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Wehrmachtsgeneral Rommel, ein rasender Zerrissener

30.10.2012 | 16:46 |  Von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Mit Spielfilm und Dokus versucht der ORF am Donnerstag, den Wehrmachtsgeneral auszuloten, der populär war – und ist – wie kein Zweiter. Keiner von Hitlers Vasallen war für die Heldenrolle so geschaffen wie Rommel.

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„Rommel ist bei den Truppen sagenhaft beliebt. Er ist fast eine mythische Gestalt.“ Das notierte Josef Goebbels im Sommer 1941 in sein Tagebuch, der Chefpropagandist kannte sich mit Mythen und ihrem Machen aus. Und keiner von Hitlers Vasallen war für die Heldenrolle so geschaffen wie der, zu dem heute noch reflexhaft das Stichwort „Wüstenfuchs“ kommt, Erwin Rommel, er war die perfekte Projektionsfläche. Denn er war anders als die Herren Generale vom preußischen Adel, die voll Verachtung auf den Gefreiten und Autodidakten Hitler herabblickten, wenn sie vor ihm Haltung annahmen. Rommel war ein Mann aus dem Volk, Sohn eines Lehrers, aber er hatte Selbstbewusstsein genug, ganz eigene Wege zu gehen und Befehle zu ignorieren.

Zudem war er kein Generalstäbler, der Soldaten aus der Ferne in den Tod schickte, er stellte sich an die Spitze seiner Truppen, Panzer, Rommel saß im ersten und fegte in Frankreich so rasant durch die Verteidiger, dass seine Einheit den Titel „Gespensterdivision“ erhielt, und er selbst das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Das trug er gut sichtbar – er war zwar Schwabe und bescheiden, aber eitel schon auch –, Goebbels und seine Wochenschau konnten sich gar nicht sattsehen daran, als Rommel den großen Coup landete, das Katz-und-Maus-Spiel mit seinem britischen Pendant Montgomery in Nordafrika. Da führte er Krieg auf eigene Faust und nach unzeitgemäßen Regeln, es erinnerte eher an eine Schachpartie oder ein Ritterturnier.

Afrika ging verloren, alles ging verloren, Rommel wusste es früh, trotzdem leistete er zur Abwehr der Invasion alles, was er konnte, technisch – er war als Schwabe auch Tüftler, das zeigte er in vielen Erfindungen für den Atlantikwall, der die Landung der Alliierten verhindern sollte – und intellektuell: Rommel war Soldat, sein Leben lang, er kannte nur den Eid, ihm blieb er treu. Auch Hitler blieb er treu, obwohl er sah, dass dieser seinen Eid nicht hielt und alle ins Verderben führte. Andere Militärs, die vom 20. Juli, zogen ihre Konsequenzen und versuchten das Attentat. Rommel wusste davon, er schloss sich nicht an, verriet auch nichts. Wie viel er wusste, und wie sehr ihn seine Lage zerriss, zeigt u. a. ORF2 morgen Abend mit Dokumentationen und einem Spielfilm, der sich auf Rommels letzte Phase konzentriert und auf die Ausdruckskraft Ulrich Tukurs vertraut.

Dieser wird gleich eingangs das Zyankali schlucken, das Hitler Rommel schicken ließ: Er traute seinem Helden nicht mehr, aber offen angehen konnte er ihn nicht, der Mythos war zu stark. Also ließ Hitler ihn zum Gift greifen, anschließend schickte er der Witwe – und dem deutschen Volke – ein Beileidstelegramm mit fingierter Todesursache.

Gauleiterposten für Juden!

Dann war endlich er selbst auch tot, der Spuk war vorbei. Nur der Mythos Rommel blieb, ungebrochen, auch bei vielen, die mit den Großdeutschen nichts zu tun hatten, und mit den Nazis schon gar nicht. Rommel selbst war keiner – er überraschte Hitler einmal mit dem Vorschlag, Gauleiterposten mit Juden zu besetzen –, und an ihm klebte kein böses Blut, er war nicht dort, wo Geiseln erschossen und Massen ermordet wurden. Er war kein Kriegsverbrecher, sah aber den Krieg Hitlers auch nicht als Verbrechen an.

Tukur wird alle Kräfte aufbieten müssen, zum letzten Mal in einer solchen Rolle. „Ich bin kriegsmüde“, erklärte er, er habe genug von den ewigen Filmen über einen Krieg, der zwei Generationen zurückliegt. Darin wird ihm das Publikum nicht folgen. Schon sind neue Hitler-Filme in Planung, Riefenstahl kommt auch, sie werden Quoten machen.

Leben, echtes und gefilmtes
Erwin Rommel, geb. 1891, war Berufssoldat, der im II. Weltkrieg Panzertruppen führte, erst durch Frankreich, dann durch Nordafrika. Bei der Invasion betraute ihn Hitler mit der Verteidigung. Dann fiel er in Ungnade, Hitler zwang ihn zum Selbstmord am 14. 10. 1944. Verfilmt wurde Rommels Leben schon oft. Diesmal führte Niki Stein Regie, Ulrich Tukur spielt Rommel: ORF2, 20.15 Uhr, anschließend läuft eine Rommel-Dokumentation.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2012)

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53 Kommentare
 
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Gast: Hans B.
01.11.2012 19:15
0 1

Krieg?

Früher hieß das Ganze "Krieg", heute laufen "feindliche Übernahmen" anders ab. Gleich geblieben ist, dass eine ausreichende Anzahl der mittleren und höheren Kommando-Ebene (Offiziere bzw. Management) ihr eigenes Gewissen an ein System oder einen Boss abgegeben haben und deshalb meinen, keine Verantwortung gegenüber anderen Menschen, Kulturen, der Schöpfung - ja der ganzen Welt zu tragen!

Das ist wohl einer der fatalsten Irrtümer, dem ein Mensch aufsitzen kann!

rommel war beliebt?

bei der truppe als gesamtheit aufgrund seiner siege, wahrscheinlich. auf die eigenen soldaten dürfte er weniger charismatisch gewirkt haben. dort wurde er meist als distanziert wahrgenommen, auch seine tagebücher lassen das so vermuten - wenn meine quellen stimmen.

2 0

Re: rommel war beliebt?

Ein General ist ein Feldherr. Als solcher muß er, wenn es die Lage erfordert, Menschen in den sicheren Tod schicken. Sollte ausreichen, um eine gewisse Distanz zu erklären.

Antworten Gast: Fatalist
02.11.2012 05:31
0 0

Re: rommel war beliebt?

"Dort wurde er meist als distanziert wahrgenommen", das hat mir auch ein Mann erzählt der unter Rommel gekämpft hat.

Re: rommel war beliebt?

Pack dein sturmtruppenheftl wieder weg.

Rommel war und ist einer der beliebtesten Generäle, die es gibt und je gab. sogar die Engländer zollen ihm heute noch Respekt und das heißt was!

Gast: DrBiersauer
01.11.2012 16:14
6 0

Das Unvermögen heutiger Strategen, zeigt sich...

dass wir wirtschaftlich immer mehr ins Hintertreffen gelangen gegenüber anderen Nationen und dass wir alles was einmal Wert hatte bereits verlohren haben und nur mehr der Name Österreich zu einem solchen Nachhall führen wird, wie er heute verdient Rommel zukommt.
Deutschland schafft sich ab, hat es Sarrazin getitelt
und wir laufen diese Richtung der Lemminge.
Nur mehr Abhängigkeit und Wertverlust.

wozu das ORF-Getue?!

der Rommel-Film und die Doku werden morgen zeitgleich auch auf ARD gesendet - gebührenfrei!


gebührenfrei?


Gast: Don Quichote
31.10.2012 21:13
14 3

Wäre doch gelacht, ...

... wenn es den selbsternannten, selbstgefälligen Richtern nicht gelänge, auch über diesen Mann genügend Unflat auszuschütten. So, wie sie es seit Jahrzehnten tun. Von ihren warmen Sesseln aus, mit Bauch und Doppelkinn ausgestattet maßen sie sich an, moralische Urteile über Menschen zu fällen, die in einer anderen Zeit und in anderen Umständen lebten. Ich behaupte, daß die meisten jener, die sich heute so selbstgerecht über die Menschen im Dritten Reich entrüsten, damals unter den ersten gewesen wären, die lauthals Heil Hitler gebrüllt hätten. Wann ist endlich Schluß mit der schäbigen Vernaderung einer ganzen Generation durch Leute, die im Nachhinein alles besser wissen und sich moralisch weit über jenen zu stehen wähnen, weil sie selbst natürlich bis zum Fallbeil unerschrocken Widerstand geleistet hätten. Zum Kotzen.

Antworten Gast: DrBiersauer
01.11.2012 16:04
1 0

Re: Wäre doch gelacht, ...

Die heute, Bequemen, Verwöhnten und geistig Verwaahrlosten, wollen nicht Wahrheit, Ehrlichkeit, sondern Unterhaltung und geistige Onanie in Zwangshandlung ihrer Paranoia, dass alles andere schlecht ist. Echtgläubige eben.

Re: Wäre doch gelacht, ...

Hat dieser Wirre Kommentar irgendetwas mit dem Artikel zu tun?

Re: Re: Wäre doch gelacht, ...

Wenn man keine Argumente mehr hat,dann hilft nur noch die Keule oder Untergriffigkeit.

10 3

Der übliche ORF Dreck

wahrscheinlich, um sicherzustellen das ja keiner nicht indoktriniert wird. Leider mittlerweile plump und durchschaubar, mit immer geringerem Erfolg.

Warum fehlt in der Milak in Wr.Neustadt noch immer Rommels Kommandantengemälde?

Antworten Gast: Frankundfrei
31.10.2012 20:32
5 10

Re: Der übliche ORF Dreck

Weil er kein Österreicher, sondern Deutscher war. Capito?

Re: Re: Der übliche ORF Dreck

damals waren wir Österreicher auch deutsche - so what?

Rommel war übrigens einer der beliebtesten militärakademie Kommandanten, wie noch Jahrzehnte später erzaehlt wurde.

7 0

Re: Re: Der übliche ORF Dreck

Er hat aber immerhin Wesentliches zur - österreichischen - 12. Isonzoschlacht beigetragen...

Gast: Dagobert1
31.10.2012 18:14
7 0

"Der Spiegel" schreibt sachlicher

und beschreibt deutlich Rommels Naivität, seinen brutalen Opportunismus und die Nazipropaganda, die manche noch heute glauben ...

10 0

Das ist nun doch sehr verkürzt

Rommel war kein Generalstäbler? Was hat er denn während des Polenfeldzuges gemacht?

Mit Montgomery hat er im übrigen nicht mehr Katz und Maus gespielt, allerhöchstens mit Auchinleck.

Die "Führung von vorne" war auch nicht Rommels Erfindung, die haben alle Panzergeneräle praktiziert, weil es in der mobilen Kriegsführung nicht anders geht.


Re: Das ist nun doch sehr verkürzt

1. Drei der 26 dt. Feldmarschälle waren keine Generalstäbler (Busch, Rommel und Schörner).
2. Im Polenfeldzug war Rommel Kommandeur des Führerhauptquartiers, davor bei der Besetzung der Tschechoslowakei Kommandeur des Führerbegleitbataillons. Das ist keine Generalstabsfunktion.

8 0

Re: Das ist nun doch sehr verkürzt

"Die Führung von vorne" haben eben nicht alle Panzergeneräle praktiziert, sondern nur die erfolgreichen (wie Rommel, Manstein oder Guderian), welche den Nutzen dieser neuen Waffenart erkannt haben. Für die meisten Generäle waren die Panzer nur eine Ergänzungswaffe und wurden wie Infanterie aus dem Gefechtsstand befehligt, nicht aber konzentriert und vor allem koordiniert eingesetzt, um einen schnellen Durchbruch zu erzielen. Deswegen verloren die Franzosen auch so schnell den Krieg 1940, obwohl sie sowohl an Panzern als auch an Flugzeugen zahlenmäßig deutlich überlegen waren.

2 0

Re: Re: Das ist nun doch sehr verkürzt

Die anderen waren nach kurzer Zeit mangels Panzern keine Panzergeneräle mehr ;-)


Gast: Lew Nolan
31.10.2012 05:41
14 0

Fähiger Soldat und nicht mehr

Rommel war ein fähiger und entschlossener Kämpfer sein Ziel war es den Kampf zu gewinnen. Man lese nur Rommels erstes Buch Infantrie greift an, über den ersten weltkrieg , Das Buch sagt alles über den Charakter des Mannes aus. Rommel hatte mit Politik nicht viel am Hut war und war Soldat.
Man kann Rommel in die gleicher Stufe stellen wie General Schwarzkopf ,oder General Petraeus. Beide führten einen ungerechten Angriffskrieg im Sinne ihres Oberbefehlshaber.

rommel hat bis zum schluss alles getan um die ns an der macht zu halten



diesen mann noch heute zu verherrlichen und davon zu schwelgen was für ein "zerrissener" war ist völlig verfehlt. rommel hat bis knapp vor seinem tod dem ns-regime treu gedient und war eindeutig ein a.h.-günstling. das noch heute schönzureden ist ein ziemlich starkes stück. der autor des obigen artikels schreibt den mythos rommel nur fort statt ihn kritisch zu hinterfragen.

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Re: rommel hat bis zum schluss alles getan um die ns an der macht zu halten

Tja, an diesem Forentroll zeigt sich das grundsätzliche Problem der linksgrünen Frösche.

Solche Typen leben in einem selbstgestrickten kleinen Universum mit ganz viel eindeutigem Gut und Böse. Grautöne kommen da nicht vor.

Wenn dann die tatsächlich reale Welt einmal anklopft reagieren sie mit Ablehnung.

Re: Re: rommel hat bis zum schluss alles getan um die ns an der macht zu halten

hervorragende Analyse der rotgrünroten Realeweltphoben.

1 1

Re: Re: rommel hat bis zum schluss alles getan um die ns an der macht zu halten

Obwohl der besagte Autor in der Tat ein Troll ist, hat er mit diesem Posting teilweise recht: der Artikel schreibt den Rommel-Mythos fort.

 
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