Die Kärntner Slowenen, denen Landesrat Harald Dobernig (FPK) am Samstag absprach, "echte" Bürger des Landes zu sein, sind die zweitgrößte autochtone Volksgruppe in Österreich. Ihr Status ist verfassungs- und völkerrechtlich abgesichert. Bereits vor knapp 1400 Jahren haben sich Slawen auf dem Gebiet des heutigen Kärnten angesiedelt, Mitte des 19. Jahrhunderts war Klagenfurt das kulturelle Zentrum aller Slowenen. Ein Rückblick:
Anfang des 7. Jahrhunderts gründeten die Alpenslawen - sie gelten als Vorfahren der heutigen Slowenen - das Fürstentum Karantanien, das historisch als Vorgänger des heutigen Bundeslandes gilt. Das politische Zentrum Karantaniens lag auf dem Zollfeld im Klagenfurter Becken. Inthronisiert wurden die Machthaber auf dem "Fürstenstein" in Karnburg. Die umgedrehte ionische Säule, die aus Virunum - der Hauptstadt der römischen Provinz Noricum - stammt, gilt als ältestes Rechtsdenkmal Österreichs und ist im Klagenfurter Landhaus zu besichtigen.
Von Fürsten zu Feudalherren
Bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts blieb Karantanien unabhängig. Als die Awaren das Herzogtum bedrohten, rief Herzog Borut 745 die Bayern zu Hilfe. Die Awaren wurden zurückgedrängt, Karantanien geriet jedoch unter fränkische Oberherrschaft, der auch die Bayern unterstellt waren. Nach einem Aufstand gegen die Franken wurde Karantanien vollkommen dem Herzogtum Bayern eingegliedert. Anstelle der slawischen Fürsten herrschten nun bayrisch-fränkische Feudalherren.
Im Jahre 976 trennte Kaiser Otto II. Kärnten von Bayern und machte es zu einem eigenständigen Herzogtum. Nach und nach setzte eine Siedlungsbewegung der Bayern nach Kärnten ein, die sich vorwiegend in schwach besiedelten Gegenden - Bergen, Wäldern und Tälern - heimisch machten. Im 15. Jahrhundert bildete sich zwischen Deutsch und Slowenisch eine Sprachgrenze heraus, die im Wesentlichen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unverändert blieb. Mit dem Aufkommen der Nationalbewegung begann eine Assimilierung der Slowenen durch die Deutschen.
Kärntner Abwehrkampf
Mit Ende des Ersten Weltkrieges versuchte der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben (SHS-Staat) die slowenisch gebliebenen Gebiete zu besetzen, was zum Kärntner Abwehrkampf führte. In weiterer Folge kam es am 10. Oktober 1920 zur Kärntner Volksabstimmung mit dem Ergebnis, dass Südkärnten mit seiner slowenischsprachigen Bevölkerung bei Österreich verblieb. Dieses Datum gilt bis heute als Landesfeiertag. Unter der NS-Herrschaft wurden sämtliche slowenische Vereine aufgelöst. Der Widerstand der slowenischen Partisanen war der einzige militärisch organisierte Kampf gegen das NS-Regime in Österreich.
Die "Titopartisanen" versuchten nach dem Zweiten Weltkrieg, Teile Kärntens zu besetzen, stießen aber auf Widerstand der englischen Besatzer und zogen sich schließlich zurück. Diese Entwicklung heizte den Konflikt zwischen slowenischsprachiger und deutschsprachiger Bevölkerung abermals an. Am 15. Mai 1955 wurde der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet, in dessen Artikel 7 die "Rechte der slowenischen und kroatischen Minderheiten" in Österreich reguliert sind.
Späte Lösung des Ortstafelstreits
Im Staatsvertrag verbriefte Rechte, wie die Aufstellung zweisprachiger topographischer Bezeichnungen, wurden jedoch Jahrzehnte lang nicht umgesetzt und gipfelten 1972 im "Ortstafelsturm", einem Aufstand einiger "Deutschkärntner" gegen die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln. Mit dem Erstarken der Freiheitlichen in Kärnten wurden Ressentiments gegen die Volksgruppe abermals aus politischem Interesse genährt, federführend war der mittlerweile verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider.
Eine Lösung des Ortstafelstreits wurde erst 2011 herbeigeführt. Neben dem damit beauftragten SP-Staatssekretär Josef Ostermayer war auch der jetzige Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) daran maßgeblich beteiligt. Ausgerechnet dessen Landesrat und Parteifreund Dobernig meinte am Samstag bei einer Veranstaltung, Slowenen seien keine "echten Kärntner" und: "Kärnten ist nicht zweisprachig."
(APA)





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