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"Ark Royal": Vom Flugzeugträger zur Konservendose

11.09.2012 | 18:10 |  Von Wolfgang Greber (Die Presse)

Der legendäre britische Träger „Ark Royal" wird in der Türkei verschrottet - ein Symbol für den Niedergang der Royal Navy, das viele Briten empört.

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Von hier aus stiegen „Harrier"-Jets auf, um marodierende serbische Truppen in den Balkankriegen der 1990er-Jahre zu bombardieren; von hier aus knatterten während der alliierten Irak-Invasion 2003 Hubschrauber in den Südirak, und als im Frühjahr 2010 ein isländischer Vulkan Asche Richtung Europa spie und dort den Flugverkehr lahmlegte, brachte das Schiff Tausende auf dem Kontinent gestrandete Briten über den Kanal zurück nach England.
Doch nun endet alles auf einem Schrottplatz in der Türkei: Dort wird der Flugzeugträger „Ark Royal", einst Flaggschiff und Stolz der Royal Navy, nämlich im nächsten Jahr verschrottet werden - und zu Konservendosen, Stahlträgern oder Büromöbeln verarbeitet.

Die Entscheidung des Verteidigungsministeriums (MoD), die am Dienstag bekannt wurde, war seit langem mit Spannung erwartet worden. Die im November 1985 in Dienst gestellte „königliche Arche", die einen Mix aus Harriers und Hubschraubern trug, war nämlich im Frühjahr 2011 vom Dienst ausgeschieden worden - fünf Jahre früher als geplant, aber Britanniens Militär muss enorm sparen, was es seit 2010 vor allem bei der Navy tut. Das MoD gab zudem an, dass der Träger nach mehr als 25 Einsatzjahren und Fahrten auf allen Meeren in so üblem Zustand sei, dass sich eine Überholung nicht mehr rentiere: Man erspare sich mit der Verschrottung mehr als 100 Millionen Pfund (125 Millionen Euro).

Nach der Ausmusterung wurde das 210 Meter lange und 32 Meter breite Schiff (Verdrängung rund 22.000 Tonnen) über eine Internetplattform für den Verkauf von Militärmaterial versteigert - und so erhielt die türkische Schiffsverschrottungsfirma „Leyal" den Zuschlag. Das Unternehmen, das in Aliağa nahe Izmir operiert, hatte laut MoD 2,9 Millionen Pfund (3,6 Millionen Euro) geboten - was natürlich nicht nach wahnsinnig viel klingt, hält man sich allein die Anschaffungskosten der Ark Royal vor Augen, die anno 1981 mit 320 Millionen Pfund angegeben wurden. Das waren damals 9,6 Milliarden Schilling, was auf Basis damaliger Kaufkraft ohne Berücksichtigung der Inflation etwa 700 Mio. Euro entspricht.

Ein Träger als Nachtklub in Hongkong?

Besonderen Ärger erregt in Großbritannien - und vor allem in der südlichen Hafenstadt Portsmouth, wo der Träger zuletzt ankerte - indes die Tatsache, dass andere Bewerber um das Schiff unterlagen. Die wollten daraus etwa einen schwimmenden Hangar für zivile Hubschrauber („Heliport") vor London machen oder einen Nachtklub in Hongkong; andere schlugen den Umbau in ein Hospitalschiff für humanitäre Einsätze vor oder schlicht seine Versenkung vor der Küste, als Attraktion für Wracktaucher. Das MoD schied die Vorschläge als zu unsicher oder unangemessen aus - über die Höhe alternativer Angebote wurde vorerst nichts bekannt.

Die Firma Leyal ist den Briten freilich bekannt: Das Anfang der 1980er gegründete Unternehmen, das mit seinen Umwelt- und Qualitätsmanagementzertifikaten wirbt, hat im Vorjahr bereits den 2005 ausgemusterten Träger HMS „Invincible" zerlegt und sein Metall in handliche, je etwa ein Meter lange Blöcke gegossen, die man an andere Firmen zur Weiterverarbeitung verkauft, etwa auch für Stahlträger und Kabel. Leyal will bisher mehr als 600 Schiffe zerlegt haben, vom Fischerboot über den Containerfrachter bis zum U-Boot; auch andere britische Kriegsschiffe, etwa die Zerstörer „Glasgow" und „Cardiff", waren dabei.

Niedergang der britischen Seemacht

Die Bilder der abgewrackten Invincible an der Küste der Türkei - einem Land, mit dem sich das Empire im Ersten Weltkrieg blutige Schlachten lieferte - haben viele Briten auch wegen ihres Symbolismus verstört: Sie stehen für den Niedergang der britischen Seemacht. Besaß die Royal Navy (von U-Booten abgesehen) 1960 nach eigenen Angaben noch 150 Zerstörer und Fregatten, 30 Kreuzer und zwölf Träger, sind es heute 19 Zerstörer/Fregatten und drei reine Hubschrauberträger bzw. amphibische Angriffsschiffe der „Albion"-Klasse mit maximal je 18 Helikoptern. Dazu kommt der Flugzeugträger „Illustrious", das Schwesterschiff von Ark Royal und Invincible - letztere focht unter anderem 1982 bei der Rückeroberung der Falklandinseln im Südatlantik nach der argentinischen Okkupation im selben Jahr.

HMS Invincible als Wrack (c) Jan Mcgready / Barcroft Media (Jan Mcgready / Barcroft Media)

HMS Invincible als Wrack (c) Jan Mcgready / Barcroft Media (Jan Mcgready / Barcroft Media)

Die Illustrious soll 2014/15 ebenfalls ausscheiden, und: Sie und die Ark Royal haben seit längerem keine Flugzeuge mehr gesehen. Die Harrier-Staffeln wurden nämlich ab 2004 langsam aufgelöst, ebenfalls vor allem aus Kostengründen. Seit Ende 2010 hat die Royal Navy keine Kampfflugzeuge mehr, nur noch Hubschrauber, was für enorme Kritik nicht nur von Militärs sorgt, die zusehen, wie Seemächte wie Russland, Indien und China immer stärker werden.

Klein, aber...

Die Ark Royal war übrigens wie ihre beiden Schwestern kein besonders großer Flugzeugträger wie etwa die „Supercarrier" der USA": Haben die bei einer Verdrängung von mehr als 80.000 Tonnen Platz für 80 bis 110 Flugzeuge und Hubschrauber, hatten die viel kleineren Britenschiffe der Invincible-Klasse Platz für ein Mix von nur etwa 22 Fluggeräten. Die letzte Air Group der Ark Royal bestand aus vier Harriers und zehn Helikoptern.
Erst um 2020 herum sollen die zwei neuen großen Flugzeugträger „Queen Elizabeth" und „Prince of Wales" in Dienst gehen, bestückt mit je etwa 40 F-35 „Lightning II"-Kampfflugzeugen und Hubschraubern. Es steht aber schon jetzt fast fest, dass die Prince of Wales nur in eingemottetem Zustand betrieben und erst im Notfall aktiviert wird.

Größenvergleich: Ark Royal im Vordergrund, in der Mitte der US-Flugzeugträger "John F. Kennedy", hinten der US-Hubschrauberträger "Guam". (c) US Navy

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Die Ark Royal (Besatzung etwa 1050 Mann samt Aircrews) ist das fünfte Schiff mit diesem Namen. Das erste war eine Galeone, die 1588 als Flaggschiff des englischen Lord High Admirals Charles Howard of Effingham in der Schlacht gegen die Spanische Armada focht. Sie hatte etwa 55 Kanonen und ging 1636 nach einem Unfall in der Themse verloren. Die zweite Ark Royal war ein Träger für Wasserflugzeuge, der 1914 durch den Umbau eines Frachters entstand und unter anderem im Mittelmeer gegen die Türken zum Einsatz kam; später diente sie als Hilfsschiff und wurde 1944 ausgeschieden.

Das erste Schiff namens Ark Royal (1588) (c) National Maritime Museum, London

Das erste Schiff namens Ark Royal (1588) (c) National Maritime Museum, London

Mit „Swordfish" gegen  „Bismarck"

Berühmt wurde die dritte Ark Royal, obwohl sie nur eine kurze Karriere (1938-41) hatte. Sie bzw. ihre Flugzeuge griffen nicht nur italienische und Vichy-französische Kräfte im Mittelmeer an, vor allem starteten von hier jene „Swordfish"-Doppeldecker-Torpedobomber, die im Mai 1941 das gefürchtete deutsche Schlachtschiff „Bismarck" im Nordatlantik angriffen; ein Torpedo zerstörte das Ruder der Bismarck die darauf kaum noch manovrierfähig war und von britischen Schiffen zusammengeschossen wurde. Im November 1941 wurde der Träger dann freilich vor Gibraltar von einem deutschen U-Boot versenkt.

Die vorletzte „königliche Arche" war erneut ein Träger, der von 1955-79 operierte und für bis zu 50 Fluggeräte (etwa „Sea Hawk"- und „Phantom"-Jets) ausgelegt war. Das technisch besonders fortschrittliche Schiff sah aber nie einen Kampfeinsatz; die spannendsten Vorfälle waren wohl, als im Jänner 1972 zwei „Buccaneer"-Bomber von ihm starteten und die damalige Kolonie Britisch-Honduras (heute Belize) demonstrativ überflogen, um durch Abschreckung eine drohende Invasion durch Guatemala zu verhindern. Zuvor war im November 1970 ein sowjetischer Zerstörer im Mittelmeer mit dem Träger kollidiert, es gab aber nur leichte Schäden.

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41 Kommentare
 
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Gast: Alien (Dauerzensuriert)
12.09.2012 13:10
0 0

Unsinkable Sam

Auf der dritten Ark Royal war auch ein vormals deutsches Besatzungsmitglied im Dienst. Dieses wurde von der Bismarck übernommen und hat insgesamt 3 Schiffsversenkungen überlebt.

Antworten Gast: Scharnhorstk5s
12.09.2012 14:23
1 0

Re: Unsinkable Sam

die schiffskatze!

Schade!

Schade, dass die Briten dieses hübsche Schiff einfach ausmustern - ich kann den Ärger in England durchaus nachvollziehen.

Gast: Expilot
12.09.2012 08:10
1 0

FEHLER, vielleicht noch mehr ??

Ich hatte die Ehre, an der Rückeroberung der Falklands beteiligt gewesen zu sein. Unsere beiden "Babyträger" waren die HMS Invincible und die HMS Hermes, nicht jedoch die HMS Illustrious.

Antworten Gast: Raleigh
12.09.2012 11:29
0 1

Re: FEHLER, vielleicht noch mehr ??

Im Text steht absolut nirgends, dass Illustrious 1982 vor den Falklands war. Und wie waren Sie beteiligt damals? Bin echt neugierig.

Antworten Antworten Gast: Expilot
13.09.2012 08:54
0 0

Re: Re: FEHLER, vielleicht noch mehr ??

Ich bin ein ehemaliger Transport - Helicopter Pilot, 32 Landungen in Port Stanley, davon 8 unter fire.

Antworten Antworten Antworten Gast: Raleigh
13.09.2012 18:19
0 0

Re: Re: Re: FEHLER, vielleicht noch mehr ??

oh, sehr interessant. dann sind sie Brite? und welche Squadron? 820er? 826er? Aber eine Frage: Wenn Sie in Stanley landeten, war der Krieg wohl schon vorbei. Mir sind nämlich keine Transportlandungen dort "under fire" bekannt, höchstens Insertions von SAS-Einheiten im Raum um Stanley.

Antworten Antworten Gast: Raleigh
12.09.2012 17:19
0 0

Re: Re: FEHLER, vielleicht noch mehr ??

lieber Rotstricher, wieso tun Sie das auf eine ganz normale Feststellung und ganz normale Frage hin? Können Sie überhaupt argumentieren?

Antworten Gast: left
12.09.2012 09:11
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Re: FEHLER, vielleicht noch mehr ??

interessantes detail, ohne frage... aber ehre? glaubten das soldaten heute tatsächlich noch?

Wenn ich es mir aussuchen könnte hätte ich auch lieber die Amerikaner als unvergessliches Verbündete als die Franzosen und Italiener

Und genau so handelt UK

Antworten Gast: BLAUER ZOMBIE
12.09.2012 08:31
0 1

Re: Wenn ich es mir aussuchen könnte hätte ich auch lieber die Amerikaner als unvergessliches Verbündete als die Franzosen und Italiener

Aber Sie können es sich genauso wenig aussuchen, wie wir elitären Pressekommentatoren welche Beiposter sich herumtummeln dürfen.
Ahhhhhhh!

super bericht !


Der Niedergang der Royal Navy mag ja ein Symptom sein..

Viel mehr zu denken geben sollte aber Umstand, dass das Ursprungsland der industriellen Revolution heute sein Volk mit Bankdienstleistungen über Wasser zu halten versucht.

Auch Schiffe werden heute kaum noch auf der Insel produziert. Ohne entsprechende Infrastruktur dann große Flugzeugträger bauen zu wollen, ist ein schwieriges Unterfangen. Fraglich ob sies überhaupt hin kriegen werden.

Vielleicht sollte man die Träger gleich in China ordern.

Geschichte

England wäre ohne seine Navy nie zu einem Großbritannien und nie zu einem Commenwealth gekommen, da sie, genauso wie Japan, (fast) alle Rohstoffe importieren müssen.

Man verlässt sich halt auf das Brudervolk auf der anderen Seite des Atlantiks.

Antworten Gast: nina blum
12.09.2012 08:29
0 1

Wie die Anterl halt in meinem Biotop vorm Haus

Die verlassen sich auch auf mich und meine frischen Semmerl!
Dafür quakens dann auch sehr dankbar.
Die haben zwar nicht so Namen wie "Ark Royal" und so, aber dafür die viel berühmteren aus Disneyfilmen.
Ich sage hier aber nicht wie der schönste Erpel heißt sonst kriege ich wieder ein rotes Stricherl.

Antworten Antworten Gast: Scharnhorst
12.09.2012 14:21
0 1

Re: Wie die Anterl halt in meinem Biotop vorm Haus

O weh, da reicht wieder mal ein geistiger Lebenserfahrungskreis vom Herd bis zum Teich vorm Haus, typisch binnenländisch-österreichisch.

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Re: Re: Wie die Anterl halt in meinem Biotop vorm Haus

Halte "nina blum" eher für einen gut getarnten Spion, der sich hier auf der Seite der Seekriegshelden ganz unauffällig herumtreibt - aufpassen !

Auf keinen Fall nach dem Namen der Antn fragen - Falle !

Gast: FLTu
11.09.2012 23:24
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tachnik in der Turkei

Armenier , Kurden und Sarrazin wie ihr sieht ab jetzt die Turkei hat auch ein fLugzeugtrager

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Re: tachnik in der Turkei

Gute Selbstironie. Fein !

Gast: Raleigh
11.09.2012 22:07
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lieber Britannia

rule the waves als der chinamann!

Wann bauen die Deutschen die Bismarck2,...

...um unumstößlich klarzustellen, dass sie die uneingeschränkten Herrscher auf dem Europäischem Kontinent darstellen?

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Re: Wann bauen die Deutschen die Bismarck2,...

Wäre doch nur eine sinnlose Geldverschwendung. Außerdem, wozu ein Heer aufrüsten, das sowieso nur auf Zurufe aus dem Ausland hört. Die trauen sich doch nicht einmal aufs WC zu gehen, ohne daß sie vorher den Ami um Erlaubnis bitten.


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Re: Re: Wann bauen die Deutschen die Bismarck2,...

"Bismarck 3", bitteschön.

Gast: schlÄchter
11.09.2012 20:53
5 0

sg herr redakteur greber!

interessanter und informativer artikel. von mir
+

mfg
s.

Steuergeld

Was das alles gekostet hat. Ist eh Wurst.

Antworten Gast: beschwerer
11.09.2012 22:09
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Re: Steuergeld

vor lauter jungscharhaftem schulen-und-krankenhäuser-bauen wird die welt auch nicht besser

 
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