"Ich messe der unmittelbaren Prüfung dieser Ideen größte Wichtigkeit bei. Die Vorteile einer oder mehrerer schwimmender Inseln, auch wenn sie nur als Tankdepots für unsere Luftwaffe genutzt werden, sind so blendend, dass sie nicht diskutiert werden müssen." Mit diesen Worten gab der britische Premierminister Winston Churchill am 7. Dezember 1942 seine Zustimmung zu dem Projekt Habbakuk - dem Bau eines Flugzeugträgers aus Eis.
Die Idee stammte von dem britischen Journalisten und Erfinder Geoffrey Pyke. Er hatte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Lord Mountbatten, Kommandeur der britischen kombinierten Land- und Seestreitkräfte, seine Dienste mit folgenden Worten angeboten: "Sie brauchen mich in ihrem Team..., denn ich bin ein Mann, der denkt."
Und seine Gedanken waren außergewöhnlich. Er wollte eine Geheimwaffe im Kampf gegen die deutsche U-Boot-Flotte im Nordatlantik bauen: einen 1200 Meter langen und 180 Meter breiten Flugzeugträger mit zwölf Meter dicken Bordwänden. Das Material: 280.000 Eisblöcke. Rund 200 Spitfires (Jagdflugzeuge) und 40 doppelrohrige 4,5 Zoll-Geschütztürme sollten darauf stationiert werden. Das Schiff wäre wegen des Auftriebes des Materials unsinkbar, führte Pyke aus. Weiters könnten Schäden behoben werden, indem Wasser in Ritzen gefüllt und gefroren werde.
Bald stellte sich heraus, dass natürliches Eis für ein solches Vorhaben zu dünn ist. Auf der Suche nach einem geeigneten Baustoff stieß Pyke auf einen Artikel des österreichischen Chermikers Hermann Franz Mark. Dieser hatte entdeckt, dass Eis, gemengt mit Holzzellstoff, eine robuste Masse ergibt - vergleichbar mit Beton.
Demonstration im Badezimmer
Mountbatten eilte daraufhin zu Churchill, der ihm die Erlaubnis für den Bau eines Prototyps erteilte. Jahre später beschrieb Mountbatten die Begegnung in einer Tischrede wie folgt: "Ich ging zum Premierminister... er war in der Badewanne. Ich sagte: 'Gut, das ist genau, wo ich ihn haben will.'... Ich rief ihm zu: 'Ich habe einen Block von einem neuen Material, den ich in Ihr Bad geben möchte.'" Gesagt, getan: Nachdem die äußere Eisschicht des Pykrete-Würfels in der Wanne geschmolzen war, hielt der freigelegte Holzzellstoff den Rest des Blocks an der Oberfläche und verlangsamte dessen Auftauen.
Ob sich dies tatsächlich so zugetragen hat, bleibt zweifelhaft. Unbestritten aber ist der Bau eines Prototyps im Sommer 1943. Getestet wurde das 18 Meter lange und neun Meter breite Schiff am kanadischen Patricia Lake. Es hatte eine Wasserverdrängung von 1000 Tonnen, sein Rumpf wurde durch eine ein PS-starke Kältemaschine am Schmelzen gehindert. Der Versuch, mit einer Pistole ein Loch in die Eismasse zu schießen, schlug fehl. Die Kugel prallte ab, der Jubel der Entwickler war groß.
Der Flugzeugträger HMS Habbakuk wurde dennoch nie realisiert. Einerseits hätte es eine gewaltige Menge an Holzzellstoff gebraucht sowie Kork für die Wärmeisolierung, tausende Kilometer Stahlrohre für die Zirkulation des Kältemittels und vier Kraftwerke, die dem Schiff eine Geschwindigkeit von nur sechs Knoten verliehen hätten (etwa 11 km/h). Die Kosten wurden auf 70 Millionen Pfund anberaumt, 8000 Menschen wären acht Monate lang mit dem Bau beschäftigt gewesen. Hinzu kam, dass bereits an der Entwicklung neuer landgestützter Langstreckenbomber gearbeitet wurde, die das Projekt überflüssig machten.
Überflüssig war damit auch der Prototyp des Flugzeugträgers. Er wurde noch 1943 im Patricia Lake versenkt. In den 1970er-Jahren wurden seine Überreste gefunden und analysiert. Seit 1989 ziert eine Gedenktafel das Ufer des Sees, die an das ungewöhnliche Schiff, die "schwimmende Insel", erinnert.
Der Name des Projekts "Habbakuk" birgt einen Schreibfehler, da es mit zwei "b" geschrieben wurde; eigentlich hätte es "Habakuk" heißen sollen. Bei Letzterem handelt es sich um ein Buch des Alten Testaments. Darin ist zu lesen: "Schauet hin unter die Heiden, sehet und verwundert euch! Denn ich will etwas tun zu euren Zeiten, was ihr nicht glauben werdet, wenn man davon sagen wird."

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