Frau „Fini“ und ihre KPÖ-Millionen

09.11.2012 | 18:40 |  Von Hans Werner Scheidl (Die Presse)

Nach dem Tod der Chanel-Kommunistin Rudolfine Steindling geht die Suche nach dem Geldschatz aus der DDR munter weiter. – Ein Krimi nach der deutschen „Wende“.

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In den Neunzigerjahren, nach der „Wende“ in Deutschland, war Goldgräberstimmung angesagt. Wer schlau, wer skrupellos genug war, wer genügend Netzwerke zu den alten kommunistischen Kadern der Deutschen „Demokratischen“ Republik DDR besaß, der konnte im Vorübergehen Millionen einstreifen. Denn die gewaltigen Finanzmittel der verblichenen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) waren mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten herrenlos geworden: Immobilien, Liegenschaften jeglicher Art, Geld, Gold, Druckereien, eine Filmfirma, freilich auch so mancher Schuldschein.

Eine Schlüsselfigur dieser turbulenten Jahre war die Wienerin Rudolfine Steindling, die kürzlich in ihrem israelischen Zweitwohnsitz 78-jährig verstorben ist. Ihre Geschichte ist untrennbar mit dem Gezerre um die ostdeutschen Millionen verbunden, die das neue Gesamtdeutschland nach der Wende beschlagnahmt hatte.

 

Man nannte sie „die rote Fini“

Denn „die rote Fini“ war bis 1969 Mitglied der österreichischen Kommunisten. Und Treuhänderin für ihre Partei. Sie kontrollierte eine Firma am Wiener Kohlmarkt, die jahrzehntelang die KPÖ mästete. Dessen ungeachtet wurde die alte Dame von den heimischen Nadelstreifsozialisten hofiert, Handküsse da, Wangenbussi dort, die heutige Unterrichtsministerin setzte sie in zwei Aufsichtsräte. Warum? Sie war zugleich eine großzügige Sponsorin. Die Wiener und die Israel Philharmoniker wussten dies ebenso zu schätzen wie viele wissenschaftliche Institutionen in Israel. Steindlings verstorbener Mann war ein Überlebender des Holocaust.

In den Neunzigern begann also das Hauen und Stechen um das Vermögen der SED. 6,2 Milliarden DDR-Mark waren aufzuteilen. Unter vielen anderen Beteiligungen besaß diese KP auch die Außenhandelsfirma Novum. 1992 verzichtete die Nachfolgerin der DDR-Kommunisten, die PDS Gregor Gysis, notariell auf sämtliche Auslandsvermögen der SED. Die Treuhandgesellschaft kassierte die Guthaben ein.

 

Die Novum machte gute Geschäfte

Doch da trat die charmante österreichische Kommerzialrätin auf den Plan. Sie behauptete, einen Millionenbatzen treuhänderisch für ihre heimische KPÖ erworben zu haben. Eben über die Novum, die 1951 in Ostberlin unter der Aufsicht der DDR-Behörden gegründet worden war und von ihr in Wien als Geschäftsführerin geleitet wurde. Novum kassierte Provisionen von österreichischen Unternehmen, wenn diese Geschäfte mit der DDR machten. Ohne Steindlings Firma ging da so gut wie nichts. Für ihre Vermittlerdienste kassierte Frau Rudolfine auf Konten in Zürich und Wien. Die Novum-Geldflüsse liefen über die frühere Länderbank – die heutige Bank Austria. Dass Franz Vranitzky eine Zeitlang Länderbank-Chef war und seine Frau als enge Steindling-Freundin gilt, wäre eine unlautere Vorhaltung. Zum Steindling-Freundeskreis zählten beileibe nicht nur höchste SP-Politiker.

 

Ein wichtiges Beweismittel – futsch

Als Deutschland später die Herausgabe der Gelder verlangte, landeten die Millionen bei der Bank-Austria-Tochter in der Schweiz. Die Treuhand argumentierte, dass es sich um Staatsbesitz handle, weil die Novum in Wahrheit eine Tarnfirma der SED gewesen sei. Seit 1992 prozessierte die Novum-Chefin um Herausgabe von 255 Millionen Euro aus der Beute.

In erster Instanz 1996 bekam sie recht – Deutschland berief sofort. So einfach gaben die Deutschen im Kampf um „Finis Feinstes“ nicht auf. Die Sache wäre leicht zu klären gewesen, wenn man die authentische Treuhanderklärung der Kommerzialrätin in der Hand gehabt hätte. Doch – leider, leider – die war im Laufe des jahrelangen Prozesses irgendwie aus dem Akt verschwunden...

 

Zürich – Wien – Zürich...

Steindling vertraute nicht der irdischen Gerechtigkeit. Was man ihr nicht verdenken konnte: So hob sie zur Sicherheit rund 450 Millionen DM von ihren Schweizer Konten ab. Das Geld wurde zwischen Wien und Zürich hin- und hergeschoben, bevor es – erraten! – verschwand. Die Wiener KPÖ – ganz fromm – schwor Stein und Bein, keinen Cent bekommen zu haben. Peinliche Ermittlungen begannen. Ein Mitarbeiter der Bank Austria in Zürich kam wegen Verletzung der gesetzlichen Sorgfaltspflicht vor Gericht, wurde aber 1996 freigesprochen. Die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS), die dem Verschwinden der DDR-Gelder nachgeht, wirft der BA vor, an der Veruntreuung der DDR-Gelder teilgenommen zu haben und so Sorgfaltspflichten verletzt zu haben. „Frau Steindling und die Bank Austria haben gemeinsame Sache gemacht“, sagen die deutschen Anwälte.

 

Muss die Bank Austria zahlen?

230 Millionen Euro verlangte die Schweiz als Schadenersatz, im Vorjahr verurteilte ein Gericht die BA zur Rückzahlung. In zweiter Instanz. „Wir haben die Millionen nicht“, beteuert man dort. Steindling habe das Geld als KP-Treuhänderin abgehoben.

Die spendable Kommerzialrätin, die im Laufe der vielen Prozessrunden einmal zu Protokoll gab, sie hätte auch ihr Todesurteil unterschrieben, weil sie sich die Verträge nicht so genau ansah, war für die ostdeutschen Kommunisten eine tolle Partnerin. Beide Teile profitierten. Sie glich einem kleinen Rädchen im gut geschmierten Apparat der DDR-Wirtschaftsbetriebe, der von Alexander Schalck-Golodkowski meisterhaft beherrscht wurde. Der Devisen-Zampano gehört inzwischen der Zeitgeschichte an. Die vermeintlichen KPÖ-Millionen auch.

 

Parlamentsuntersuchung

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Berlin fand nicht nur im KPÖ-Fall eine Menge von Ungereimtheiten und fatalen Versäumnissen der deutschen Finanzbehörden. 92 Zeugen und Experten traten vor dem Gremium auf, die Mandatare sichteten 213.653 Seiten Dokumente. Aber das Ergebnis war mager.

In vielen Fällen war stets die Schweiz eine sichere Zuflucht, um gehamsterte Millionen zu horten. Die Abgeordneten orteten eine Schweizer Firma, die von einem Österreicher kontrolliert wurde, den einst die ostdeutsche Auslandsspionage als „Inoffiziellen Mitarbeiter (IM)“ geführt hatte. Er versorgte in den Achtzigerjahren die DDR mit Embargo-Waren, vor allem mit Mikroelektronik. Im Frühjahr 1990 versickerte das Geld, immerhin 167,6 Millionen DDR-Mark, die offensichtlich aus dem Technologiehandel stammten, in Form von Darlehen an ostdeutsche Geschäftspartner.

 

Die Mäzenin

In Israel galt die Wiener Kommerzialrätin, die in keiner Weise einer enragierten Kommunistin glich, als außerordentlich großzügige Sponsorin. Sie ließ Geld für die Universität Tel Aviv springen, sie unterstützte österreichische Kulturaktivitäten reichlich, so die größte je auf Reisen geschickte Sigmund-Freud-Ausstellung. 2002 reiste der damalige Kunststaatssekretär, Franz Morak, als erstes Mitglied der VP/FP-Regierung Schüssel zu einem offiziellen Arbeitsbesuch nach Israel, traf Politiker – und Frau Steindling. Sie war auch bei Franz Moraks zweiter Visite dabei, schwärmte für Renato Zanella und unterstützte auch das Wiener Staatsopernballett in besonderer Weise. Am 28.Oktober starb sie in Israel.

 

Aufwind in Graz

Ein Gutes – aus Sicht der KPÖ – hat letztlich der herbe Millionenverlust dennoch. Bis zum Ende der Neunzigerjahre war die KPÖ die reichste österreichische Partei – dank der Novum-Gewinne. Unsympathisch, aber reich. Träge, weil saturiert. Sie konnte eine Tageszeitung herausbringen und einen aufgeblähten Parteiapparat unterhalten. So war die Wiener Bundeszentrale die Herrin des Geschehens und der Politik. Seit dem Verlust dieser Einkommensquelle ist die Bundeszentrale so gut wie nicht mehr vorhanden. Jetzt kommt es auf die einzelnen Landesverbände an. Diese neue Freiheit nutzt die steirische KPÖ besonders in Graz für die Unterstützung des „kleinen Mannes“. Was ihr mit vielen Millionen nicht gelang, schaffte sie erst jetzt: Sie sitzt im steirischen Landtag und im Grazer Stadtrat. Und ist dort bereits Nummer zwei nach der ÖVP – sagen die jüngsten Umfragen...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2012)

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18 Kommentare

hat diese Dame auch den IM Zilk bezahlt?

bussi bussi

wieviel davon ging an die grünen Neomarxisten?

?

einfach ekelhaft diese Kommunisten!

Wasser (unter Terror gegen die Menschlichkeit) predigen und Wein saufen!


Re: einfach ekelhaft diese Kommunisten!

Die gesamte linke Mischpoke ist ekelhaft und widerwärtig.
Und die "Grünen" führen diese "Tradition" fort.
Diese Elemente politisch und gesellschaftlich zu bekämpfen sollte an vorderster Stelle stehen.

Bleibendes

"Fini Steindlings Lebensmaxime jedenfalls - "Ich mach nix, wo kein Geld rausspringt" - wird (...) überdauern."

www.spiegel.de/spiegel/print/d-23215475.html

Die Suche

endet wahrscheinlich irgendwo in Israel. Fragen Sie vielleicht einmal bei Schlaff & Liberman nach, vielleicht können die weiterhelfen!

scheidl verfügt über partielles geschichtswissen.

oder er verschweigt, zwecks polemik, bewusst einen teil der geschichte. nämlich jenen VOR der wende.
in dieser zeit nämlich sorgte die rote fini dafür, dass österreichische firmen millionenschwere geschäfte mit der ddr machen konnte (die ddr hätte das ohne problem auch mit anderen firmen aus anderen ländern machen können), und es dadurch zu gewinnen und arbeitsplätzen in österreich gekommen ist.

JEDER andere vermittler solcher geschäfte kassiert berechtigterweise provisionen dafür. aber eine kommunistin darf das nicht! schließlich ist sie eine kommunistin...

ich hätte eine bitte an sie, herr scheidl:
könnten sie bitte etwas recherchieren und eine liste von für sie ideologisch genehmen personen erstellen, die für ähnlich viele millionen für die österreichische wirtschaft verantwortlich sind?
es wird eh keine besonders lange liste sein.

Ja dann haben ja die Vöestler Re: scheidl verfügt über partielles geschichtswissen.

Ja dann haben ja die Vöestler ganz zu unrecht immer wieder gewählt - für die tollen Aufräge, die gar nicht er an Land gezogen hat!

Re: scheidl verfügt über partielles geschichtswissen.

aber so was von menschenfreundlich war sie sicher nicht!
Und das DDR Regime auf diese Weise zu unterstützen, ist das schändlichste, was man ihr vorwerfen muss!
Sich mit Sponsoring einen Platz in der Gesellschaft zu erobern, hat heute GsD ausgedient! Oder besser gesagt, hoffen wir es!
Aber wie heißt es so schön im Volksmund: Die "Politik is a Hur" ....

Re: Re: scheidl verfügt über partielles geschichtswissen.

"aber so was von menschenfreundlich war sie sicher nicht! "

es geht hier nicht um eine showeinlage auf einem kindergeburtstag sondern um die realität des lebens!
sogar von der politik heisst es, es gäbe keine moral/freunde o.ä. sondern nur interessen.
viel viel stärker gilt das für die wirtschaft.

wenn sie also steindling ihre deals mit der ddr posthum vorhalten, dann sollten sie das auch bei voestlern oder anderen tun , die dadurch ihren lebensunterhalt verdienten. beeilen sie sich: noch leben etliche, um sich ihre moralpredigt anhören zu können.

Wer weiß.

Vielleicht war Sie ja auch Führungsoffizier diverser SPÖ-Granden.

Re: Wer weiß.

Wenn man ein bisschen die DDR kennt, weiss man, dass die alles über die ausländischen VIPs gewußt haben. Und dieses Wissen macht die Betroffenen erpressbar. War so und ist immer noch so üblich, im Geheimdienst!

in ihrem israelischen Zweitwohnsitz

Na, wo sind denn die Milliardchen?

Chanel Kommunismus,

was für eine passende Bezeichnung!

Umverteilung von unten nach oben.

Ein schönes Leben auf Kosten Anderer.

Schon damals war unsere Justiz nichts wert.

Re: Umverteilung von unten nach oben.

"auf kosten anderer" ?

zb jener arbeiter bei der voest, die durch die kontakte von steininger ein stahlwerk in der DDR gebaut haben?
oder meinen sie die vielen anderen, die in weiteren exportfirmen tätig waren?

ach so, sie meinten wohl jene mitarbeiter von firmen in anderen staaten, die nicht zum zug gekommen sind....!
sie zeigen aussergewöhnlich hohe internationale solidarität!

Haben Sie kein Anstandsgefühl mehr?

Diktatorische Staaten wie die DDR unterstützen ist schlicht und einfach schändlich! Und dabei sich eine goldene Nase zu verdienen noch viel mehr.
Eine russische Oligarchenmentalität hatte diese Dame jedenfalls. Und wie diese enge Beziehungen zu Israel. Was für ein Zufall!

Re: Umverteilung von unten nach oben.

"Schon damals war unsere Justiz nichts wert"

Die Justiz hat Gesetze zu beachten, die von der Politik im Plenum geschneidert werden. Unsere eigenen Volksvertreter sind jene, die ...!

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