Wien. Die Entscheidung der Stadt Wien, den Deserteuren der deutschen Wehrmacht während der NS-Zeit auf dem Ballhausplatz ein Denkmal zu errichten, stößt bei den Wiener Freiheitlichen auf Ablehnung: Gemeinderat Johann Herzog ortet eine „Denkmalinflation“ in der Bundeshauptstadt. Darüber hinaus sei es Fakt, dass „Desertieren bis zum heutigen Tage international geächtet“ sei, erklärt Herzog in einer Aussendung. Weder werde mit dem Aufstellen eines Denkmals differenziert, noch werde dabei die „Problematik des Desertierens im Allgemeinen beleuchtet“.
Die FPÖ werde dem Denkmal jedenfalls nicht zustimmen, denn dadurch würde „die Generation von Weltkriegsteilnehmern nachträglich ins Eck gestellt“. Dieser „pädagogische Zeigefinger“ versuche zu moralisieren und blende die „problematische Haltung mancher Deserteure bis hin zum Verrat und damit zu weiteren Opfern“ aus.
Mit ihrem Protest bleibt die FPÖ aber vorerst allein: „Sehr erfreut“ über die Entscheidung für das Denkmal zeigt sich Thomas Geldmacher, Obmann des Personenkomitees „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“. Die Stadt habe „eingesehen, dass Rehabilitierung nur dann funktioniere, wenn sie öffentlich passiert“.
Prominenter Standort. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) und der grüne Klubchef David Ellensohn haben am Freitag nach monatelangen Verhandlungen bekannt gegeben, dass das Denkmal bereits kommendes Jahr errichtet werden soll – als Platz habe man sich auf die Einbuchtung des Volksgartens auf dem Ballhausplatz, gegenüber von Hofburg und Bundeskanzleramt, entschieden.
Dass nicht der ursprünglich diskutierte Standort auf dem Heldenplatz gewählt wurde, liege an den anderen dort anstehenden Projekten wie dem Bau einer Tiefgarage und des Tiefenspeichers für die Nationalbibliothek.
Wer das Denkmal gestalten soll, wird nun von der städtischen Einrichtung „Kunst im öffentlichen Raum“ ausgeschrieben und entschieden. Für die Umsetzung des Projekts sind rund 200.000 Euro budgetiert. ?
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)
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