Der Bürgermeister der oberösterreichischen Stadt Braunau, Hannes Waidbacher (ÖVP), hat sich gegen eine Gedenkstätte im Geburtshaus Adolf Hitlers ausgesprochen. Stattdessen tritt er für die Nutzung des Hauses als Wohngebäude ein. Die Stadtgemeinde habe bereits viel Geschichtsaufarbeitung geleistet und müsse daher "nicht zwingend" auch das ungeliebte Gebäude in dieser Art verwenden, sagte er gegenüber dem "Standard". Immerhin gebe es bereits genügend Gedenkstätten in der Umgebung.
Die Diskussion, wie sich die künftige Nutzung gestalten soll, hält Braunau bereits seit Jahren in Atem: Das Haus, in dem Hitler seine ersten Lebensjahre verbracht hat, ist im Privatbesitz einer Pensionistin, die sich zu dem Thema bedeckt hält. Hauptmieter ist seit 1972 das Innenministerium, mit einem unbefristeten Vertrag. das berichtete der "Kurier" in seiner Donnerstag-Ausgabe. Der Bund zahle demnach monatlich 4700 Euro Miete an die Eigentümerin.
Geburtshaus soll kein "Wallfahrtsort" werden
Seit vor rund einem Jahr eine Behindertenwerkstatt ausgezogen ist, steht das denkmalgeschützte Gebäude leer. Verhandlungen laufen. Man wolle verhindern, dass das Haus zum "Wallfahrtsort" für Menschen bedenklicher Gesinnung wird, so Ministeriums-Sprecherin Sonja Jell.
Waidbachers Amtsvorgänger Gerhard Skiba (SPÖ) hatte Pläne für ein "Haus des Friedens", das für soziale Projekte und Ausstellungen zur Verfügung steht, vorgeschlagen. Der Historiker und wissenschaftliche Leiter der Braunauer Zeitgeschichtetage, Andreas Maislinger, hatte bereits im Jahr 2000 ein Konzept für ein "Haus der Verantwortung" vorgelegt, sich damit aber auch nicht durchgesetzt.
"Übernehmen nicht die Schuld am Weltkrieg"
Waidbacher sei zwar "offen für viele Ideen", favorisiert nun aber offenbar eine Wohnnutzung in dem Haus. Das wäre an diesem Standort sicher leichter umsetzbar. "Wir sind ohnehin stigmatisiert. Hitler hat die ersten drei Jahre seines Lebens bei uns in der Stadt verbracht. Und es war sicher nicht die prägendste Phase seines Lebens. Wir sind daher als Stadt Braunau nicht bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist", wird er im "Standard" zitiert. Damit sieht er auch die Bevölkerung hinter sich: "Ich bin zum Beispiel 21 Jahre nach Kriegsende auf die Welt gekommen. Und so geht es vielen Menschen in Braunau."
(APA)
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