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Der tote Dollfuß ist an allem schuld

26.10.2012 | 18:44 |  Von Hans Werner Scheidl (Die Presse)

Die seltsame Geschichte des Denkmals für die gefallenen Soldaten. Der Umbau in den Dreißigerjahren war auch ein Protest gegen den Nationalsozialismus.

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Die vorerst nur angekündigte Umgestaltung der Ehrenstätte im Wiener Äußeren Burgtor wird nicht der erste Umbau dieses Denkmals sein. Dass es sich dabei um einen Überrest der alten Befestigungsanlage aus dem Jahr 1660 handle, die die gesamte Innenstadt umschloss, ist unrichtig. Die war nämlich 1809 im Auftrag Napoleons gesprengt worden. Soldaten der kaiserlichen Armee mussten das heutige Burgtor errichten – nach Plänen Peter Nobiles. Am 16.Oktober 1824 wurde die imposante Toranlage mit ihren fünf Rundbogen, wie wir sie kennen, feierlich eröffnet.

Auf der Ringstraßenseite ließ sich Kaiser FranzI. in Goldbuchstaben huldigen, an der dem Heldenplatz zugewandten Front mahnt die Inschrift alle Regierenden, die je in der Hofburg herrschten: „IUSTITIA REGNORUM FUNDAMENTUM“.

Weniger bekannt ist wohl, dass der legendäre Wiener Stadtplaner und Architekt Otto Wagner gegen Ende des 19.Jahrhunderts das Tor abtragen und irgendwohin nach Grinzing versetzen wollte. An seiner Stelle sollte sich nämlich ein monumentales Denkmal Franz Josephs erheben. Auch der Bauleiter der Neuen Hofburg, Ludwig Baumann, war für die Schleifung der Anlage, um den Heldenplatz optisch zu vergrößern.

Dazu kam es bekanntlich nicht. Aber dafür war die Zeit der Heldendenkmäler angebrochen. Zunächst sollte nur auf die Völkerschlacht von Leipzig hingewiesen werden und auf den opferreichen Kampf der kaiserlich österreichischen Armee gegen den französischen Usurpator Napoleon.

Doch während des Ersten Weltkrieges startete eine Spendenaktion für den „k.k. Militär-Witwen- und Waisenfonds“. Die Idee: Auf bronzenen Lorbeerkränzen, die man auf der Ringstraßenseite des Tores erblickt, konnten die Spender ihre Namen eingravieren lassen oder eines dieser Blätter einem Soldaten an der Front widmen. Die vier prominentesten Spender waren Franz Joseph, WilhelmII., Großsultan MehmedV. und der bulgarische König FerdinandI.

Der christlichsoziale „Ständestaat“ ließ dann von 1933 bis 1934 das Äußere Burgtor durch Rudolf Wondracek, einen Schüler Otto Wagners, zu einem Gefallenendenkmal des Ersten Weltkrieges umbauen. Wenig spektakulär, weil die äußere Form gewahrt blieb. Aber an den beiden Schmalseiten führen breite, gitterbewehrte Stiegen zu einer seltsamen „Ehrenhalle“ ohne Dach: „Die Helden des Weltkrieges sind auch unter freiem Himmel gefallen.“

Im Inneren wurde eine Krypta für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet. Darin befinden sich das von Wilhelm Frass geschaffene Epitaph eines toten Soldaten, ein Altar und zehn Ehrenbücher mit den Namen der gefallenen Österreicher, deren Seiten täglich umgeblättert werden. An jedem Sonntag wird hier eine Messe gelesen.

 

Gegen den Hitlerismus

Für den „Ständestaat“, nun von Kurt (von) Schuschnigg geleitet, war die Eröffnung am 9.September 1934 ein wichtiges Ritual österreich-patriotischer Gefühle, war doch im Juli Bundeskanzler Dollfuß von heimischen Nationalsozialisten im Amt am Ballhausplatz ermordet worden.

Dass just an diesem Epitaph nach 1938 Adolf Hitler und sein engster Kumpan, Hermann Göring, Kränze niederlegten, mag auf die Unwissenheit der Nazi-Größen hinweisen. Später bekam sogar die SA ihr eigenes Ehrenmal zwischen den Torbögen, es wurde nach 1945 rasch wieder entfernt.

Die Jahre kamen, die Jahre gingen, alljährlich besuchten die Bundespräsidenten und die Regierungsvertreter die Krypta mit ihren Lorbeerkränzen. Es dauerte bis zum Jahr 1965, als die Bundesregierung unter VP-Kanzler Josef Klaus endlich auf die Idee kam, auf der anderen Seite des Tores einen „Weiheraum“ für die Opfer des österreichischen Freiheitskampfes einzurichten.

Der schwarze Marmorblock trägt das Bundeswappen und auf seiner Vorderseite die Inschrift „Im Gedenken an die Opfer im Kampfe für Österreichs Freiheit“. Dokumente über die Wiedererrichtung der Republik sind im Vorraum zu besichtigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)

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14 Kommentare
Gast: zeitsoldat
27.10.2012 19:24
0 1

man könnte zwecks der erinnerung an die neutralität

einen vergoldeten eurofighter daneben installieren.

Gast: Staatstrauerwitz
27.10.2012 14:31
5 0

Der arme unbekannte Soldat.

Jahrzehntelang verneigte man sich tief vor ihm und schmückte ihn mit allerlei Kränzen und nun bekommt er nur mehr das Hinterteil der Staatspitzen zu sehen.


Gast: bittenichtschonwieder
27.10.2012 10:56
4 4

Die besseren Deutschen

Schuschnigg und Dolfuss waren keine österreichischen Patrioten im heutigen Sinne sondern fühlten sich schlicht als die besseren Deutschen. Sie fühlten sich auch als die besseren Faschisten. Und sie fühlten sich besser nicht weil sie "demokratischer" sonder schlicht katholisch waren (im unterschied zu den Nazis). Die beiden konnten einfach nicht so repressiv sein wie sie wollten da ihnen zum Glück der nötige Massenrückhalt fehlte.

Antworten Gast: Immergleich
27.10.2012 14:49
7 0

dass Österreich eine Abteilung des HlRömReichs deutscher Nation bzw zuvor des Stammesherzogtums Bayerns zweite Hälfte war, das wußten halt die beiden noch, wie auch Renner & Co. von den Linken.

Heute gibt es ja viele Geschichtsblindgänger, für die nur das zählt, was sie momentan gerade an politischer Luft schnappen.

Auch wenn es manchen aus parteipolitischen Gründen nicht gefällt, es wird immer so bleiben, dafür sorgt nicht nur die Geschichte, sondern die Vielzahl alteingesessener Familien, die dieses Land seit dessen Anfängen besiedelt und urbar gemacht haben. Dass Österreich heute eine eigene Nation, ist gerademal einigen wenigen dynastischen Zufällen zu verdanken und zuletzt eines Diktats, aber auch kein Grund deshalb darüber traurig zu sein.

Jedenfalls kann man österreichischer Patriot sein, ohne deshalb seine Vergangenheit, Herkunft. Entwicklung und Eigenständigkeit zu verleugnen. Das Eine schließt eben das Andere nicht aus.


Antworten Gast: baro palatinus
27.10.2012 12:24
1 2

Re: Die besseren Deutschen

glauben Sie in der geschichtsschreibung ist die wahrheit von belang?
wenn ja, müssen Sie noch sehr arm an lebensjahren sein...

Antworten Antworten Gast: H.U.
27.10.2012 16:15
2 0

Re: Re: Die besseren Deutschen

Es gibt die eine Wahrheit und dazu immer tausende andere Wahrheiten.
H.U.

Gast: Eusebius
27.10.2012 07:08
8 2

Was soll diese Überschrift?

So eine Übereschrift in der "Presse" - sehr seltsam....
Manche Formulierungen sind auch höchst merkwürdig, so zB "ließ sich Kaiser Franz I. huldigen..."

Lernt man das im Geschichts- oder Publizistikstudium?


Gast: Judge Holden
26.10.2012 20:25
27 9

Kelner Mann Grosser Österreicher

Der kleine Engelbert Dollfuß war ein grosser Österreicher der dem roten und den braunen Faschismus entschlossen entgegentrat, und dies mit seinem Leben bezahlte.
Es gibt nur wenige Persönlichkeiten in der österreichischen Geschichte ,die so standhaft für ihre Überzeugung einstanden wie Engelbert Dollfuß.

Antworten Gast: Crusader
27.10.2012 04:32
4 14

Dolllfuss war ein austrofaschistischer Diktator,


der politische Gegner in Lagern internierte und den Nazis deshalb gegenüberstand, weil er seine Diktatur natürlich nicht aufgeben wollte.

Ein Diktator, der einen anderen Diktator bekämpft, ist deshalb noch lange nicht "gut".

Und es gibt in der Geschichte viele "Persönlichkeiten", die für ihre Ansichten und Überzeugungen einstanden.

zB.: Österreicher im Widerstand gegen die Dollfuss- und die Nazi-Diktatur

Antworten Gast: andi008
27.10.2012 00:21
4 13

Re: Kelner Mann Grosser Österreicher

dollfuß war ein faschist, er hat das land gespalten und somit jeglichen widerstand gegen hitler-deutschland unmöglich gemacht!

die nazis sind 1938 reinspaziert und keiner im christlichsozialen ständestaat wäre dagegen aufgestanden

Antworten Antworten Gast: Kopson
27.10.2012 15:03
6 1

und was Sie offensichtlich nicht wissen oder darüber hinwegsehen: NACH dem Einmarsch der Nazis hat der SPÖ-Grande Renner (und erste Staatskanzler der Republik) in einem Interview

dargelegt, warum er mit JA für den Anschluß an Nazi-Deutschland stimmen wird und dies, obwohl diese schon seit 1933 in Deutschland an der Macht und ihre Verbrechen bis dahin bereits offenkundig waren.

Also eine bessere Propaganda bei der linken Reichshälfte kann man ja gar nicht machen, daher ist ihre Schlußfolgerung des "gespaltenen Landes" zwischen Sozialdemokraten und ChristlichSozialen in dieser Frage eines besseren Widerstandes daher unsinnig.

wenn der kleine maxi die grosse welt sieht...

die roten waren damals am weg in internierungslager und dollfuss als ständestaatsdiktator der begründer des austrofaschismus.

standhaft für diese überzeugung ist er allerdings eingestanden - das muss ich zugeben.

Antworten Gast: corpus studiosi
26.10.2012 21:19
3 3

Re: Kelner Mann Grosser Österreicher

du meine Güte, so einen gibt es noch ?

Re: Kelner Mann Grosser Österreicher

nehmen sie von dem, was sie genommen haben nichts mehr vor dem posten

äh, ich hab doe ironie nicht verstanden, sorry;-))))