilien Schwarzenberg, Fürstenberg, Auersperg und Chotek. Seinen Sitz hatte das neue Institut zunächst an der Freyung, später dann in der Renngasse 3.

Die Bank, die den katastrophalen Börsenkrach 1873 relativ gut überstand, engagierte sich im Auf- und Ausbau der Industrie und des Verkehrswesens der Donaumonarchie. Früh schon begann man, in die österreichischen Kronländer zu expandieren. Davon zeugen noch heute die Bronzeportale an der einstigen CA-Zentrale, an denen die Namen all jener Orte angeführt werden, in denen sich vormals Filialen befanden.

 

Scharfe Zäsur 1918

Der Zerfall der Donaumonarchie 1918 war für die CA ebenso wie für die anderen großen Finanzinstitutionen des Landes, die in den Kronländern engagiert waren und riesige Industriekomplexe beherrschten, eine scharfe Zäsur. Ausländische Investoren kauften sich jetzt massiv bei den Banken des klein und mittellos gewordenen Österreichs ein.

Nach der Hyperinflation und Währungsreform erschütterte eine ganze Reihe von Bankskandalen und -zusammenbrüchen das Land. Im Oktober 1929 war dann plötzlich die bis dahin so renommierte „Boden-Credit-Anstalt“ zahlungsunfähig. Die Regierung sah für das Problem nur eine einzige Lösung: Die Credit-Anstalt, damals von Baron Louis v. Rothschild geführt, musste das marode Institut übernehmen. Rothschild, der von einer Jagd geholt wurde, sei bei der Rettungsaktion von Bundeskanzler Schober unter Druck gesetzt worden, erzählte er wütend: Man habe ihm nicht eine Pistole, „sondern ein Maschinengewehr auf die Brust gesetzt“, sagte er.

 

Rothschild vergewaltigt

Rothschilds CA schluckte also wider Willen die „Boden-Credit-Anstalt“. Sie hatte damit nicht nur etwa zwei Drittel der Bilanzsumme und der Kredite aller österreichischen Banken in ihren Büchern, sondern beherrschte die Hälfte bis zwei Drittel der österreichischen Industrie. Im Mai 1931 geriet dann auch dieser Bankenmoloch an den Rand des Abgrunds. Er musste von Bund und Nationalbank aufgefangen werden, für die Einlagen übernahm die Regierung die Haftung. Insgesamt stellte der Staat der Credit-Anstalt damals etwa 883 Millionen Schilling zur Verfügung, um ihr Überleben zu sichern, die CA-Aktienmehrheit wurde vom Staat übernommen. Kommt uns nach dem Hypo-Alpe-Adria-Debakel und der Kommunalkredit alles sehr vertraut vor.

 

Neuerliche Zukäufe

1934 dann eine neuerliche Bankenrettungsaktion: „Wiener Bankverein“ und „Niederösterreichische Escomptegesellschaft“ waren in eine schwere Krise geraten. Sie wurden schließlich von der CA geschluckt.

Im Dritten Reich wurde die Creditanstalt-Bankverein, wie sie seit 1934 hieß, mehrheitlich von der „Deutschen Bank“ übernommen. Nach dem Krieg kam sie – wie die „Länderbank“ – durch das Verstaatlichungsgesetz vom Juli 1946 samt ihrem Industriekonzern wieder in staatlichen Besitz.

In den Jahren des Wiederaufbaus war die CA, die mehrheitlich dem Staat gehörte und in der politischen Farbenlehre als „tiefschwarz“ galt, wieder die führende Bank des Landes. Geführt wurde sie vom großbürgerlichen Heinrich Treichl.

Wie die „rote“ Länderbank besaß auch die CA ein riesiges Industrieimperium, in dem sie nicht immer glücklich agierte. Obendrein mischte stets die Politik mit. So wurde etwa der Export von Steyr-Panzern nach Chile von Kanzler Kreisky gestoppt – nach einer Intervention des SP-Ministers Erwin Lanc. Und der ÖGB wieder verhinderte Personalabbaupläne bei den Konzernbetrieben. Schließlich mussten die Steuerzahler Milliarden von Schilling aufbringen, um die massiven Flops beider Banken aufzufangen.

 

Androsch ante portas!

Ein politisches Intermezzo erlebte die CA in den Jahren 1981 bis 1988. Der von Kreisky als zu mächtig und ungeduldig empfundene Nachfolger Hannes Androsch flog aus der Regierung und musste auf Betreiben von Hertha Firnberg und ÖGB-Chef Benya „versorgt“ werden. So wurde der bisherige sozialdemokratische Finanzminister und Vizekanzler CA-Chef. Ein Schock für die „Bürgerlichen“, vor allem für Treichl. Aber Androsch bewies Geschick, wie ihm auch „schwarze“ Mitarbeiter bestätigten. Lang warb man mit dem Slogan „Nummer eins sein verpflichtet“. Der ging verloren, als 1991 aus der (roten) „Zentralsparkasse der Gemeinde Wien“ und der (roten) „Länderbank“ die (rote) „Bank Austria“ als neue Nummer eins der österreichischen Kreditwirtschaft entstand.

 

Die neue BA/CA

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs sah die CA, die mittlerweile mit Guido Schmidt-Chiari wieder einen „bürgerlichen“ Generaldirektor (mit aristokratischem Auftreten) hatte, ihre Chance in Mittel- und Osteuropa. Sie engagierte sich kräftig „vor der Haustür“. Die starke Präsenz, welche die BA noch heute in dieser Region hat, geht zu einem erheblichen Teil auf die CA-Aktivitäten zurück.

Am 12. Jänner 1997 (siehe unten) war das Schicksal der Creditanstalt bereits so gut wie besiegelt. Es war am Ende der Regierungsära Vranitzky. Die BA hielt sich zwar an das Fusionsverbot für fünf Jahre und fuhr eine Zweimarkenstrategie, im Juni 2001 wurde aber das endgültige Aus für die CA verkündet. Am 12. August 2002, vor zehn Jahren, startete die neue BA/CA . . .

Wie die Volkspartei beim Bankendeal ausgetrickst wurde

Selbstfaller. Im Frühjahr 1991 beschloss das Parlament ein Gesetz, durch das der Finanzminister zum Verkauf der bisherigen CA-Mehrheit des Bundes ermächtigt wurde. Im April 1993 trat Raiffeisen auf den Plan. Die CA reagierte entsetzt, Finanzminister Lacina (S) brach die Verhandlungen ab.

Nicht um die Burg. Auch zwei ausländische Interessenten bekamen Absagen von den selbstbewussten CA-lern: Credit Suisse und Allianz-Versicherung.

Das Privat-Konsortium. Im Frühjahr 1994 fand sich ein österreichisches Konsortium zusammen: Namhafte Industriefirmen (Miba, Rauch usw.), dazu Erste Bank und EA-Generali-Versicherung wollten die Creditanstalt kaufen. Dieser Gruppe stand die Bank-Führung schon freundlicher gegenüber.

Neuer Anlauf. 1995 rollte Kurzzeit-Finanzminister Andreas Staribacher den CA-Verkauf neu auf. Es wurden Inserate in der „Financial Times“ geschaltet. Bald darauf platzte die Koalition, erst die neu formierte Regierung Vranitzky, in der Viktor Klima das Finanzressort übernahm, ging das Projekt wieder an.

VP-Versäumnis. Im Sommer 1996 gab es erste Gerüchte, dass die Bank Austria hinterrücks eine CA-Übernahme plane. Die ÖVP reagierte kopflos: Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Noch im November 1996 bezeichnete BA-Chef Gerhard Randa alle Gerüchte, er wolle die CA übernehmen, als „Faschingsscherz“.

Ausgedribbelt. Anfang Dezember 1996 dann die Bombe: Die BA – von den CA-lern geringschätzig als „große rote Stadtsparkasse“ verhöhnt, gab offiziell ihr Angebot bekannt. Sie brachte damit die rot-schwarze Koalition unter Kanzler Vranitzky fast zum Platzen. Die ÖVP unter Wolfgang Schüssel fühlte sich düpiert, doch der Vizekanzler konnte den Deal letztlich nicht verhindern. Die wütende CA-Belegschaft demonstrierte gemeinsam mit ihrem bisherigen Chef Schmidt-Chiari gegen die BA-Pläne.

Endspurt. Zwar lagen dem Finanzminister Ende Dezember 1996 drei Angebote für die CA-Mehrheit vor: Sowohl das Österreich-Konsortium als auch die Wlaschek-Stiftung boten aber deutlich weniger als die Bank Austria.

Finale. Am 12. Jänner 1997 frühmorgens verkündeten Kanzler Vranitzky und Vizekanzler Schüssel im Bundeskanzleramt den Verkauf der bis dahin in Bundesbesitz befindlichen CA-Mehrheit an die Bank Austria. Die ÖVP konnte nur noch ein Koalitionsabkommen durchdrücken. Das darin enthaltene Fusionsverbot sicherte der Creditanstalt-Bankverein zumindest für fünf Jahre die Eigenständigkeit.

Misstrauen. Das Vertrauensverhältnis der ÖVP zum Regierungspartner war aber ebenso nachhaltig zerstört wie in den Augen vieler bürgerlicher Wähler die Wirtschaftskompetenz des allzu selbstbewussten Schüssel und seiner ÖVP. So hatte man sich die Privatisierung nicht vorgestellt.

Sieger auf allen Linien. In der SPÖ hingegen herrschte eitel Wonne. Finanzminister Viktor Klima konnte für das Budget nicht nur mehr als 17 Milliarden Schilling einstreifen, der erfolgreich ausgehandelte CA-Deal brachte ihm nur Wochen später auch die Kanzlerwürde, als sich Vranitzky überraschend in den Ruhestand zurückzog.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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1 Kommentare
Gast: gast 112
17.08.2012 22:34
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Übersiedlung 2013

So weit ich weis wird erst 2015 2016 übersiedelt....