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Flugzeugträger aus Eis: Vor 70 Jahren startet Projekt Habbakuk

Jahren Briten bauen Flugzeugtraeger
Symbolbild: Entwurf des Flugzeugträgers "Habbakuk" / Bild: (c) http://www.theantarcticbookofcookingandcleaning.com 

1200 Meter lang, 180 Meter breit und praktisch unsinkbar: Im Dezember 1942 begannen die Briten mit dem Bau eines außergewöhnlichen Flugzeugträgers. Die HMS Habbakuk sollte den deutschen U-Booten trotzen.

 (DiePresse.com)

"Ich messe der unmittelbaren Prüfung dieser Ideen größte Wichtigkeit bei. Die Vorteile einer oder mehrerer schwimmender Inseln, auch wenn sie nur als Tankdepots für unsere Luftwaffe genutzt werden, sind so blendend, dass sie nicht diskutiert werden müssen." Mit diesen Worten gab der britische Premierminister Winston Churchill am 7. Dezember 1942 seine Zustimmung zu dem Projekt Habbakuk - dem Bau eines Flugzeugträgers aus Eis.

Die Idee stammte von dem britischen Journalisten und Erfinder Geoffrey Pyke. Er hatte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Lord Mountbatten, Kommandeur der britischen kombinierten Land- und Seestreitkräfte, seine Dienste mit folgenden Worten angeboten: "Sie brauchen mich in ihrem Team..., denn ich bin ein Mann, der denkt."

Und seine Gedanken waren außergewöhnlich. Er wollte eine Geheimwaffe im Kampf gegen die deutsche U-Boot-Flotte im Nordatlantik bauen: einen 1200 Meter langen und 180 Meter breiten Flugzeugträger mit zwölf Meter dicken Bordwänden. Das Material: 280.000 Eisblöcke. Rund 200 Spitfires (Jagdflugzeuge) und 40 doppelrohrige 4,5 Zoll-Geschütztürme sollten darauf stationiert werden. Das Schiff wäre wegen des Auftriebes des Materials unsinkbar, führte Pyke aus. Weiters könnten Schäden behoben werden, indem Wasser in Ritzen gefüllt und gefroren werde.

Bald stellte sich heraus, dass natürliches Eis für ein solches Vorhaben zu dünn ist. Auf der Suche nach einem geeigneten Baustoff stieß Pyke auf einen Artikel des österreichischen Chermikers Hermann Franz Mark. Dieser hatte entdeckt, dass Eis, gemengt mit Holzzellstoff, eine robuste Masse ergibt - vergleichbar mit Beton.

Demonstration im Badezimmer

Mountbatten eilte daraufhin zu Churchill, der ihm die Erlaubnis für den Bau eines Prototyps erteilte. Jahre später beschrieb Mountbatten die Begegnung in einer Tischrede wie folgt: "Ich ging zum Premierminister... er war in der Badewanne. Ich sagte: 'Gut, das ist genau, wo ich ihn haben will.'... Ich rief ihm zu: 'Ich habe einen Block von einem neuen Material, den ich in Ihr Bad geben möchte.'" Gesagt, getan: Nachdem die äußere Eisschicht des Pykrete-Würfels in der Wanne geschmolzen war, hielt der freigelegte Holzzellstoff den Rest des Blocks an der Oberfläche und verlangsamte dessen Auftauen.

Ob sich dies tatsächlich so zugetragen hat, bleibt zweifelhaft. Unbestritten aber ist der Bau eines Prototyps im Sommer 1943. Getestet wurde das 18 Meter lange und neun Meter breite Schiff am kanadischen Patricia Lake. Es hatte eine Wasserverdrängung von 1000 Tonnen, sein Rumpf wurde durch eine ein PS-starke Kältemaschine am Schmelzen gehindert. Der Versuch, mit einer Pistole ein Loch in die Eismasse zu schießen, schlug fehl. Die Kugel prallte ab, der Jubel der Entwickler war groß.

Am Bild: Größenvergleich der Habbakuk mit einem Flugzeugträger der Nimitz-Klasse und einem Schlachtschiff Am Bild: Größenvergleich der Habbakuk mit einem Flugzeugträger der Nimitz-Klasse und einem Schlachtschiff / Bild: (c) www.royalnavalmuseum.org  

Der Flugzeugträger HMS Habbakuk wurde dennoch nie realisiert. Einerseits hätte es eine gewaltige Menge an Holzzellstoff gebraucht sowie Kork für die Wärmeisolierung, tausende Kilometer Stahlrohre für die Zirkulation des Kältemittels und vier Kraftwerke, die dem Schiff eine Geschwindigkeit von nur sechs Knoten verliehen hätten (etwa 11 km/h). Die Kosten wurden auf 70 Millionen Pfund anberaumt, 8000 Menschen wären acht Monate lang mit dem Bau beschäftigt gewesen. Hinzu kam, dass bereits an der Entwicklung neuer landgestützter Langstreckenbomber gearbeitet wurde, die das Projekt überflüssig machten.

Überflüssig war damit auch der Prototyp des Flugzeugträgers. Er wurde noch 1943 im Patricia Lake versenkt. In den 1970er-Jahren wurden seine Überreste gefunden und analysiert. Seit 1989 ziert eine Gedenktafel das Ufer des Sees, die an das ungewöhnliche Schiff, die "schwimmende Insel", erinnert.

Habbakuk

Der Name des Projekts "Habbakuk" birgt einen Schreibfehler, da es mit zwei "b" geschrieben wurde; eigentlich hätte es "Habakuk" heißen sollen. Bei Letzterem handelt es sich um ein Buch des Alten Testaments. Darin ist zu lesen: "Schauet hin unter die Heiden, sehet und verwundert euch! Denn ich will etwas tun zu euren Zeiten, was ihr nicht glauben werdet, wenn man davon sagen wird."

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29 Kommentare
 
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linzer auge

linz kulturhauptstadt 2009,kann sich jemand dran erinnern :))

Geheimwaffe

Heute heißt die Geheimwaffe gegen die Deutschen einfach "Finanzmärkte" oder tragen Kürzel wie IMF, WB und EU. So ändern sich die Zeiten.

Re: Geheimwaffe

Unsinn. Dann wären das ja lauter "Rohrkrepierer", die gegen Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich usw. funktionieren, aber nicht gegen Deutschland. Also bitte ein bisschen mehr Sachlichkeit und weniger Phantasien. Danke.

copy

wieder einmal seltsam viele Übereinstimmungen mit dem dazupassenden Wikipedia Artikel ;-)

Da sollten die erstmal mein Badeentchen aus Kacke sehen!


Re: Da sollten die erstmal mein Badeentchen aus Kacke sehen!

pic or didnt happen

Und was passiert im Sommer?

Ich glaube nicht, dass man im Sommer südlich der Linie Murmansk - Grönland besonders lange damit operiert hätte, trotz Kältmaschine.

Das hat man alles nie gebraucht! Denn der deutschsprechende Rechte säuft sich zwangsläufigum sein dummes unnützes Leben!

Auch ohne Alliierte wäre das 3.Rei... spätestens Anfang der Fünfziger totgesoffen gewesen.
Letzte Reste der Alkoholkranken krebsen jetzt noch herum. In der BRD nennt man sie NPD und in Österreich FPÖ.
Ende der Durchsage.

Re: Das hat man alles nie gebraucht! Denn der deutschsprechende Rechte säuft sich zwangsläufigum sein dummes unnützes Leben!

Ich bin sicher kein Freund der FPÖ aber die FPÖ als Nazis und damit 20-30% der Bevölkerung als Mitläufer bzw Symphatisanten zu bezeichnen ist einfach falsch! Teile der FPÖ mögen rechtsradikal sein, der Großteil und auch Herr Strache sind es aber sicher nicht!

Re: Re: Das hat man alles nie gebraucht! Denn der deutschsprechende Rechte säuft sich zwangsläufigum sein dummes unnützes Leben!

Gerade bei Herrn Strache bin ich mir nicht so sicher, wenn man sich seine Paintball-Spiele und seine Verbindungen so anschaut. Aber inhaltlich haben's natürlich Recht, die FPÖ pauschal als rechtsradikal abzutun, ist zu vereinfachend.

Re: Re: Re: Das hat man alles nie gebraucht! Denn der deutschsprechende Rechte säuft sich zwangsläufigum sein dummes unnützes Leben!

bevor ich Strache als Nazi bezeichne, würde ich eher Glawischnig und Armin Wolf als Kommunisten bezeichnen

Re: Das hat man alles nie gebraucht! Denn der deutschsprechende Rechte säuft sich zwangsläufigum sein dummes unnützes Leben!

Ja stimmt in Österreich nennt man FPÖ aber mal erlich denkst du echt das man mit solche Idioten von FPÖ was reisen kann???bekomen e die Stimmen von Leuten die selber ,,,,,,,, ist also keine bange in Österreich kann man sogar rechts zu llinks machen muss nur die Marie stimmen!!!!

Re: Re: Das hat man alles nie gebraucht! Denn der deutschsprechende Rechte säuft sich zwangsläufigum sein dummes unnützes Leben!

scheni du lernen deitsch, dann sprechta weida!!

Re: Re: Das hat man alles nie gebraucht! Denn der deutschsprechende Rechte säuft sich zwangsläufigum sein dummes unnützes Leben!

Gibt's das auch auf Deutsch?

Na immerhin ...

... einen 18 Meter langen Flugzeugträger haben sie gebaut ...

Da waren die Deutschen im Vergleich aber schon viel weiter mit ihrem Tarnkappenbomber und der Fliegenden Untertasse. Beides von den Amis kassiert und rüber über den großen Teich gebracht ...


Re: Na immerhin ...

Hab ich mir bei der Illustration auch gedacht, fehlen nur mehr ein paar Reichsflugscheiben und ein paar auf Dinosauriern reitende SS-Schergen im Hintergrund.

Re: Na immerhin ...

"Hät­ten wir wei­ter­ar­bei­ten kön­nen, wä­ren sie heu­te bei uns wie war­me Sem­meln im Brot­korb zu se­hen", hieß es im Son­der­be­richt der Deut­schen Il­lu­strier­ten Nr.45/1952,

Erste "Flugscheibe" flog 1945 in Prag - enthüllt Speers Be­auf­trag­ter in­ der WELT am Sonn­tag vom 26. April 1953 in ei­nem In­ter­view.

Re: Re: Na immerhin ...

Also, der Punsch war wohl nicht jugendfrei..........

Re: Re: Re: Na immerhin ...

warum? die deutschen hatten exzellente Techniker und Ingenieure.
dass die Ideologie krank war, ist doch davon unabhängig.

cooles schiff

im wahrsten sinne des wortes. mehr solche artikel und weniger politikwischiwaschi und nowakultschwichtigtuereien bitte!

Re: cooles schiff

Eh!

Wozu brauchen wir Nachrichten! Schnitzel, Bier und Superstar genügen.

Re: Re: cooles schiff

richtig, weil den tagtäglichen rest entnimmt man orf und anderen optischen medien sowie den APA-nachhechlern wie im grunde allen zeitungen. solche stories aber sind die smaragde im medialen alltagsschrott.

vermisse die info,

dass ein gebürtiger wiener und späterer nobelpreisträger an dem projekt beteiligt war

Re: vermisse die info,

und zwar wer?

MfG

Re: Re: vermisse die info,

Max Perutz

Re: Re: Re: vermisse die info,

Danke schön!

 
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