Er war eines von vielen tausend „Besatzungskindern“ nach dem Zweiten Weltkrieg, ein sehr bekanntes: Der dunkelhäutige oberösterreichische Fußballspieler Helmut „Heli“ Köglberger. 1965 gab der LASK-Spieler sein Debüt in der Nationalmannschaft gegen Ungarn. Er kam insgesamt zu 28 Einsätzen und schoss sechs Tore. Als sein größtes Erlebnis bezeichnet er das Spiel gegen Brasilien am 1. Mai 1974 in São Paulo, bei dem Österreich dem regierenden Weltmeister vor einer Kulisse von über 120.000 Zusehern ein überaus ehrenvolles 0:0 abrang.
Köglberger, heute im Ruhestand, wird als Referent dabei sein, wenn am 27. September in der Wiener Diplomatischen Akademie ein wissenschaftliches Symposium unter dem Titel „Besatzungskinder in Österreich und Deutschland“ abgehalten wird. Initiatorin ist die stellvertretende Leiterin des Grazer Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung, Barbara Stelzl-Marx. Sie hat sich in mehreren Publikationen mit den Lebensumständen dieser oft unerwünschten Kinder beschäftigt.
Die „Kinder des Feindes“
Sie galten oft – in Österreich wie in Deutschland – als „Kinder des Feindes“. Und zwar egal, ob sie einer freiwilligen sexuellen Beziehung zwischen einheimischen Frauen und Besatzungssoldaten entsprangen oder die Folge von Vergewaltigungen waren. Sie und ihre Mütter litten unter unterschiedlichen Formen von Diskriminierung. Gerade Kinder sowjetischer und farbiger französischer Soldaten oder schwarzer GIs bildeten eine Angriffsfläche für rassische und moralische Vorurteile.
Stalin hatte eine klare Richtlinie: Ehen zwischen sowjetischen Soldaten und österreichischen bzw. deutschen Frauen waren so gut wie ausgeschlossen. Die meisten Armeeangehörigen wurden sogar zurück in die UdSSR versetzt, sobald eine derartige Liaison publik wurde. Jahrzehntelang war ein Kontakt beinahe unmöglich.
Unversorgte Familien
Aber auch in den westlichen Besatzungszonen, in denen nach der Aufhebung des „Fraternisierungsverbotes“ Eheschließungen zwischen Besatzungssoldaten und einheimischen Frauen erlaubt waren, wuchs die Mehrheit der Besatzungskinder als eine vaterlose Generation auf. Ohne Unterhalt lebten viele dieser „unvollständigen“ Familien in finanziell schwierigsten Verhältnissen.
Die Konferenz in Wien solle erstmals einen Überblick über die Sozialisations- und Lebensbedingungen der Besatzungskinder in den verschiedenen Zonen bieten und eine Lücke in der Zeitgeschichtsforschung schließen, meint Barbara Stelzl-Marx.
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